
H. St.Chamberlain war verheiratet mit Eva Wagner und lebte die letzten Jahrzehnte in Bayreuth. Richard Wagner ist aber auch die Inspirationsquelle für den tragenden Gedanken seines Hauptwerks, nämlich die Ablehnung der Juden. Was bei Wagner in mythischer Weise gestaltet ist, soll von dem studierten Biologen Chamberlain allgemein nachprüfbar begründet werden. Allerdings trägt sein Buch selbst eigenwillige und subjektive Züge. So wirkte es denn wiederum als Inspiration, nicht zuletzt für Adolf Hitler, der den schwerkranken Chamberlain im Jahre 1923 in Bayreuth besuchte.
Von diesem Besuch zeugt ein Brief, in dem Chamberlain seinen Eindruck in die vielzitierten Worte faßt: „Daß Deutschland in der Stunde seiner höchsten Not sich einen Hitler gebiert, das bezeugt sein Lebendigsein.“ Dies macht es für die heutige Öffentlichkeit schwierig, die geistige Bedeutung H. St.Chamberlains richtig einzuschätzen. Udo Bermbach verlegt sich darauf, die anderen Werke, etwa das Buch über Goethe und über Kant, aus der Vergessenheit zu holen. Außerdem erfolgt der Hinweis, daß die Rassenkunde zur damaligen Zeit eine anerkannte Wissenschaft gewesen ist.
Zitiert wird die Baronin Spitzemberg, eine der ersten Leserinnen der „Grundlagen des 19. Jahrhunderts: „Das Werk wimmelt von gewagten Hypothesen, unbewiesenen Voraussetzungen, aber es gibt so viel zu denken, reißt hin, macht mutig, begeistert die Seele, vernichtet alle graue Theorie, alle Nörgelei – ist das in unserer matten, kühlen, skeptischen Zeit nicht genug des Lobes?“ Das muß bei der heutigen Flachheit und Feigheit umso mehr gelten.
Udo Bermbach: Houston Stewart Chamberlain. Wagners Schwiegersohn – Hitlers Vordenker, Stuttgart, Weimar 2015 (39,95 Euro)













