
Rasse, Volk und Nation
Rasse, Volk und Nation sind eng miteinander verbundene Begriffe, welche auf den jeweils vorherigen aufbauen. Daher wollen wir diese auch in dieser Reihenfolge betrachten. Rassenkunde, oder wie auch immer man es heutzutage nennen möchte, ist, entgegen der landläufigen Meinung, eine ernste Wissenschaft. Daher wollen wir hier nicht zu sehr ins Detail gehen. Notwendigerweise muss Evola hier dem heutigen Stand der Wissenschaft hinterher sein. Wir wollen uns trotzdem in ihren Grundzügen mit Evolas Idee der Rasse auseinandersetzten, da sie ihn zum einen vom Nationalsozialismus unterscheidet und zum anderen notwendig ist, um seine Thesen zum Staat und dessen Herrschern zu verstehen.
Wie auch der Nationalsozialismus erkennt auch Evola die Existenz von menschlichen Rassen an. Während der Nationalsozialismus aber seine Rassenkunde auf einer rein biologischen Ebene betreibt, setzt Evola noch zwei weitere darüber, die der Seele und die des Geistes. Evola hat diesem Thema ein eigenes Buch gewidmet und wir wollen die Unterschiede zwischen diesen beiden Ebenen hier nicht betrachten, wichtig ist, dass Evola Ebenen über der biologischen schafft. Der vertikale Unterschied, also der zwischen Menschen der gleichen biologischen, aber unterschiedlicher geistiger/seelischen Rasse, kann dabei nach Evola ähnliche Ausmaße annehmen, wie sie der Nationalsozialismus auf biologischer Ebene zwischen den Völkern Europas und denen Afrikas sieht. Das bedeutet jedoch nicht, dass er die biologische Lehre des Nationalsozialismus grundlegend ablehnt, so schreibt er:
„Wir halten fest am göttlichen
Charakter einiger Rassen, in denen sich mit dem Blut das Erbe eines überbiologischen,
potentiell übermenschlichen Faktors überträgt.“
Selbst die Mystifizierung von Blut und Rasse sei nicht falsch, müsse aber durch eine geistige Komponente erweitert werden. Der Grund für Evolas Ablehnung der rein biologischen Definition von Rasse und sein Hinzufügen von Geist und Seele liegen in seiner schon mehrfach erwähnten Sorge um einen Rückschritt ins Kollektivistische. Die Idee einer geistigen Rasse war aber auch in Deutschland nicht unbekannt, so soll laut Martin Bohrmann, Hitler bemerkt haben, die Juden seien eigentlich mehr eine Gemeinschaft des Geistes, als eine Rasse im biologischen Sinne. Über das ob und wie weit diese Bemerkung aber in Richtung der Ideen Evolas geht, lässt sich aber nur spekulieren.
Gegen die Begriffe Volk und Nation bringt Evola ganz ähnliche Bedenken ins Feld. So ist das Volk für ihn nichts als eine Masse, er schreibt dazu:
„Wir betrachten die Idee als Verirrung, das Göttliche könnte sich im Mischmasch,
im Element der Masse offenbaren, und nicht in denen, die bereits selbst annähernd
göttliche Naturen sind.“
Auch das Konzept des Nationalstaats wird von Evola kritisiert.
„Der Nationalismus als Massenphänomen ist eine Rückkehr zum Totemismus. Der
Überstaat als Verkörperung des „absoluten Geistes“ ist die Maske der leviathanischen
Idee und das Vorzimmer der Sowjets.“
Seine Ablehnung gegen die Nation wird dadurch verstärkt, indem er in ihr das Produkt der Französischen Revolution sieht, welche einen stark anti-hierarchischen Charakter hatte.
