Körper und Geist: Boxen

Am 07.07. traten verschiedene Aktivisten unserer Partei dazu an, ihre Kräfte im Ring miteinander zu messen. Wir haben daher einige sportliche Mitglieder der Bewegung gebeten, ihre Sportarten kurz vorzustellen und darüber zu schreiben. In dem heutigen Teil geht es um das Boxen.

Wie alt der klassische Faustkampf ist, läßt sich heute nur schwerlich rekonstruieren. Die ersten nachgewiesenen Faustkämpfe, die der Unterhaltung dienten bzw. sportlicher Natur waren, fanden vor 3000 Jahren im alten Ägypten statt, von wo aus sich diese Kampfform im ägäischen Raum ausgebreitet hatte. Erstmals wurde der Faustkampf im Jahre 688 v.u.Z. bei den Olympischen Spielen ausgetragen, bei welchen dieser auch heute noch stattfindet. Im antiken Rom waren es v.a. Gladiatoren, die diesen Sport zur Belustigung der Menge aufführten. Es gibt jedoch Darstellungen, die bis zu 7000 Jahre in die Vergangenheit reichen und dem Faustkampf somit eine lange Tradition bescheinigen, sowohl bei den europäischen Völkern, aber auch bei Indern, Chinesen, Koreanern und amerikanischen wie afrikanischen Ureinwohnern – eine sportliche Tradition, die sich im Laufe der Geschichte freilich stark verändert hat.

Wer nach den Anfängen des modernen Boxens sucht, muß sich ins England des 17. und 18. Jahrhunderts begeben. Es war der Herzog von Albemarle, der 1681 den ersten schriftlich belegten Faustkampf veranstaltet hatte. Zu Beginn des modernen Boxens wurden die Hände noch nicht bandagiert, was man als Bare-knuckle-Boxen bezeichnet. Das erste große Regelwerk erschien 1743 (Broughton Rules). 1838 erfolgte das nächste größere Regelwerk, welches das ältere ersetzte und u.a. das Bandagieren der Hände und einen Boxring einführte – bisher wurde stets ohne einen solchen gekämpft. 1867 erschienen die Queensberry-Regeln, aus welchen die ersten Regeln für das Boxen mit Handschuhen hervorging. Ab 1892 wurde offiziell nur noch mit Handschuhen geboxt. 1904 wurde der Boxsport wieder in die Olympischen Spiele aufgenommen. Der älteste aktive Amateur-Boxclub Deutschlands ist der SC Colonia 06, welcher 1906 in Köln gegründet worden ist. 1920 wurde der „Deutsche Reichsverband für Amateurboxen“ gegründet, welcher im gleichen Jahr die ersten deutschen Meisterschaften austragen ließ.

Grundsätzlich muß zwischen dem Amateur- und dem Profiboxen unterschieden werden. Die Regeln des Amateurboxens stellen zugleich die Regeln für die Olympischen Spiele. Amateur- und Profiboxen unterscheiden sich in Regeln, Technik, Ausführung und Taktik. Ein Vergleich der beiden ist demnach nur begrenzt möglich. Beim Amateurboxen ist das Tragen von Kopfschutz, Zahnschutz, Tiefschutz bei Männern, Brustschutz bei Frauen und einem ärmellosen Oberteil, welches sich farblich von der Hose unterscheiden muß, Pflicht. Das Profiboxen wird von kommerziellen Verbänden ausgetragen.

Der moderne Faustkampf zeichnet sich dadurch aus, daß die Gegner ausschließlich ihre Fäuste benutzen, um den Gegner oberhalb der Gürtellinie an Kopf, Hals und Torso zu treffen. Tritte oder Elemente des Ringens finden sich bei ihm nicht, lediglich Schläge mit der geschloßenen Faust sind erlaubt. Insbesondere die Deckung nimmt eine große Rolle ein, welche stets gehalten werden soll, um dem Gegner keine Treffermöglichkeiten zu geben. Diese Deckung beschränkt sich jedoch aufgrund der Regeln auf den Kopf und Oberkörper. Wer demnach auf der Straße mit einem anderen Kampfsportler in Konflikt gerät, muß sich bewußt machen, daß seine eigene Abwehrhaltung dem Gegner viel Angriffsfläche, v.a. bei den Beinen bietet.

Dies soll nicht heißen, daß der Boxsport ein unnützer sei. Der Boxsport trainiert Ausdauer und Kraft gleichermaßen, die Schrittbewegungen, welche anfangs viel Übung erfordern, können gerade dem Anfänger ein neues Sicherheitsgefühl, aber auch eine neue Leichtigkeit des Körpers vermitteln. Der Boxsport bietet aus Sicht der Selbstverteidigung eine grundsolide Verteidigungsart, welche gewiß ihre Schwachstellen hat, jedoch auch gerade gegenüber ungeübten Kontrahenten der eigenen Person klare Vorteile bringt. Doch ein geübter Boxer stellt auch für andere Kampfsportler einen ernstzunehmenden Gegner dar.

Ich selbst betreibe den Boxsport, da er für mich ein ganzheitliches Training darstellt, welches Ausdauer und Kraft vereint, neue schnellere Bewegungsmuster offeriert und nicht zuletzt mit seiner Mischung aus Deckung, Abwehr und Angriff ein brauchbares Mittel in der Not ist.