Baden-Württemberg: Bauern zwischen Brüsseler Bürokratie und Berliner Realitätsferne

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Wer heute mit Landwirten in Baden-Württemberg spricht, hört immer häufiger dieselbe Botschaft: Nicht die Arbeit auf dem Feld oder im Stall bringt die Bauern an ihre Grenzen, sondern die Politik. Während die Europäische Union Jahr für Jahr neue Vorschriften, Dokumentationspflichten und Kontrollmechanismen erfindet, verlieren viele bäuerliche Familienbetriebe im Land die Perspektive.

 

Regulierungsdschungel statt Rückenwind

Besonders in Baden-Württemberg, wo die Landwirtschaft traditionell von kleineren und mittleren Betrieben geprägt ist, werden die Folgen einer ausufernden Regulierung deutlich sichtbar. Viele Vorgaben entstehen in Brüssel, weit entfernt von den tatsächlichen Bedingungen auf den Höfen im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb oder am Bodensee. Dort werden Regeln beschlossen, die auf dem Papier sinnvoll erscheinen mögen, in der Praxis jedoch oft kaum umsetzbar sind.

 

Berlin verschärft statt vereinfacht

Hinzu kommt, dass die Bundesregierung zahlreiche europäische Vorgaben nicht nur übernimmt, sondern häufig noch komplizierter ausgestaltet. Statt sich in Berlin für praktikable Lösungen einzusetzen, werden zusätzliche Berichtspflichten, Nachweise und Kontrollen geschaffen. Die Leidtragenden sind die Landwirte, die immer mehr Zeit im Büro und immer weniger Zeit auf ihren Betrieben verbringen.

 

Wenn Vorschriften Existenzen gefährden

Das Beispiel eines Milchbauern aus Baden-Württemberg zeigt die Absurdität dieser Entwicklung besonders deutlich. Weil seine Weideflächen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht exakt den Vorgaben entsprechen, verliert er sein Bio-Siegel und damit einen erheblichen Teil seines Einkommens. Solche Fälle verdeutlichen, wie starr und lebensfremd manche Regelungen inzwischen geworden sind. Statt individuelle Lösungen zu ermöglichen, werden Betriebe in ein Korsett gezwängt, das häufig weder den Tieren, noch den Bauern hilft.

 

Die Doppelmoral an der Supermarktkasse

Doch die Verantwortung liegt nicht allein bei Politik und Behörden. Auch das Konsumverhalten vieler Menschen trägt zu dieser Entwicklung bei. In Umfragen wird regelmäßig betont, wie wichtig Regionalität, Tierwohl und Nachhaltigkeit seien. An der Supermarktkasse sieht die Realität jedoch oft anders aus. Dort gewinnt häufig das billigste Angebot; unabhängig davon, ob die Ware aus Baden-Württemberg, Deutschland oder vom anderen Ende Europas stammt. So kauft man denn Kirschen aus der Türkei und Kartoffeln aus Ägypten.

 

Höchste Ansprüche, niedrigste Zahlungsbereitschaft

Diese Widersprüchlichkeit hat Folgen. Einerseits erwarten Verbraucher höchste Standards bei Umwelt-, Tier- und Klimaschutz. Andererseits sind viele nicht bereit, die daraus entstehenden Mehrkosten zu tragen. Das führt zu einer Situation, in der die Landwirte immer höhere Anforderungen erfüllen müssen, während der Preisdruck gleichzeitig zunimmt. Wer regionale Landwirtschaft fordert, aber konsequent zum billigsten Importprodukt greift, trägt mit dazu bei, dass immer mehr Höfe aufgeben.

 

Verlust der Identität

Gerade für Baden-Württemberg ist diese Entwicklung problematisch. Die bäuerlichen Familienbetriebe prägen nicht nur die Versorgung mit Lebensmitteln, sondern auch die Kulturlandschaft, den Tourismus und das gesellschaftliche Leben im ländlichen Raum. Wenn diese Betriebe verschwinden, verlieren ganze Regionen einen Teil ihrer Identität.

 

Zeit für einen Kurswechsel

Die Landwirtschaft braucht deshalb weniger ideologische Vorgaben, weniger bürokratische Detailsteuerung und mehr Vertrauen in die Menschen, die täglich für unsere Ernährung sorgen. Solange Brüssel immer neue Regeln erlässt, Berlin diese noch verschärft und Verbraucher zwar Regionalität fordern, aber Billigware kaufen, wird sich die Lage vieler Landwirte weiter verschlechtern. Die Frage lautet daher nicht mehr, ob Höfe verschwinden werden, sondern wie viele Baden-Württemberg noch verlieren kann, bevor Politik und Gesellschaft umdenken.

 

Ohne Bauern keine Ernährungssicherheit

Die Partei Der III. Weg betont in Punkt 2 ihres Parteiprogrammes „Raumgebundene Volkswirtschaft“ die zentrale Bedeutung einer Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die Gewährleistung der Ernährungssicherheit zählt zu den zentralen Aufgaben eines Staates. Deshalb ist es wichtig, die landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen, insbesondere Saatgut und Futtermittel, im eigenen Land zu stärken und so auszubauen, dass die Bevölkerung auch bei Störungen internationaler Lieferketten zuverlässig versorgt werden kann. Aus diesem Grund müssen die Futtermittelgrundlage und das Saatgut aus eigener Herstellung gewonnen werden, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass die gesamte Bevölkerung des Landes ohne Warenimporte ernährt werden kann.

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