Die Wohnungsnot in Baden-Württemberg ist kein unvorhersehbares Unglück. Sie ist das Ergebnis jahrelanger politischer Ignoranz. Während Bundes- und Landesregierung ihre Verantwortung von einem Ministerium zum nächsten und von Berlin nach Stuttgart schieben, fehlen im Land inzwischen 196.000 Wohnungen. Und die Prognose ist verheerend: Bis 2030 wird das Defizit auf 362.000 Wohnungen anwachsen.
Diese Zahlen sind keine Randnotiz. Sie sind die Quittung für eine Wohnungspolitik, die über Jahre gescheitert ist.
Regieren heißt offenbar: Ankündigen statt Handeln
Seit Jahren wird versprochen, gebaut, gefördert und entbürokratisiert. Tatsächlich wurde vor allem eines produziert: Pressemitteilungen.
Die Bundesregierung verkündete großspurig das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Erreicht wurde dieses Ziel kein einziges Mal. Stattdessen rechnen Experten inzwischen nur noch mit 200.000 Neubauwohnungen jährlich – gerade einmal der Hälfte dessen, was notwendig wäre.
Ein politisches Versprechen, das nicht einmal annähernd eingehalten wird, ist kein ambitioniertes Ziel mehr. Es ist ein Offenbarungseid.
Baden-Württemberg schaut tatenlos zu
Doch auch die Landesregierung trägt eine erhebliche Mitschuld. Sie verwaltet den Mangel, anstatt ihn zu bekämpfen.
Der Bestand an Sozialwohnungen liegt seit fünf Jahren nahezu unverändert bei lediglich 55.000 Wohnungen. Ein Armutszeugnis für eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer Deutschlands. Nordrhein-Westfalen verfügt über 409.000 Sozialwohnungen, Bayern über 134.000. Baden-Württemberg dagegen bleibt weit abgeschlagen.
Wer ständig von sozialer Verantwortung spricht, darf sich an diesen Zahlen messen lassen – und fällt krachend durch.
Der Wohnungsbau bricht ein – die Politik schaut zu
Während der Bedarf explodiert, geht der Wohnungsbau in den Keller.
Im Jahr 2025 wurden in Baden-Württemberg gerade einmal 24.899 Wohnungen fertiggestellt – rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders dramatisch ist die Entwicklung beim sozialen Wohnungsbau: Die Zahl der fertiggestellten Sozialwohnungen brach um 31 Prozent auf lediglich 2.815 Wohnungen ein.
Das ist keine Konjunkturdelle. Das ist der Kollaps einer Wohnungspolitik, die ihre Kernaufgabe nicht mehr erfüllt.
Die Rechnung zahlen die Schwächsten
Den Preis für dieses politische Versagen zahlen nicht Ministerien und Regierungsfraktionen. Zahlen müssen ihn die Bürger.
Junge Menschen finden keine Wohnung und können ihre Ausbildung nicht antreten. Familien werden aus den Städten verdrängt. Ältere Menschen werden wegen steigender Mieten und sinkender Renten zum Umzug gezwungen.
Während Politiker über Förderprogramme diskutieren, kämpfen hunderttausende Bürger um ein Grundbedürfnis: ein bezahlbares Zuhause.
Ausreden gibt es genug – Lösungen nicht
Natürlich verweist die Politik auf hohe Baukosten, steigende Zinsen oder komplizierte Genehmigungsverfahren. All das mag stimmen. Doch genau dafür werden Regierungen gewählt: Um Probleme zu lösen; nicht, sie bei jeder Gelegenheit als Entschuldigung zu präsentieren.
Wer jahrelang zusieht, wie Genehmigungen einbrechen, Sozialwohnungen verschwinden und Neubauten ausbleiben, darf sich nicht hinter äußeren Umständen verstecken. Das ist Führungsversagen.
Die Wohnungskrise ist politisch gemacht
Die Wohnungsnot ist keine Naturkatastrophe. Sie ist politisch verursacht.
Bundesregierung und Landesregierung haben Warnungen ignoriert, Fehlentwicklungen verschlafen und den sozialen Wohnungsbau sträflich vernachlässigt. Statt entschlossen zu handeln, wurden Ziele verkündet, Gipfel veranstaltet und Arbeitsgruppen gegründet. Wohnungen entstanden dadurch nicht.
196.000 fehlende Wohnungen sind keine abstrakte Statistik. Hinter jeder einzelnen fehlt ein Zuhause für Menschen, die arbeiten, Familien gründen, studieren oder ihren Lebensabend in Würde verbringen wollen.
Die Verantwortlichen in Berlin und Stuttgart können sich nicht länger hinter gegenseitigen Schuldzuweisungen verstecken. Die Wohnungsnot trägt ihre politische Handschrift. Und mit jedem weiteren Jahr des Nichtstuns wird dieses Versagen größer.















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