Der zweite Teil von Systemfehler macht da weiter, wo der erste aufhörte. Beschrieb der erste Teil noch das Versinken von Deutschland in Bürgerkrieg und Anarchie, ist dieser Bürgerkrieg im Nachfolger im vollen Gange. Bürgerwehren haben in Sachsen die Kontrolle übernommen, Bundeswehreinheiten und Polizei weigern sich auf diese zu schießen und laufen entweder zu den Bürgerwehren über oder quittieren den Dienst. Für die Regierung unter Angela Merkel bleibt nur noch die Möglichkeit, Einheiten der Europäischen Union gegen die widerständigen Sachsen einzusetzen, während der Rest des Landes in einen an den passiven Widerstand unter der französischen Besetzung erinnernden Generalstreik tritt. Das etwas zugespitzte Szenario des ersten Teils wird hier vom Autoren also in aller Konsequenz weitergeführt und erreicht in Teilen die Schwelle des Absurden, wobei man bedenken muss, dass es sich trotz aller politischen Botschaften um einen Unterhaltungsroman handelt. Eben dies macht das Buch aber so interessant, da es erfrischend aus der Reihe der entweder völlig apolitischen oder komplett zeitgeistkonformen Literatur heutzutage heraussticht. Einen Weltanschauungsroman wie etwa von Drieu la Rochelle oder Hans Zöberlein darf man dabei freilich nicht erwarten, statt tiefer gehender weltanschaulicher Analysen orientiert sich das Buch eher an bestehenden politischen Gegebenheiten, sodass sowohl die Alternative für Deutschland als auch Pegida, genauso wie reale Politiker der Altparteien, welche teilweise mit Klarnamen, teilweise leicht erkennbar mit falschen Namen, im Buch vorkommen. Während man auf der politischen Ebene einiges kritisieren kann, wie etwa auch eine teilweise sehr grobe und klischeehafte Darstellung von Ereignissen und Personengruppen oder das fast schon übliche Narrativ „konservativer“ Personen, die Merkel und die Europäische Union als neuen „Faschismus“ darstellen wollen, lässt sich zumindest als patriotischer Leser am Unterhaltungswert kaum etwas aussetzen. Das wovon viele insgeheim träumen mögen setzen die Protagonisten in die Tat um, die Sympathien sind klar verteilt: Auf der einen Seite eine kriminelle, volksverräterische Regierung und fremde Besatzungssoldaten, auf der anderen mutige Patrioten – insbesondere von Sachsen verkörpert – die immer wieder den Sieg davontragen. Wie auch der ersten Teil erinnert die Geschichte an zwei Werke eines gewissen us-amerikanischen Autoren, es lassen sich bereits die ersten Diskussionen finden, ob die beiden Systemfehler Bücher oder ihre nordamerikanischen Vorgänger nun die besseren sind. Eine Beurteilung, die wohl vor allem dem persönlichen Geschmack geschuldet ist. Wie auch bei dem ersten Teil muss dem Antaios-Verlag für die Herausgabe des Buches durchaus Mut zugesprochen werden, der Handlungsstrang des Buches lässt an Konsequenz nichts zu wünschen übrig. Einzig das doch sehr offene Ende stört als grober Schnitzer, ob es daran liegt, dass man sich einen eventuellen dritten Teil offen lassen wollte oder die (teilweise sehr blühende) Phantasie des Autors für mehr nicht mehr ausgereicht hat, ist unbekannt. Wer einen politisch unkorrekten Unterhaltungsroman sucht – welche grade junge Menschen mehr begeistern können als weltanschauliche Abhandlungen – dürfte bei der Systemfehlerreihe durchaus fündig werden, wer dagegen einen weltanschaulichen Roman sucht, ist eher bei den bereits genannten Autoren oder „Klassikern“ wie Kurt Eggers richtig aufgehoben.
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