Julfeier und Wintersonnenwende des Stützpunktes Westerwald/Taunus

Von Sinn und Gestaltung

Das Jahr neigt sich dem Ende und wir gehen in die Rauhnächte über. Der Geist kommt zur Einkehr und Ruhe. Wir besinnen uns der Ahnen und unserer selbst. Wir sehnen uns in diesen dunklen Tagen und Nächten nach Gemeinschaft. Und ersehnen in dieser Zeit Bräuche und Rituale, die uns binden.

Doch, wie begeht man die Weihenacht, die Juleingangsfeier und die Sonnenwende nach alten Überlieferungen und mit dem Bewusstsein unsrer Ahnen es gleichzutun? Wir haben keine genaue Vorstellung davon, wie es einst Brauch gewesen, wie einst das schwere Gefühl der Weihenacht in den Herzen ruhte, wie hoffnungsbringend die Wiederkehr des Lichtes war.

Wir können ahnen. Und wir können uns auch ein eigenes Gefühl von Gemeinschaft und Einkehr schaffen, indem wir Jahreskreishochfesten einen Rahmen geben, der unsere Seele und unser Sein widerspiegelt. Wenn wir uns Bücher zur Hand nehmen und uns dieser Feste belesen, so mag ein mancher Ritus befremdlich erscheinen, da es unzeitgemäß und nicht unserer Gemeinschaft entspräche. So nehmen wir uns eine Menge Bücher zur Hand und erkennen aus den vielen kleinen Elementen, die dort niedergeschrieben wurden, das große Ganze, was schließlich für uns eine Vorstellung ist, was eine Julfeier oder eine Sonnenwende uns vermitteln will. Es ist nicht die Frage, nach dem Wie? Ob richtig oder falsch, wenn es dieselben Empfindungen sind, die es in uns anrührt. Es ist nur die Antwort darauf, dass es zwar nicht alltäglich scheinen mag, aber dass es dennoch etwas in uns anstimmt, was überliefert über Generationen in uns ruht. Tief in unserem deutschen Wesen, welches wir vergessen haben zu bewahren.

Und wenn wir dann beisammenstehen, gemeinsam in die Flammen blicken, wenn ein jeder Mund geschlossen und die Augen starr… wenn aber der Geist, die Freiheit sich nimmt durch diese kalte dunkle Nacht zu schweifen, so hat ein Gefühl einen jeden berührt, der in diesen Bunde sich gefügt. Und ein jeder spürt, die Kraft die uns bindet.


Vom Leben und Erleben

Am Sonnabend zur Mittagszeit fanden sich viele Aktivisten mit ihren Familien aus dem Stützpunkt Westerwald/Taunus für eine gemeinsame Julfeier und anschließende Sonnenwende ein. Geladen waren ebenso Familien und Aktivisten aus den umliegenden Stützpunkten der Pfalz, Rheinhessen und dem Sauerland. Allerlei Gebäck für die bereitgestellten Teller, Salate und Häppchen fanden ihren Weg in die gemütlich rustikale Stube in der die Julfeier stattfinden würde. Nach anfänglich munteren Gesprächen und Freude über lang nicht gesehene Bekannte und Freunde, eröffnete die Feierleiterin das Julfest.

Nach persönlichen Erfahrungswerten der Organisation und Ausführung erwies es sich als angenehmer, die Feier in drei Teile zu gliedern. Vorteil war hier die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder bis Kleinkinder, das Versorgen von Getränken aber auch, dass die Feier, wie das eigentliche Zusammenkommen und Erleben den kompletten Tagesablauf bestimmt und füllt.

So, dass die eigentliche Julfeier nicht nur eine Abhandlung von Text und Gesang darstellte, sondern durch den Tag hindurch thematisiert wurde.

“Nun ist alles sichtbare Weben und Wirken unserer großen Mutter Erde erstorben. Erstarrt ist das Leben in Wald, Feld und Bach. Die Welt unseres Nordens ist in Winternot und Wintertod schlafen gegangen. Bald kommend die Winterstürme, und eisiger Frost geht klirrend einher. Nachtdunkel ist die Zeit.

Leben will ersterben, und aus Tod will Leben entstehen. Altes vergeht, Neues wird geboren. Dort, wo im Innersten der Zeit und des Raumes Wechsel aller Dinge, ihrer Form und Gestalt vor sich geht, geben die allmächtigen Kräfte der Welt Ruhe.

