
Globale Entwicklungen in Bildern dargestellt
Was haben Grünen-Parteitage, Kunstmuseen und nationalrevolutionäre Demonstrationen gemeinsam? Weiße Menschen sind unter sich! Dieser Eindruck drängt sich mir als erstes auf, als ich den durchaus stattlichen Eintritt von 18 Euro für die Ausstellung „Civilization“ gelöhnt habe und mich im Foyer der Hypo Kunsthalle zwischen Marienplatz und Odeonsplatz umsehe. Die viermonatige Ausstellung geht bereits auf ihr Ende zu und ist wohl auch daher an einem Freitagnachmittag sehr gut besucht. Neben vorwiegend älteren Semestern sieht man auch viele jüngere, offensichtlich mehr als nur „links-angehauchte“ Damen.
Was treibt nun mich in diese Ausstellung? Das Themenfeld „Ökologie“ wird im nationalen Lager völlig unter Wert gehandelt. Die stetig wachsende Weltbevölkerung und das global gesehen permanente Wirtschaftswachstum hat bereits jetzt sichtbar-katastrophale Auswirkungen. Weil eine nationalrevolutionäre Politik Globalisierung entgegenwirkt, bieten wir hier schon unbewusst Lösungsansätze. Mich interessiert daher nicht nur die Foto-Kunst an sich. Vorrangig bin ich gespannt, welche neuen Aspekte der Globalisierung hier aufgezeigt werden. Ganz ergebnisoffen interessiert mich auch, ob jemand substanzielle und durchdachte Lösungsansätze für die wirklich drängenden Probleme unserer Zeit hat. Natürlich ist meine Erwartungshaltung diesbezüglich gering, aber ich möchte diese Chance zunächst einmal einräumen.
Nach einer Einleitung über allgemein bekannte Eckdaten der Geschichte der Menschheit, komme ich in einen Raum, in dem auf einem Bild eine startende Weltraumrakete zu sehen ist. Die Ausstellungskuratoren gehen davon aus, dass die Menschheit schon bald expandieren und Weltraumkolonisation betreiben wird. Ich halte diese Entwicklung für unwahrscheinlich. Die bisherigen Erfolge in der Raumfahrt sind weit davon entfernt, eine Besiedelung anderer Planeten realistisch erscheinen zu lassen. Der Aufwand und der Ressourcenverbrauch für die Raumfahrt ist gigantisch. Bislang hat es jedoch nur für kurze Besuche auf dem Mond gereicht. Weil Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen, hat US-Präsident Donald Trump dieses Jahr erst eine drastische Kürzung des NASA-Haushalts vorgenommen. Selbst in den generell sehr fortschrittsgläubigen USA hat man offenbar Zweifel daran, dass die Raumfahrt der Menschheit noch wirklich nennenswerte Fortschritte bringen wird.
Dass die Kuratoren Weltraumkolonisation als nächsten Schritt in der Menschheitsgeschichte ansehen, überrascht jedoch nicht; denn es ist offensichtlich, dass die globalen Probleme immer drängender werden. Stichwort: Überbevölkerung. Aber auch Umweltzerstörung und der immer schnellere Abbau fossiler, nur begrenzt vorhandener elementarer Ressourcen werfen die Frage auf, wie lange der Planet Erde noch eine einigermaßen gute Heimat für alle Menschen bleiben wird. Die Ausstellung erhebt den Anspruch, Gemeinsamkeiten statt Unterschiede der Menschheit aufzuzeigen. Man kann hier „One-World-Ideologie“ wittern, man kann aber auch ganz nüchtern anerkennen, dass Globalisierung Realität ist und sich mitunter überall ähnlich auswirkt.
Das zeigt beispielsweise ein Bild in dem Raum „Beeinflussen“. Es zeigt den „Persischen Hof“ im Einkaufszentrum Ibn Battuta in Dubai. Mitten in einer orientalischen Halle, geprägt durch zahlreiche Ornamente unter einem kuppelförmigen Dach, sehen wir eine „Starbucks“-Filiale. Es ist ein Kennzeichen der Globalisierung, dass Menschen weltweit die gleiche Kleidung tragen, den gleichen Kaffee schlürfen, die gleichen Lieder hören und die gleichen Filme sehen. Das ist bedenklich, weil die Vielfalt der Menschheit, ihre unterschiedlichen Kulturen, so nivelliert werden. Ein Problem, dass also nicht nur die weiße Menschheit betrifft.
