Offensive gegen Verdrängung: Das Mietshäuser-Syndikat (+Video)

Gegen Gentrifizierung kann man demonstrieren. Man kann aber auch selbst Häuser kaufen und bezahlbaren Wohnraum auf Dauer schaffen. Für den Normalverdiener geht das nur in einer starken Gemeinschaft. Das „Mietshäuser Syndikat“ aus der Universitätsstadt Freiburg hat schon 94 Hausprojekten geholfen, den Traum vom „selbstbestimmten Wohnen“ umzusetzen. Nur eines davon ist bisher in die Insolvenz gerutscht. Die anderen funktionieren wie zum Beispiel das „Altöttinger Mieterkonvent“, zwei lange Reihenhäuser mit Innenhof, die im Jahr 2009 für 900.000 Euro erworben und mit viel eigenem Einsatz saniert wurden. Das Haus enthält 12 Wohnungen mit überwiegend jungen Mietern.

Woher haben sie das Geld? Überwiegend aus Krediten. Wie das geht, ist das Erfolgsgeheimnis des „Mietshäuser Syndikats“ aus Freiburg. Hervor ging es aus der Hausbesetzer-Szene der 80er Jahre. Einer der Gründer ist Stefan Rost, der selbst in einem solchen Projekt wohnt. Bei den autonomen Hausbesetzern machte er sich durch Pragmatismus und Verhandlungsbereitschaft unbeliebt. Jetzt aber kommen immer mehr Anfragen von Leuten, die keineswegs linksradikal sind, aber beim Wohnen eine gewisse Autonomie anstreben. Auch Gewerberäume sind nach diesem Muster organisiert wie zum Beispiel der „Handwerkerhof Ottensen“, wo trotz gefragter Lage Gewerbeflächen für unter zehn Euro pro Quadratmeter zu haben sind.

Die Geldbeschaffung beruht auch auf der Regelung, daß die Mieten trotz Tilgung der anfangs aufgenommenen Kredite nicht in entsprechendem Maße sinken (bis zu dem für Eigentumswohnungen typischen „Wohngeld“), sondern etwa gleich bleiben. Der Überschuß wird dann neuen Projekten als günstige Finanzierung zur Verfügung gestellt. Das ist schon fast Sozialismus! Auch gegen das Bestreben von Bewohnern, ihr Haus später lukrativ zu verkaufen und damit den „Immobilienhaien“ wieder in den Rachen zu werfen, hat das „Syndikat“ rechtliche Vorkehrungen getroffen. Die jeweilige Immobilie wird nämlich nicht von dem „Hausverein“ allein erworben, sondern zusammen mit einer „Haus-GmbH“. Und darin sitzt als Gesellschafter das Freiburger Mietshäuser Syndikat, das jeden Verkauf per Einspruch verhindert: „Auf diese Weise entziehen wir die Häuser unumkehrbar dem Immobilienmarkt“, erklärt Stefan Rost.

Nicht zuletzt beruht das Ganze auf der Bereitschaft von kleinen und mittleren Sparern, ihr Geld auf neuartige Weise anzulegen: „Einfach nur zur Bank bringen und vergessen, das war gestern. Die Leute wollen sinnvolle und nachhaltige Projekte finanzieren und keine renditegetriebenen Investitionsruinen an der spanischen Küste“, soweit Geschäftsführer Seehuber von der Altöttinger Haus-GmbH.

Screenshot von Mietshaussyndikat (http://www.syndikat.org/de)