Der Pathetiker unter den Musikern und deshalb auch der “modernste”, wirkt erregend in seinem Lebenskampf und im Ringen um das Werk. Ein seltsamer Aufstieg aus dem Schoße einer armen Musikerfamilie in Bonn, ein jäher Aufschwung, ein Herrscher über Töne und Menschen, und dann der Abstieg in das Jammertal des Taubseins, zugleich aber ein Hinneigen zu dieser Innenschau. Sein leben führt ihn vom gefeierten Klaviervirtuosen und Komponisten, von dessen Größe sich die Elite der Wiener Gesellschaft beugt, in die letzte Einsamkeit des Schaffenden, der in seinem Testament die Worte niederschrieb: „ O Menschen, wenn ihr einst dieses leset, so denkt, dass ihr mir Unrecht getan, und der Unglückliche, er tröste sich, einen seines Gleichen zu finden”. Aber auch das Werk führt aus der Haydn – Fröhlichkeit des Beginnes in die Zurückgezogenheit der Meisterjahre. Die Tragik seines äußeren Lebens macht nichts sinnfälliger als eine Eintragung von eigener Hand in den Kalender 1823: „vom 1. bis 6. Juni nichts zu essen. Schändlichkeit.” Doch wie heroisch sein Werk alles Irdische überwindet, zeigt, dass in dieser Zeit die Neunte Sinfonie entstand. Pastorale und Appassionata, Natur und Leidenschaft heißen seine Lebens – und Werkbezirke. Heroische Kämpfernatur bleibt er auch in der Musik. Mit den Einfällen ringt er, die Formen durchmisst er, die Materie der Instrumente durchdringt er, jedesmal bis an die Grenzen schreitend. Sonate und Sinfonie heißen die Welten, ihn denen er denkt; das Maß aller Dinge aber ist sein Adagio. Die 32 Klaviersonaten und die 9 Sinfonien sind einer ganzen philosophischen Lehre gleichzusetzen. In seinen Werken, in den letzten Streichquartetten, der Missa solemnis, der Oper Fidelio, der “Neunten” mit dem Freudenhymnus, ist eine neue musische Weltanschauung niedergelegt, deren sittlicher Gehalt auf die Kultur Europas nicht weniger Einfluß ausübt als das Sittengesetz eines Kant.
In Wien verstarb Beethoven am 26. März 1827. Die Beisetzung auf dem Währinger Ortsfriedhof fand am 29. März unter großer Anteilnahme der Wiener Bevölkerung statt. Etwa 20.000 Personen sollen am Trauerzug teilgenommen haben. 1888 wurde sein Grab in den Ehrenhain auf dem Wiener Zentralfriedhof verlegt.
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