Buchrezension: Leon Degrelle – Mein Abenteuer in Mexiko

Nicht nur Personen, auch Ereignisse des letzten Jahrhunderts, die zu ihrer Zeit die Welt in Bann zogen, sind heute weitestgehend vergessen. Eine solche Person ist Leon Degrelle, der wallonische Verleger, Journalist, der zum Führer der Rexistenbewegung, europäischen Visionär, hochdekorierten Kriegsheld und schließlich Verfemter wurde. Durch zwei Veröffentlichungen hat der Winkelried-Verlag nun einen kleinen Beitrag gegen dieses Vergessen geleistet. Mit „Im Kerker“ veröffentlichte er die Erlebnisse Degrelles als politischer Gefangener der französischen Republik nach – eine Besprechung findet sich hier, als zweites Buch legte der Verlag das Erstlingswerk des späteren Nationalistenführers „Mein Abenteuer im Mexiko“ neu auf.

Die Ausgangslage des kleinen Reiseberichts sind die Wirren des mexikanischen Bürgerkrieges bzw. den bürgerkriegsähnlichen Zuständen während der 1920er Jahre. Degrelle, selbst gläubiger Katholik, bewegten die Gerüchte und Gräuelberichte über die Ermordung tausender Katholiken durch bolschewistische Milizen. In ihm wuchs der Wunsch, selber in das entfernte Mexiko zu reisen und dem Hintergrund der Berichte auf die Spur zu gehen. Von zwei Zeitungen ließ er sich die Überfahrt finanzieren und nahm Kontakt mit dem katholischen Widerstand auf. Der Hauptteil des kleinen Buches handelt um eben diese Überfahrt und seine Treffen mit den Katholiken, seine Reise durch das Land, aber auch seine Zusammenkünfte mit dem herrschenden Regime. Weltanschauliche Inhalte wird ein entsprechender Leser vergebens suchen, auch lassen sich keine politischen Hintergründe oder ausführlichen Informationen finden – obwohl Degrelle nach eigener Auskunft 72 kg Dokumente über die amerikanische Grenze schmuggelte – , es handelt sich vielmehr um den Reisebericht eines jungen Studenten in einem für ihn exotischen Land.

Dieser ist als solcher durchaus kurzweilig gestaltet, wobei man merkt, dass es sich um die ersten journalistischen Gehversuche des späteren Revolutionärs handelt. Es ermöglicht dem heutigen Leser nicht nur eine Komplementierung des Gesamtwerkes Degrelles, das einen umfassenderen Einblick in sein Leben und seine Entwicklung erlaubt, als auch einen Eindruck in die damaligen Verhältnisse und Vorstellungen. Als solches ist das Werk durchaus wertvoll, wer allerdings nach weltanschaulichen oder biografischen Informationen zu Degrelle sucht, muss auf seine späteren Werke zurückgreifen. Das Buch bleibt das, was sein Anspruch ist: Ein Abenteuerbericht – nicht mehr und nicht weniger.





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