HUTTENBRIEFE: Angriff der Multikultur auf die Kulturen – Teil 1/2

Wortwiedergabe aus Huttenbriefe Folge5/6-2017

Seit Jahrzehnten geistert das Schlagwort von der „Multikultur“ durch die Welt. Dieser Ausdruck, von dem die wenigsten wissen, was er in Bezug auf seine politische Umsetzung eigentlich bedeutet, ist Bestandteil einer großen, weltweiten Umerziehung. Ziel dieser Umerziehung ist die Zerstörung aller gewachsener Strukturen und Ordnungen, mit der Absicht, eine künstliche Weltordnung errichten zu können, die keineswegs nur das deutsche Volk betrifft. Die HUTTENBRIEFE (HB) stellen sich dem Thema: Angriff der Multikultur auf die Kulturen.

FRAGE: Was bedeutet der Begriff Kultur und wo stammt er her?

HB: Allgemein wird angenommen, daß der Wortstamm „cultura, cultus“ aus dem Lateinischen kommt. Er bedeutet dort Anbau, Bearbeitung, Ausbildung, Pflege, Urbarmachung. Allerdings deutet die Endsilbe -tur auf die Verbindung zur indogermanischen Sprachwurzel hin. Die germanische Verwendung des Wortes Kultur im Unterschied zum germanischen Wort Zivilisation wird im Bertelsmann Lexikon bestätigt.

Die Urbarmachung und die Pflege des Bodens wurden bereits in der Antike sinngemäß auf den Menschen, das heißt auf seine Gebräuche und Lebensordnungen übertragen. In diesem Sinne umfaßt die Kultur alle Lebensäußerungen einer völkischen Gemeinschaft und ist lebendiges Erbe der Vorfahren. Zur Kultur gehören die sittlichen Werte (Recht, Ethik), die geistig-schöpferischen Werte (Wissenschaft, Kunst) und die materiellen Werte (Wirtschaft, Technik, Bauwerke) genauso wie Glaubensvorstellungen (Mythos, Religion, Weltanschauung), überlieferte Verhaltensweisen (Sprache, Erziehung, Brauchtum) und die historische Entwicklung (Geschichte, Politik).

Jede Kultur steht in einer lebensgesetzlichen Wechselwirkung mit der sie schaffenden Kulturgemeinschaft. Die Kultur erwächst aus der Tiefe der Seele und aus der geistig-schöpferischen Kraft eines Volkes und ist ihr sittlicher Spiegel. Sie ist eine Anpassungsleistung der Evolution zur Erhaltung der Art.

FRAGE: Wie und wodurch entsteht überhaupt Kultur?

HB: Diese Frage läßt sich nicht ohne weiteres beantworten, da der Begriff Kultur eine Festlegung ist, die erst im Nachhinein getroffen wurde. Das heißt, es wurden bestimmte Beobachtungen entsprechend als Kultur oder kulturelle Leistung gedeutet (z. B. der Gebrauch von selbst hergestellten Werkzeugen, die Entwicklung und der Sprache von Schriftzeichen oder die Pflege von Sitten und Gebräuchen). Daraus folgt bereits, daß Kultur nicht von einem einzelnen Menschen geschaffen werden kann. Der einzelne Mensch ist bestenfalls schöpferischer Wegbereiter oder Auslöser kultureller Entwicklungen innerhalb einer Gemeinschaft.
Konrad Lorenz, herausragender Verhaltensforscher und Träger des Nobelpreises (1973), setzt das menschliche Bewußtsein und die Fähigkeit zur Mitteilung sowie zur Speicherung von Wissen und Erkenntnis als Grundlage von Kultur voraus. Mittels Überlieferung und Lernen erwirbt sich der Mensch einen Schatz an Erfahrung und Wissen und wird selbst zum Träger seiner Kultur. Dieser Vorgang des Gewinnens von Information und Energie steht bereits am Anfang jeder kulturellen Entwicklung. Konrad Lorenz spricht in diesem Zusammenhang von der „kulturellen Evolution“.