Besonders interessant ist der Raum „Bienenstock“. Hier sehen wir Überbevölkerung plastisch dargestellt. Sehr eindrucksvoll ist beispielsweise ein Bild von Mexiko-Stadt. Ein unübersehbares Häusermeer dehnt sich bis zum Horizont aus. Nirgendwo ist ein Hauch von Grün mehr ersichtlich. Smog, Trinkwassermangel, Verkehrsprobleme kennzeichnen das Leben der Menschen hier. Auf anderen Bildern sieht man etwa riesige Wohnhäuser in einer chinesischen Großstadt oder eine vierköpfige chinesische Familie, deren Wohnbehausung sich auf nur fünf Quadratmeter beschränkt. In „Zusammen allein“ werden die Folgen der Atomisierung des Menschen aufgezeigt. Man tut der Kunstszene wohl kein Unrecht, wenn man ihr ein diffuses „Weltbürgertum“ unterstellt. Es sind genau die Menschen, die natürliche Banden wie Familie, Stamm und Volk mit ihren Hierarchien aufbrechen und abschaffen wollen. Interessant ist daher, dass in der Beschreibung zu dem Raum von einem „Spannungsfeld zwischen Individualität und Kollektivität“ die Rede ist.
Man könne sich „gerade auch in den größten Gruppen – wie es die modernen Großstädte oder die Sozialen Netzwerke sind – zutiefst einsam fühlen.“ Auch die Qualität heutiger zwischenmenschlicher Beziehungen wird in Frage gestellt. Die gezeigten Bilder sind jedoch eher fragwürdig. Man sieht diverse gemischtrassige Paare aus den USA, die entweder ein Kind erwarten oder bereits ein Kind groß gezogen haben. Auf einem anderen Bild fotografiert sich eine junge Dame in sexuell aufreizender Pose. Daneben ein Bild von einem jungen Mann in seinem Zimmer, der grade in seinen Schritt filmt. Ist das noch Kunst? Kann man das noch als notwendige Darstellung gesellschaftlicher Entwicklung einordnen? An dieser Stelle sei auch noch bemerkt, dass der Ausstellungsbesucher, der einen Audio-Führer über das eigene Mobiltelefon nutzt, auch mit unnützer „Gender-Sprache“ traktiert wird.
Im Verlauf der Ausstellung wird auch das Thema Migration nicht ausgespart. Wir sehen beispielsweise einen Zug von Asylforderern, der von slowenischer Polizei an einer Gemeinde vorbei geleitet wird. Ein anderes Bild zeigt ein Boot voller Schwarzafrikaner und ein anderes zeigt einen Konflikt zwischen Immigranten mit weinenden Kindern und nordmazedonischer Grenzpolizei. Folgen der Umweltzerstörung werden auch gezeigt. So sehen wir auf bekannten Bildern den Mageninhalt von verendeten Vögeln. Es ist erschreckend zu sehen, wie viel Plastik in die Mägen der Tiere gelangt ist. Wir sehen hier einen relevanten Aspekt der globalen Umweltkatastrophe, der mit dem systemimmanenten kapitalistischen Wachstumszwang zusammenhängt.
Ein abschließendes Kapitel wagt noch einmal Zukunftsprognosen. Hier sieht man offenbar weder Apokalypse, noch eine Welt voller Konflikte kommen, sondern eine Welt voller faszinierender Technik. Die Kuratoren blicken also durchaus optimistisch in die Zukunft.
Was bleibt hängen? Leider wenig. Bilder sind Bilder. Sie können bestenfalls Emotionen wecken, sie können einen bestimmten Zustand abbilden. Wenn man schon mit einem gewissen Problembewusstsein in die Ausstellung geht, kann man sich bestätigt fühlen. Wenn einem Probleme wie Umweltschäden, die durch Plastik verursacht werden, noch nicht bekannt sind, kann man sie so kennenlernen. Wirklich neue Informationen hat mir die Ausstellung leider nicht geliefert. Die leise Hoffnung auf Lösungsansätze hat sich nicht erfüllt. Ästhetische Hochgefühle hat die Ausstellung ebenfalls nicht geweckt. Unter dem Strich bleibt also ein eher unbefriedigendes Resümee zur Ausstellung „Civilization – Wie wir heute leben“ in München.

















Überbevölkerung kann es nicht geben, denn Menschen können sich, genau wie alle anderen Tiere, nur in den Maßen vermehren, wie sie auch überleben können, denn andernfalls sterben sie. Das Gegenteil ist ein grünes Gruselmärchen aus den 1970ern (Paul Ehrlich).