Wie schon die Idee der biologischen Rasse sieht Evola die Nation aber auch nicht rein negativ, sondern als den Ausgangspunkt einer vertikalen Ordnung. So schreibt er:
„Unser Imperialismus geht sicherlich über den Nationalismus hinaus. Während aber der
demokratische Internationalismus das nationale Prinzip nur schwächt und mindert, um
die Nation vielen anderen Nationen unterschiedslos beizugesellen, ist die römischimperiale Übernationalität die einer nationalen Bejahung, welche durch eine Gruppe von Herrschern in einer höheren Synthese behauptet wird, allenfalls auch gegenüber anderen Nationen, die sie unter sich nimmt.“
Damit wäre auch Evolas Haltung zum Internationalismus angeschnitten, welchen er, trotz seiner Haltung gegenüber der Nation, ablehnte. Zum Schluss noch ein Zitat in dem Evola beschreibt, welche Bedeutung seiner Meinung nach die Nation für die alten Germanen hatte.
„Für die frühen germanischen Völker war die Nation noch
zusammengefallen mit der Gesamtheit der von freien Herren befehligten Stämme;
Herren, verbunden im Blute, verbunden in der Tat wie in einer Front, bereit, sich mit
Stolz der Disziplin einer kriegerischen Ordnung zu unterwerfen, worin sie mit ihren
Gefolgsleuten zu den Mannen des Dux oder Heretigo wurden – aber gleichwohl immer
ihre Unabhängigkeit bewahrend, das Gefühl, sie selbst zu sein und nicht nur
Ausstrahlungen eines Kollektivums.“
Adel und Aristokratie
Wir haben im Abschnitt über den Ursprung des Staates schon mehrfach von „König“ gesprochen, jetzt werden wir sehen, warum wir diesen Begriff verwendet haben und nicht Führer, Herrscher oder Ähnliches.
Evolas Standpunkt zum Thema Adel und Aristokratie mag auf den ersten Blick wie das Gerede eines Adligen klingen, welcher seiner Privilegien beraubt wurde und diese nun zurückfordert. Wenn man allerdings seine Form der Rassenkunde als Ausgangspunkt anerkennt, erscheinen seine Thesen in einem anderen Licht, es handelt sich dabei vielmehr um die logische Konsequenz seines Rassengedankens. Damit im Hinterkopf wollen wir nun das Thema Adel und Aristokratie betrachten.
Evola setzt die Anfänge des Adels in graue Vorzeit. Dort vollbrachten einige Individuen Taten von solch übermenschlicher Größe, dass sie sich dadurch aus der breiten Masse herausheben konnten und den Status von Göttern oder Halbgöttern erhielten. Diese Individuen waren laut Evola in einem engen Kontakt mit dem Göttlichen, was sie noch weiter aus der Masse heraushebt. Diese Verbindung zum Göttlichen wurde von Generation zu Generation mittels spezieller Riten übertragen. Diese Urahnen sind die Begründer des Blutadels und der Tradition im Sinne Evolas. Schlussendlich liegt nach Evola der Hauptunterschied zwischen Aristokraten und dem gemeinen Volk darin, dass die Ersten göttliche Vorfahren hatten, Letztere aber nicht. In diesem Zusammenhang stellt Evola eine seiner wohl extremsten Forderungen, die nach der Einführung eines Kastensystems. Was fast schon verrückt erscheinen mag, ist jedoch lediglich die letzte Konsequenz aus Evolas Grundidee der biologischen, geistigen und seelischen Rassen. So wie der Nationalsozialismus aufgrund seiner biologischen Rassenlehre notwendigerweise Gesetze zur Rassenhygiene einführte, muss Evola notwendigerweise, zum Schutz der Rassen in seinem Sinne, ein Kastensystem fordern. In sich geschlossen sind beide Systeme logisch, solange man die Grundannahme, die jeweilige Rassenlehre, als gegeben anerkennt. Weiterhin sagt laut Evola die Kaste, in der sich eine Person befindet, nicht zwingend etwas über den Wert einer Person aus. Das folgende Zitat verdeutlicht dies:
„Wichtig ist, daß im
Gegensatz zu allen Formen von Ressentiment und sozialem Wettbewerb jedermann
seinen eigenen Platz im Leben zu erkennen und zu leben vermag, das heißt den Platz, der
der eigenen Natur am besten entspricht, und daß er damit auch die Grenzen erkennt,
innerhalb derer er seine Möglichkeiten entwickeln, seinem Leben einen organischen Sinn
geben und seine eigene Vollkommenheit erreichen kann. Denn ein Handwerker, der seine
Stellung vollkommen ausfüllt, steht sicherlich über einem unfähigen König, der nicht auf
der Höhe seiner Würde ist.“
Ausschlaggebend für den Wert einer Person ist also nicht die Kaste, in der sie sich befindet, sondern die Position innerhalb der Kaste.