FRAGE: Eingangs fiel bereits der Begriff „lebensgesetzlich“, nun wird der Begriff „kulturelle Evolution“ ins Feld geführt. Was haben diese Begriffe gemein?

HB: Zum besseren Verständnis sind zunächst die beiden Begriffe „Lebensgesetz“ und „Naturgesetz“ zu unterscheiden. Die naturgesetzliche Entwicklung umfaßt beim Menschen, bei allen Lebewesen, die rein erblich, das heißt genetisch bedingten Vorgänge, wie z. B. die Fortpflanzung, Instinkte, Sinneswahrnehmungen, Sprechvermögen, Geschlecht, Geburt und Tod, Bewußtsein, beziehungsweise ganz allgemein die Vorgänge der Mutation (Erbveränderung), Selektion (Auslese) und Isolation (Absonderung).
Die lebensgesetzliche Entwicklung baut auf der naturgesetzlichen auf, ist also nichts Gegensätzliches. Sie prägt und formt von innen her und bedeutet einen Ausbau der Eigenschaften nach innen. Dazu gehört der von Konrad Lorenz verwendete Begriff der „kulturellen Evolution“ und damit die Weitergabe von Erfahrung und Wissen mittels der Überlieferung über (viele) Generationen. Die auf diese Weise innerhalb einer Fortpflanzungs- und Schicksalsgemeinschaft bestehende Tradition führt zu einer Verdichtung, Angleichung und Aufschichtung, zu einer fortlaufenden Bestätigung und Erneuerung von Erfahrung. Sie ist Teil des einzigartigen Lebensgesetzes einer Gemeinschaft. Der zweite Teil des Lebensgesetzes ist in der Aufschichtung und Verdichtung durch stete Fortpflanzung innerhalb der Gemeinschaft, im engsten Sinne innerhalb sogenannter Hochzeitskreise, zu sehen. In beiden Bereichen kommt „Gleiches zu Gleichem“, was zu einer Verstärkung, im günstigsten Falle zu einer Aufschichtung von Begabung führt.

FRAGE: Eine Schlußfolgerung daraus wäre, daß zum Beispiel Volks- und Kulturgrenzen zusammenfallen, indem beide Bereiche des Lebensgesetzes eine Einheit bilden.

HB: In Bezug auf die Identität von Volk und Sprache ist dies tatsächlich eindeutig: Volksgrenzen und Sprachgrenzen sind in der Regel identisch und historisch gewachsen. Auch in Bezug auf die Kultur im Allgemeinen lassen sich bis zum heutigen Tage noch derart übereinstimmende Grenzen erkennen. Im Übrigen können teilweise auch Stammes- und Mundartgrenzen unterschieden werden. In Zusammenhang mit den Heiratskreisen spricht man zudem von regionalen Abstufungen und Übergängen.

FRAGE: Was versteht man unter Heiratskreisen?

HB: Heiratskreise sind bevorzugte Einzugsbereiche in denen Paare zueinander finden; früher zum Beispiel ein Umkreis, der zu Fuß oder mit dem Pferd zurückgelegt werden konnte; wobei sich die Einzugsbereiche untereinander überlappen. Heiratskreise bewirken ebenfalls ein „Gleiches zu Gleichem“. Auch abgeschiedene Bergregionen oder Inseln können zur Ausbildung von Heiratskreisen führen. In Island wird derzeit ein breit angelegtes Forschungsvorhaben zur Verwandtschaft und zur genetischen Homogenität der rund 300.000 Isländer durchgeführt.

FRAGE: In seinem Buch „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ läßt Konrad Lorenz einen Unterschied zwischen Kultur und Zivilisation erkennen. Worin besteht der?

