Regiogeld am Beispiel des Chiemgauers (+Video)

Bedingt durch die Eurokrise und die Kenntnis der Menschen über das herrschende Geldsystem und dessen Systemfehler hat sich auch heute wieder – wie zu Zeiten des "Wunder von Wörgl" – eine Bewegung für alternatives Geld gebildet. Diesmal scheint sie jedoch facettenreicher und überregionaler zu sein. Es gab sogar schon eine deutschlandweite Komplementärwährung, Die Freie Deutsche Mark. Sie sollte die Einführung regionaler Währungen erleichtern.

Der Chiemgauer ist eine der ältesten alternativen Währungen in der BRD. Gestartet wurde das Projekt im Januar 2003 durch ein Schülerprojekt der 10. Klasse der Waldorfschule Chiemgau in Prien auf Basis eines Konzeptes des begleitenden Wirtschaftslehrers Christian Gelleri. Dieses Konzept ist stark angelehnt an die Idee des Freigeldes, Bestandteil der Freiwirtschaftslehre nach Silvio Gesell.

Mittlerweile zählt der Chiemgauer e. V. – ideeller Träger des Projekts – über 3.000 Mitglieder, darunter aktuell über 600 Unternehmen und über 200 gemeinnützige Vereine aus der Region. Die Umsätze des Chiemgauer-Netzwerks lagen im ersten Jahr 2003 bei 70.000 Euro. 2009 schon bei 4 Mio. Euro. Derzeit sind über 500.000 Chiemgauer in Umlauf. Damit ist der Chiemgauer das derzeit größte Regiogeld-System im deutschsprachigen Raum und eine der erfolgreichsten Komplementärwährungen der Welt.

Das Ziel des Chiemgauer Regiogelds ist die Stärkung und Bildung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Förderung gemeinnütziger Vereine in der Region Chiemgau. Das Verbreitungsgebiet ist beschränkt auf die Landkreise Rosenheim und Traunstein mit 480.000 Einwohnern. Den Chiemgauer gibt es als Gutscheinsystem und in bargeldloser Form, dem elektronischen Chiemgauer. Die Chiemgauer-Initiative kooperiert bei der Kontoführung und der Zahlungsabwicklung mit regionalen und ethisch-ökologisch orientierten Banken.

Chiemgauer können von Verbrauchern mit einem Wert von 1:1 gegen Euro gekauft, jedoch nicht in Euro zurückgetauscht werden. Teilnehmende Unternehmen können Chiemgauer gegen eine Gebühr ("Regionalbeitrag") in Euro zurücktauschen. Von dem „Regionalbeitrag“ gehen 3% an das vom Kunden gewählte Wunschprojekt. Das bemerkenswerte am Chiemgauer ist, daß er mit der Zeit an Wert verliert und jeder Konsument somit bestrebt ist, diesen zeitnh wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück fließen zu lassen und somit sein Geld neu investiert. Außerdem werden über eine Genossenschaftsbank zinsfreie Kredite in der Währung Chiemgauer vergeben.

Gültigkeit
Eingetauschte Gutscheine sind jeweils drei Monate gültig. Nach Ablauf kann die Gültigkeit der Chiemgauer-Scheine durch Kauf und Aufkleben einer Klebemarke im Wert von 2% seines Werts verlängert werden. Die Chiemgauer-Serien werden jährlich ausgetauscht. Chiemgauer-Scheine, die älter als vier Jahre sind, werden nicht mehr zur Rückgabe akzeptiert. Alle Verwender von Chiemgauer müssen zugleich Mitglied im Verein Chiemgauer e. V. sein.

Sicherheitsmerkmale
Die Scheine im Wert von 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Euro verfügen über 14 Sicherheitsmerkmale. So sind die Scheine einzeln nummeriert und mit einem Barcode zur Prüfung versehen. Sie verfügen über ein echtes Wasserzeichen, sind mit einer Guillochen- und Kopierschutztechnik versehen.

Über den Chiemgauer hat Franziska Ziegler an der Universität Passau eine Diplomarbeit mit dem Titel, „Konzept, Umsetzung und Akzeptanz einer Regionalwährung am Beispiel des Chiemgauer, Eine Untersuchung aus Unternehmer- und Verbrauchersicht“, verfasst. Die Diplomarbeit kann man hier einsehen.

Weitere Informationen über die Regionalwährung Chiemgauer erfahren Sie in den folgenden Filmbeiträgen:
Der Chiemgauer & Warum das Geld die Welt regiert – Planet Wissen Dokumentation mit Dirk Müller
Made in Germany | Die Regionalwährung Chiemgauer
Was ist Regiogeld?