Auf der Internetseite netzpolitik.org wurde ein interner Kommunikationsleitfaden der ARD veröffentlicht. In dem Papier mit dem Titel „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ geht es um Methoden, den Kanal durch gezielte Sprachwahl positiv darzustellen. Hintergrund ist die anhaltende Kritik an dem per Zwangsabgabe finanzierten Staatsfernsehen. Erst Ende Dezember hatte der Intendant des ebenfalls staatlichen ZDF Thomas Bellut eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags gefordert. Einer aktuellen Statista-Umfrage zufolge halten 90 Prozent der Befragten die GEZ-Gebühren und ihre Höhe für unangemessen.
Der dystopische Roman „1984“ von George Orwell ist ein Klassiker, der auch heute noch gern gelesen wird und auch heute noch aktuell ist. In dem Buch geht es um einen fiktiven totalitären Staat, in dem die Menschen gezielt manipuliert und lückenlos kontrolliert werden. Nicht einmal die Gedanken sollen frei sein. In jedem Haushalt gibt es einen „Teleschirm“, von dem aus die Bürger ihren täglichen Hass empfangen und gleichzeitig auch beobachtet werden. Die Sprache der Bewohner wird manipuliert, in dem für eigentlich negative Dinge Euphemismen eingesetzt werden. So werden beispielsweise aus Haft- und Straflagern „Lustlager“ und aus politischen Gefangenen „Gedankenverbrecher“.
Auch in der BRD gibt es in nahezu jedem Haushalt einen Bildschirm. Auf Fernsehen hat jeder Bürger, auch ein Hartz IV-Empfänger, sogar einen rechtlichen Anspruch. Auch in der BRD hat das Staatsfernsehen den Anspruch, dem Konsumenten eine gewisse Agenda zu vermitteln. Doch immer mehr Bürger können sich mit der Rundfunkagenda nicht identifizieren und wollen vom Staatsfernsehen nichts mehr wissen. Leider kann man ARD und ZDF nicht einfach abonnieren oder abbestellen, die Zahlungsverpflichtung ist immer gegeben. Finanzschwache Haushalte würden ihr Geld gerne sinnvoller investieren, doch einen Ausweg gibt es nicht. Auch finanziell besser Gestellte lehnen es ab, via staatlichen „Bildungsauftrag“ geistig bevormundet zu werden. Längst gibt es dank neuer sozialer Medien und Privatfernsehen alternative Kanäle für Informationen und Unterhaltung. Angesichts des immer weiter um sich greifenden Unmuts der unfreiwilligen Gebührenzahler fürchten sich die Apparatschiks vom Staatsfernsehen doch etwas vor der Säge an ihrem Thron.
Zwar halten Politik und Gerichte bislang ihre Hand über die (narren-)freien Rundfunkprotagonisten und ihre exorbitanten Löhne, doch der wachsende Unmut in der Bevölkerung dürfte auch den Herrschenden nicht verborgen bleiben. Um die Stimmung zu drehen, hat die ARD sich bei der Linguistin Elisabeth Wehling ein sogenanntes „Framing Manual“ erstellen lassen. In dem Dokument geht es darum, wie durch gezielte Sprachwahl den Bürger beeinflussen kann. Man ist, so heißt es in dem Dokument, „von moralischen Prinzipien getragen“ und von der „eigenen moralischen Notwendigkeit für das gesellschaftliche Miteinander“ überzeugt. Im Bezug auf die Rundfunkzwangsabgabe solle daher beispielsweise die Formulierung „Verwaltung des Rundfunkkapitals der Bürger“ verwendet werden.
Außerdem will man sich vermehrt mit „moralischen“ Argumenten, denn mit Fakten gegen die „orchestrierten Angriffe“ der Kritiker wehren. Kein Wunder: Denn die Fakten sprechen nicht grade für das Staatsfernsehen. 2017 erzielte das Staatsfernsehen allein mittels GEZ-Gebühr knapp acht Milliarden Euro. Die durchschnittliche Monatsvergütung von ARD-Mitarbeitern liegt mit 9.400 Euro über der großer Unternehmen wie Siemens, Volkswagen oder der Lufthansa. Fernsehintendanten wie Tom Buhrow vom WDR sind dabei Spitzenverdiener, Buhrow verdient beispielsweise mehr als Kanzlerin Angela Merkel. Der Marktanteil der ARD ist seit Jahren rückläufig, liegt aktuell noch bei 12,0 Prozent. Insbesondere Jüngere lassen die Glotze öfter aus.