HB: Nicht nur Konrad Lorenz unterscheidet Kultur und Zivilisation; im gesamten europäischen Sprachgebrauch, mit Ausnahme im Romanischen, versteht man unter Zivilisation eine verfeinerte, bürgerliche Lebensform mit den durch wissenschaftlichen und technischen Fortschritt geschaffenen, verbesserten Lebensbedingungen. Im Unterschied zur Kultur und deren schöpferischem Wesen lebt die Zivilisation von einem überlieferten Bestand von Sitten, Werten und geistigen Gütern, die eine allgemeine, übernationale Bedeutung besitzen. Das schöpferische, soziale Element der Kultur verändert sich in der Zivilisation zu einer verbrauchenden, egoistischen Verhaltensweise. In der Zivilisation löst sich eine Gesellschaft von den Wurzeln der gewachsenen Schicksalsgemeinschaft. Der Weg in die Dekadenz (Verfall, Niedergang, Entartung) ist vorgezeichnet, jedoch nicht zwangsläufig.
Es ist bezeichnend, daß die UNESCO Kultur gewissermaßen als Zivilisation definiert: „Die Kultur umfaßt die Strukturen, Ausdrucksformen und Bedingungen des Lebens in einer Gesellschaft und die verschiedenen Arten, mit denen sich das Individuum in dieser Gesellschaft zum Ausdruck bringt und erfüllt.“
Im Übrigen kommt es ja nicht von ungefähr, daß wir mit Zivilisationskrankheiten gesundheitliche Störungen bezeichnen, die auf ein sich Entfernen von natürlichen Lebensbedingungen zurückzuführen sind.

FRAGE: Im Zusammenhang mit den Wurzeln unserer Kultur und ihrer Ausdehnung fallen immer wieder die verschiedensten Bezeichnungen, z. B. abendländischer, europäischer, nordischer, germanischer Kulturraum. Was ist für uns Deutsche maßgebend?

HB: Der im Schrifttum sogenannte Nordische Kulturkreis umfaßt die in Skandinavien und (Nord-) Europa auftretenden Kulturen der Jungsteinzeit (5.800-2.300 v. d. Ztr. / Bandkeramik, Trichterbecher, Schnurkeramik) und der Bronzezeit (2.300-800 v. d. Ztr. / Nordischer Kreis, Aunjetitzer, Hausurnen). Die atlantische Hochkultur wird in der Öffentlichkeit trotz der überzeugenden Darstellungen Jürgen Spanuths nicht in den Nordischen Kulturkreis mit einbezogen. Die Entwicklung der germanischen Stämme als Träger einer gemeinsamen Kultur mit Bildung einer germanischen Sprache fällt in die Bronzezeit. Als Sammelbegriff verschiedener Stämme und deren gemeinsamer Sprache ist es sinnvoll und historisch belegt, von Germanen zu sprechen. Die Germanen sind räumlich, kulturell und genetisch die Nachfahren des Nordischen Kulturkreises. Die Zeit des geschlossenen Germanentums reicht vom 8. Jh. v. d. Ztr. bis ins 5. Jh. n. d. Ztr. und endet mit der germanischen Völkerwanderung. Die Grenze zu den Kelten verschob sich mehr und mehr nach Süden. Sie reichte im 5. Jahrhundert ungefähr bis über den Rhein.
Ein deutschsprachiger Kulturraum entwickelte sich ab dem 5. bis 8. Jahrhundert n. d. Ztr. Er bildete sich aus dem Germanentum des europäischen Festlandes mit unterschiedlich starkem keltischem Einfluß im Süden (Schweiz, Süddeutschland, Österreich) und geringem ostischen Einfluß (Ostdeutschland). Die Germanen Skandinaviens ab dieser Zeit bis ins 12./13. Jahrhundert werden als Wikinger oder Normannen bezeichnet.
Unter abendländischer oder europäischer Kultur versteht man allgemein das kulturelle Zusammenwachsen der europäischen Völker vor christlich-katholischen Hintergrund seit dem Mittelalter, das heißt seit ungefähr 1.500 Jahren. Mit Abendland bezieht man sich vor allem auf die antike Kultur Roms und auf das Christentum und grenzt sich damit vom Morgenland ab. Die nordische Kultur und die germanische Kultur werden bei dieser Betrachtung in den Hintergrund gedrängt. Die abendländische Kultur wurzelt jedoch im nordischen Menschen. Die verschiedenen Völkerwanderungen sind hierbei das Bindeglied unter den europäischen Kulturen. Das Christentum ist ein im Nachhinein auferlegter, fremdartiger Zusatz.

