Zeitschrift „konkret“: Sinnkrise bei der Antifa

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Wie geht es eigentlich der Antifa? In der linksradikalen Zeitschrift „konkret“ vom April gibt ein langjähriges Mitglied der „Antifaschistischen Linken Berlin“ (ALB) überraschende Einblicke in die innere Befindlichkeit unserer Gegner. Demnach hat schon im letzten Jahr ein großer Kongreß zum Thema „Antifa in der Krise“ stattgefunden. Danach lösten sich Organisationen wie die ALB, Antifa Frankfurt und Autonome Antifa Hannover einfach auf. Die Mitglieder gingen sofort in andere Gruppierungen über, aber die Probleme sind geblieben. Der Artikel beschreibt die bisherige Vorgehensweise der deutschen Antifa, sich medienwirksam auf einzelne gut vorbereitete Einsätze, meist Demonstrationen, zu konzentrieren. Dieses Konzept habe seit Ende der 1990er Jahre zur Zufriedenheit funktioniert. Inzwischen aber fühlen sich die Aktivisten davon nicht mehr angesprochen.

Bemerkenswert ist, daß der Wert einer Aktion weniger an der politischen Wirkung gemessen wird, etwa daran, ob eine „Nazi“-Demo verhindert wurde, sondern an der Stimmung, die dabei entsteht. Immer öfter klagen Antifas über ein „flaues Gefühl“ und fragen sich: „Wo sind die Schmetterlinge im Bauch?“ Unser Eindruck ist also richtig: Die Antifa ist mehrheitlich spaßorientiert. Sie will auf Demos etwas erleben. Das ist uns nicht so ganz fremd.

Der „konkret“-Autor überlegt nun, woher die Frustration rühren könnte: Beim NSU-Prozess spielt die Antifa überhaupt keine Rolle. Und auch die Solidarisierung mit Flüchtlingen verläuft eher unlustig. „Es scheint, als werde weiter aus dem Bestand gewirtschaftet, ohne daß sich die Prämissen des Wirtschaftens geändert hätten.“ Auch das kennen wir.

Schließlich geht die Selbstkritik sogar ins therapeutische über: „Die Antifa nimmt sich keine Zeit, um sich und ihre Erfahrungen in solch krisenhaften Momenten zu hinterfragen. Es gibt keinen Umgang mit Brüchigkeit, Unklarheit und Unsicherheit.“ So lautet der Rat an die unglücklichen Aktivisten, den Anschluß an die soziale Wirklichkeit zu suchen und sich in die Proteste gegen hohe Mieten und Gentrifizierung einzuschalten. Das ist allerdings kaum zu erwarten. Denn beim Thema Armut könnte die Antifaschistische Linke mit den „Nazis“ womöglich Gemeinsamkeiten entdecken.