
Ostblock-Format wieder aufgelegt
Seit 2022 ist Russland vom „Eurovision Song Contest“ ausgeschlossen. Aus dieser Not will die Russländische Föderation offenbar eine Tugend machen. Und so lautet ein russisches Propaganda-Narrativ, man habe einen „Gegenentwurf“ zum „bunten“ ESC entwickeln wollen. Tatsächlich ist der ESC für seine Homopropaganda-Veranstaltungen bekannt. So verkündete Russlands Außenminister Sergej Lawrow vollmundig: „Ich garantiere, dass es dort keine Perversionen und Verhöhnungen der menschlichen Natur geben wird“. Eine russische Senatorin sprach davon, dass bei dem Wettbewerb keine „falschen Werte, die jedem normalen Menschen fremd seien“ propagiert würden.
Der Name der Veranstaltung erinnert an ein Format, das im kommunistischen Ostblock in den 1970er-Jahren abgehalten wurde. Nicht nur der kommunistische Diktator Stalin ist heute in Russland wieder groß in Mode, sondern sämtliche sowjetische Nostalgie. Eingeladen wurden Vertreter aus diversen Drittweltländern, die das gemeinsame Leid tragen, zur „russischen Welt“ zu gehören; in der Propagandasprache des Kreml als „multipolare Welt“ gepriesen. So beispielsweise Kirgisistan, Kuba, Madagaskar, Tadschikistan oder Usbekistan. Ein buntes Multikulti-Spektakel mit Vertretern aller Rassen also. Für Russland selbst ist der russische Kriegsbarde Shaman aufgetreten, der im Anschluss an seinen Auftritt seine bekannte Losung „Ich bin Russe“ in die versammelten Kameras schmetterte. Der russische Vertreter ist jedoch außer Konkurrenz aufgetreten, was zur Kritik vieler Beteiligten geführt hat. Russland selbst ist der Meinung, dass es schon mit der Austragung des Wettbewerbs automatisch gewonnen habe, was andere zu Recht als anmaßend auffassten.
So konnte sich Duc Phuc den Sieg holen. Der junge Vietnamese ist vor allem für sein Lied „More than Love“ bekannt, in dem ein turtelndes homosexuelles Paar zu sehen ist. Phucs sexuelle Ausrichtung ist nicht belegt, er soll jedoch selbst schwul leben. So stellt auch der „Intervision“ unbeabsichtigt eine Schwulen-Parade dar. Was aufzeigt, dass das „konservative“ Russland bei weitem nicht so sehr an der klassischen Familie orientiert ist, wie den naiven Propaganda-Empfängern im Westen vorgegaukelt wird.
Auch dürften anti-chinesische Textpassagen über den im Dritten Indochinakrieg ausgefochtenen Freiheitskampf Vietnams gegen die chinesischen Invasoren Peking, um dessen Partnerschaft sich Russland bis letztes Jahr als letzten Strohhalm bemüht hat, sauer aufgestoßen sein. Dass sich der vietnamesische Teilnehmer am Ende gegen den chinesischen Kandidaten durchsetzte, würde laut Beobachtern auch der geopolitischen Lage am besten gerecht werden. Denn das kommunistische Vietnam und Russland pflegen seit ihrem strategischen Partnerschaftsabkommen im letzten Jahr beste Beziehungen und Vietnam versteht sich auch mit der Trump-Administration in Washington besser, als das zur USA in scharfer Konkurrenz stehende China. Ein weiteres Beispiel dafür, dass der putinistische „Intervision“ nichts weiter als eine politische Propaganda-Farce als Spiegelbild zum ESC ist, bei der die musikalischen Qualitäten der Wettbewerber höchstens eine untergeordnete Rolle spielen.