FRAGE: Läßt sich dieser geschichtliche Rückblick auch kurz zusammengefaßt darstellen?

HB: Die Betrachtung der erklärten Begriffe zeigt eine zeitliche Folge der verschiedenen Kulturkreise. Für uns ist folgende zeitliche Reihenfolge maßgebend:
Nordische Kulturen der Jungsteinzeit (5.800-2.300 v. d. Ztr.)
Nordisch-atlantische Bronzezeit (2.300-800 v. d. Ztr.)
Germanische Kultur (800 v.d.Ztr. – 500 n. d. Ztr.)
Deutschsprachige Kultur (ab 500 n. d. Ztr.)

Darüber hinaus kann unter Zugrundelegung der schöpferischen Leistung des kulturtragenden, nordischen Menschen die Bezeichnung „abendländisch“ als Oberbegriff europäischer, christlich beeinflußter, kultureller Entwicklung verwendet werden.

FRAGE: Was kennzeichnet unsere Deutsche Kultur?

HB: Zur Beantwortung dieser Frage muß nochmals auf die schöpferische Kraft in unserer Kultur eingegangen werden. Jürgen Spanuth weist nach, daß dies, nicht nur in Europa, der nordisch-atlantische Mensch ist. Der Gegenpol, das orientalische Christentum, wurde bereits angesprochen; die Auswirkungen dieser fremden Religion sind bekannt und schwerwiegend, als kennzeichnend für unsere Kultur kann das Christentum allerdings bei Weitem nicht herangezogen werden.
Schöpferisch wirksam und kennzeichnend ist vielmehr das Forschen nach einer natürlichen Ordnung, die Einsicht diese Ordnung anzuerkennen und die gesamte Lebensgestaltung nach der erkannten Ordnung auszurichten. Karl Baßler nennt dieses Erforschen der Naturgesetze, dieses Streben die natürliche Ordnung in sich selbst als wahre Freiheit verwirklichen zu wollen, den germanisch-deutschen Mythos.
In allen zu Beginn angesprochen Kulturbereichen wird dieser Wissensdurst, die Suche nach den Gesetzmäßigkeiten des Lebens sichtbar. Besonders deutlich zeigt sich dies in Wissenschaft und Technik, in der Kunst, im Brauchtum, oder in philosophisch-weltanschaulichen Grundlagenarbeiten. Herausragende Beispiele sind die wissenschaftlich ausgerichtete Himmelskunde unserer Vorfahren (Goseck, 5.000 v. d. Ztr.) und die an den Naturgesetzen ausgerichtete Auseinandersetzung deutscher (und europäischer) Denker und Forscher mit dem Dogma des Christentums – angefangen bei Thomas von Aquin („Gottesbeweis“) über Nikolaus Kopernikus („Kopernikanische Wende“), Immanuel Kant („Kategorischer Imperativ“) und die deutsche Romantik bis hin zu Friedrich Nietzsche (Forderung nach dem „Übermenschen“), Konrad Lorenz („Kulturelle Evolution“) und Erwin Guido Kolbenheyer („Metabiologie“).
Johann Wolfgang von Goethe hat diesen kennzeichnenden Wesenszug unserer Art tiefgründig in folgende Worte gefaßt: „Das höchste Glück des denkenden Menschen ist das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche still zu verehren.“

 

Teil 2 folgt in wenigen Tagen…





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