Die Weggefährtin #014: Worte zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“

Kaum denkbar, dass die Einführung des Rechts der Frau zur Beteiligung an politischen Wahlen, wie das Recht auf Versammlung, Besitz und Erwerbstätigkeit 100 Jahre nur zurückliegt.

„[…] Es ist Ehrenpflicht der freiheitliebenden und gerechtdenkenden Männer und Frauen, […] gemeinsam für Erlangung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu kämpfen. Wer sich von dem Kampfe fern hält, untergräbt die Grundrechte des Volkes und begeht einen Verrat an ihnen! […]“ ,

hieß es in einem Aufruf der Schrift „Zeitschrift für Frauen-Stimmrecht“.

Bereits 1873 forderte Hedwig Dohm (1) in ihren Schriften das Stimmrecht der Frau zur Selbstständig- und Ebenbürtigkeit zur Erlangung von Freiheit und Glück. Das ihnen auferlegte Verbot durch das Preußische Gesetz in Bezug auf Mitgliedschaft in politischen Organisationen und Parteien, welches 11.März 1870 in Kraft trat, hinderte sie nicht daran, sich in unpolitischen Gruppen und Vereinen zusammen zu schließen, um für die Belange und Rechte der Frau auf Bildung und Erwerbstätigkeit, die Teilnahme am politischen Leben, sowie soziale und ökonomische Selbstständigkeit einzutreten.

Erst 1891 nimmt die SPD auf ihrem Erfurter Parteitag die Forderung für das Frauenstimmrecht in ihrem Parteiprogramm auf. An der breiten Front der Frauenbewegung kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu wachsenden Interessengegensätzen aus denen sich Frauen im Umfeld der Sozialdemokratie zu eigenen, sozial-proletarischen Arbeiterinnenorganisationen zusammenschlossen. Im Zentrum der Emanzipation stand die Auseinandersetzung zur Gleichberechtigung der industriellen Frauenarbeit zur der des Mannes. Hingegen sah die ,,passive Frau“ im Bürgertum in der Emanzipation ihren Ausbruch aus der Monotonie ihres Alltags, der durch die Einführung innovativer und arbeitserleichtender Haushaltsgeräte nur noch augenscheinlich einen geringen Anspruch darstellte. Mit ihr wuchs die Organisation an karitativen Projekten und die Forderung nach politischem Mitspracherecht.

Am 12. Juni 1904 eröffnete der „Bund deutscher Frauenvereine“ (Dachorganisation von 34 gemeinnütziger Vereinen – gegründet März 1894) in Berlin den internationalen Frauenkongress unter der Leitung von Marie Stritt. Diskussionsthemen waren die Bildung, sowie die rechtliche Stellung der Frau. Aus der im Umfeld stattfindenden Frauenstimmrechtkonferenz bildelte sich der Weltverband „International Women´s Suffrage Allinace“ ( IWSA).

Erst am 15.Mai 1908 wurde das Preußische Vereinsrecht aufgehoben.

Der am 19. März 1904 stattgefundene internationale Frauentag, organisiert von Clara Zetkin (2) und Käthe Duncker (3) wird von den sozialdemokratischen Frauen als Kampftag für das Frauenwahlrecht eingeführt und gemeinsam überreichten bürgerliche und sozialistische Aktivistinnen am 22. September 1917 eine „Erklärung zur Wahlrechtsfrage“ an den Preußischen Landtag. Im Jahr darauf forderten 58 deutsche Frauenorganisationen in einem Schreiben an Reichskanzler Max von Baden, dem Verlangen der Frauen zu entsprechen.

Mit dem Ausruf der Republik Philipp Scheidemanns, stellte der Rat der Volksbeauftragten wenige Tage später – am 12.November 1918 – seinen Aufruf „an das deutsche Volk“ mit dem Regierungsprogramm vor. Die Proklamation der Wahlrechtsreform – allgemein die Stunde des Frauenwahlrechts in Deutschland.

Mögen die Beweggründe und Motivationen für den Kampf um das Stimmrecht der Frau auch unterschiedliche Ausprägungen haben, so haben sie doch eines mit sich gebracht die „Unabhängigkeit“ des Weibes. – Wahre Unabhängigkeit?

Wir feiern eine Unabhängigkeit und eine Selbstbehauptung, die jeden zukunftsweisenden Wert mit den Füßen tritt. Wir fordern Frauen in berufliche Führungspositionen und erlegen ihnen Rechte und Pflichten auf, die mit ihrem Wesen und ihrer Ursprünglichkeit in Konflikt treten.

Wir legen uns selbst Fesseln an, eines gewünschten erhabenen Machtbildes einer selbstbewussten Frau, die sich geiselt in gesellschaftlicher Erwartungen wider ihrer Natur. Sollte das einst Ziel der Erhebung sein? Eine gedachte Erhebung, die zu einer Selbstgeiselung unserer Natürlichkeit wurde?

Die Hand, die die Wiege führt, führt das Weltgeschick. Und um das Bewusstsein zu erlangen, wie wichtig unser Tuen und Handeln – unser Fühlen und Sinnen – für den Erhalt eines gesunden Volkstums ist, müssen wir uns tief in unser Bewusstsein hervor tasten und Weiblichkeit mit Stolz und Erhabung leben. All das Seherische, Weise und Rechtsprechende, was uns Frauen einst ausmachte und abzeichnete – sind Fähigkeiten, die man uns abtrainierte im ewigen Geschlechterrollen Kampf.

Eins zu werden und zu sein. Mit – anstatt gegeneinander – zu kämpfen. Männlichem Handeln einen Rahmen zu geben und einen Mann als Ganzes zu etwas Höherem zu geleiten, das er alleine nicht fähig wäre zu bezwingen. Diese Einheit sollte das eigentliche oberste Ziel der Erhebung des Frauenstimmrechts sein. Um in Ebenbürtigkeit an des Mannes Seite das Weltengeschick zu lenken.

Heute gilt nach wie vor das Recht auf Wahl. Die Wahl zur Zersetzung unseres Volkes oder die zum Bekenntnis zu Familie, Heimat und Tradition. Es liegt an Dir!

 

Unser Frauenblog ,,Weggefährtin“ ist eine monatlich erscheinende Kolumne von Frau zu Frau in unterschiedlichen Ausprägungsformen auf der Netzseite des III Wegs, die unser Wirken und Sein innerhalb der Partei ergänzend darstellt.

Bei Interesse: [email protected]

 

(1) Hedwig Dohm: Marianne Adelaide Hedwig Dohm (geborene Schlesinger; * 20. September 1831 in Berlin; gestorben 1. Juni 1919) deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Erste feministischen Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die kulturelle Prägung zurückführte statt auf biologische Determination.

(2) Clara Zetkin: geboren am 5.Juli 1857 in Wiederau, Amtshauptmannschaft Rochlitz, Königreich Sachsen; gestorben am 20.Juni 1933 in Archangelskoje – in den 1920ern Jahren Reichstagsabgeordnete in der Weimarer Republik

(3) Käthe Duncker: (eigentlich Paula Kathinka Duncker, geboren am  23. Mai 1871 in Lörrach; gestorben 2.Mai 1953 in Bernau – deutsche sozialdemokratische, später kommunistische Politikerin)

(4) Philipp Heinrich Scheidemann (Geboren 26.Juli 1865 in Kassel; gestorben 29. November 1939 in Kopenhagen , deutscher sozialdemokratischer Politiker und Publizist.