Wegen seiner besonderen Abstammung, schreibt Evola dem Adel eine besondere, höhere Legitimität zu, welche andere Herrscher ganz gleich wie beliebt und fähig sie sein mögen, nie erreichen können. Aus diesem Grund ist Evola der Meinung, dass ein traditioneller Staat als Staatsoberhaut einen König aus einer alten Adelsfamilie haben sollte.
Im Bezug auf den Herrscher vermutet man wieder einen grundlegenden Unterschied zum Nationalsozialismus, womit man auch richtig liegt, allerdings war die Ablehnung gegen einen König im nationalsozialistischen Deutschland nicht immer so stark ausgeprägt, wie man vielleicht meint. So schreibt der bekannte Historiker David Irving, dass Adolf Hitler in den ersten Jahren seiner politischen Karriere ebenfalls mit einem ähnlichen Gedanken gespielt haben soll. Laut Irving hatte Hitler den Plan eines Tages in den Ruhestand zu gehen und eines der alten Königsgeschlechter wieder einzusetzen. Hitler änderte seine Meinung allerdings schnell, nachdem er in Rom den italienischen König besucht hatte, wo dieser ein alles andere als königliches Bild ablieferte. Nach dem Besuch ließ Hitler sogar die Pensionen einiger ehemaliger SPD Führungspersönlichkeiten, als ein Zeichen der Anerkennung für das Befreien Deutschland von der Monarchie, erhöhen.
In einem seiner späteren Bücher sollte Evola eine ganz ähnliche Feststellung machen und schreiben, dass seit sehr langer Zeit kein würdiger König oder Monarch existiert hätte. Inwiefern dies ein Umdenken Evolas darstellt, ist aber nicht zu sagen.
Ein unfähiger König zeigt, dass Blutverwandtschaft nicht unbedingt Kontinuität bedeutet, zwar können bestimmt Veranlagungen weitergeben werden, müssen aber nicht. Aus genau diesem Grund entschied sich der Nationalsozialismus seinen Staat als eine Meritokratie aufzubauen. Die Grundidee, dass es bestimmt Geschlechter gibt, die sich aus der breiten Masse herausheben, ist aber auch Rosenberg nicht unbekannt. Er wollte einen neuen Adel schaffen, diesen aber durch meritokratische Elemente dynamisch halten. Um einer Degenerierung vorzukommen, sprach sich Rosenberg dafür aus, dass der Adel ein Leben als Bauer oder Soldat führen sollte, da diese Berufe die besonderen Qualitäten, die er im Menschen suchte, am besten erhalten würden.
Wie schon beim Blutadel Evolas, ist eine besondere Tat nötig, um in die Reihen des Adels aufzusteigen. Die Nachkommen hätten das Anrecht auf den Adelstitel immer aufs Neue bestätigen müssen, wäre dies einige Generationen lang der Fall gewesen, wäre der Titel auch ohne erneute Bestätigung in der Familie geblieben. Zu jedem Zeitpunkt wäre es aber möglich gewesen, zum Beispiel aufgrund einer schwerwiegenden Verfehlung, den Titel zu verlieren. Weiterhin fehlt beim Adel Rosenbergs die geistig religiöse Komponente, welche Evola dem Adel zuschreibt.
Wir haben anfangs gesagt, dass wir uns nicht mit Esoterik beschäftigen wollen, an diese Stelle wollen wir aber eine Ausnahme machen. Um einmal ein Beispiel für den Einfluss esoterischer Lehren auf Evola zu geben und zum anderen, da ohne sie, Evolas Thesen zu Adel und zu den Kasten äußerst Merkwürdiger erscheinen müssen. Um es einfach auszudrücken: Evola zweifelt das Prinzip vom Zufall der Geburt an. Er verweist auf die alte Idee, nachdem eine Seele oder der Geist sich immer den dazugehörigen Körper für seine Geburt in die Welt aussucht. Daher wird ein Mensch mit dem Geist eines Adligen auch immer im Körper eines Adligen geboren. Über den Sinn oder Unsinn dieser Idee möchten wir hier nicht diskutieren, sie gibt allerdings Kontext zu Evolas Thesen.
Rosenberg ist offensichtlich kein Anhänger dieser Idee, deshalb ist seine Form des Adels eine dynamische und die Evolas eben nicht.
Weiterhin kann man einen deutlichen Unterschied im Selbstverständnis der Eliten bei Evola und dem Nationalsozialismus feststellen. Da der Adel bei Evola nicht zwingend aus der beherrschten Bevölkerung stammen muss und sich sowieso einer anderen geistigen Rasse angehörig fühlt, besteht eine merkliche Distanz zwischen beiden Gruppen. Beim Nationalsozialismus besteht diese Distanz nicht, da die Eliten ebenfalls Teil des Volkes sind.
Zusammenfassend
Wir haben bis hier schon einige Unterschiede von Evolas Gedankenwelt zum Nationalsozialismus besprochen, nun möchten wir zum wohl fundamentalsten kommen, der erst zu verstehen ist, wenn man die Themen Aristokratie, Rasse und Evolas Staatsidee als Gesamtkomplex betrachtet.
Wenn man die Staatsidee Evolas betrachtet, erscheint es offensichtlich, dass Evola den Staat eines Eroberers konzipiert, nicht umsonst bezeichnet er seinen Staat als „Imperium“. Evola schreibt: „Der Staat ist nicht Ausdruck der »Gesellschaft.“. Man könnte noch „Volk“ hinzufügen. Der Staat wird bei Evola vielmehr der Gesellschaft durch den Männerbund aufgezwungen. Evola weist darauf hin, dass Eroberer und Unterworfene auch aus verschiedenen Völkern kommen können, daher ist auch nicht überraschend, dass Evola dem Volk keine besondere Bedeutung zukommen lässt, denn der Staat besteht ja aus vielen Völkern. So überrascht es auch nicht, dass Evola im Volk nicht mehr als eine Masse sieht, in einem Vielvölkerstaat, muss das Volk zwingend zu einer formlosen Ansammlung von Individuen werden. Wenn überhaupt stammen die Herrscher aus einem der vielen Völker, aber selbst diese Bindung ist nur eine schwache. Zwar besteht eine Bindung auf biologischer Ebene, nach Evolas Rassenbegriff ist dies aber nur die unterste, viel wichtiger und stärker bindend sind die Ebenen des Geistigen und des Seelischen. Man könnte das Selbstverständnis Evolas Staates als ein „Herrschen von oben“ bezeichnen.
Das Selbstverständnis des Nationalsozialismus baut dagegen den Staat von unten herauf auf. Zwar ist der Nationalsozialismus ein autoritärer Staat, das ändert jedoch nicht an diesem
Selbstverständnis. Der NS-Staat ist ein germanisch völkischer, sein Fundament liegt im weltlichen. Sein höchstes Ziel ist der Schutz und die Höherentwicklung des Volkes. Die Fundamente Evolas Staates liegen dagegen im Transzendenten und haben eher wenig mit weltlichen Dingen zu tun.
Zusammenfassend könnte man sagen, dass der Staat und dessen Ordnung sich bei Evola über den Adel und dessen Verbindung zum nicht näher definierten göttlichen, von oben herab, auf eine Bevölkerung legen. Während der NS-Staat, von unten herauf, aus dem Volk erwächst.
Damit endet der vierte Teil. In den nächsten und letzten beiden Teilen werden wir noch einige vereinzelte Themen betrachten, welche bis jetzt noch nicht angeschnitten wurden, aber durchaus von Interesse sind.