Wohl ruht das Leben, aber bald werden die neuen Kräfte steigen. Es ist ein tiefes Sinnbild unserer Art, dass wir den immergrünen Baum zum Zeichen der nicht versiegenden Hoffnung und Erwartung neuen Lebens in seiner stillsten Zeit zum Sinnbild aufrichten.”, anfängliche zarte und doch bestimmende Worte über das Erahnen der einstigen Bedeutung erklangen im halbdunklen Raum, den zu diesem Zeitpunkt noch keine Kerze erhellte.  Nach zwei Liedern und einem durch einen Aktivisten vorgetragenen Gedicht von Gerhard Schumann, wurde der Julbogen entzündet – genau wie die etlichen Teelichter auf den Tischen zwischen Tannengrün, Sinngebäck und Nüssen. Den Raum umspielte ein warmes flackerndes Licht und ein Hauch Vorweihnacht stieg beim Erklingen des nächsten Liedes „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ auf.

Der zweite Teil der Feierstunde war den Ahnen gewidmet und man entzündete die Kerze neben ihren Bildern am Festtische. Man las Gedichte über Soldatentum und Heldenmut und lauschte still den Worten der Feierleiterin:

„Diese Gedanken machen noch heute unser Herz still und unseren Geist ernst. Unser Weihnachten! Es wurde das Fest des Sieges und der tiefen, verpflichtenden Bereitschaft zum Kampf.

Unser Weihnachtsfest begehen wir darum nicht in der rührseligen Stimmung, die in so manchem unserem Tatdenken fremden Weihnachtsmoral enthalten ist, sondern in der harten und unbeugsamen Gewissheit, dass wir berufen sind, als die ewigen Feuerträger das Licht der Freiheit in die Welt zu tragen.

Die Nacht des Hasses, die Dunkelheit boshafter Willkür hat sich über die Erde gebreitet; wir aber haben das Feuer der Freiheit, der Wahrheit und Gerechtigkeit entfacht.

Diese Weihnachtsgewissheit verleiht uns die sieghafte Bereitschaft zu leidenschaftlicher, befreiender Tat.

Mögen die anderen in überschwänglichen und verworrenen Gefühlen lebensfernen Botschaften lauschen, wir verkünden der Welt die Forderung des Gesetzes,

unter dem wir angetreten sind,

unter dem wir zu kämpfen und zu siegen,

aber auch zu opfern wissen:                      „Freiheit auf Erden!“

 

Vergesst sie nicht, die Toten

In Andacht wurde dieser Teil beendet und man fand sich zusammen, um den Feuerstoß für das Sonnenwendfeuer zu errichten. Die Kinder wurden währenddessen in der warmen Stube zu Papiersternbasteleien angehalten und es konnte das ein oder andere Wort untereinander ausgetauscht werden. Und man konnte wieder ein Gefühl davon bekommen, wie wichtig die Pausen zwischen den Feierfolgenteilen waren, da an diesem Tage so viele Menschen in dieser Stube zusammen kamen, die man seit so langen Stunden nicht gesehen und mit denen man gerne  in Erinnerungen schwelgte oder Geschichten austauschte. „Es war wirklich zu keiner Minute langweilig“, bestätigte abschließend ein Aktivist aus dem Sauerland und gab so die Bestätigung, die richtige Dosis für das Feierkonzept gefunden zu haben.

Nachdem jedes Kind eins, zwei oder sogar drei Sterne aus Papierbrottüten stolz zu seinen Eltern tragen konnte, läutete die Feierleiterin mit einem Gedicht von Anne Marie Koeppen die dritte und somit auch letzte Folge der Feierlichkeit ein. Den Ruprechtsabend.

Durch fortschreitende Stunde lag die Stube nur noch durch Kerzenschein erhellt und laut pochte es an der Tür, während noch gemeinsam das Lied „Lustig, lustig tralla lala la“ erklang.

Die kleinen Gesichter erstarrten und sahen gespannt zu der Tür hinüber, die nun ein großer bärtiger Mann in braunem Umhang aufstieß… Manch ein Gesicht vergrub sich in Mamas Schoß und wagte es nur halb hervor zu blinzeln. Man bot dem Fremden, der sich als Ruprecht vorstellte einen Stuhl in der Gemeinschaftsmitte an und lauschte gespannt, was er zu berichten hatte. Wegen der Kinder sei er hier, waren seine ersten Worte und er fasste direkt den frechsten Bub am Ärmel und bat ihn bestimmend zu sich. Da lachte er noch beschämt und konnte sich dennoch über eine kleine Gabe mit Nüssen, Clementinen und Schokolade aus dem Ruprechtssack freuen. So erging es dann allen Kindern, die an diesem Tage mit ihren Eltern die Julfeier besuchten. Sie wurden alle aufgerufen und Ruprecht erzählte ihnen Geschichten aus ihrem Leben, mal Gutes mal weniger Gutes, was eigentlich nur ihre Eltern wissen konnten. Da wurde nicht schlecht gestaunt und auch wenn ein manches Kind sich nicht zum großen bärtigen Ruprecht traute, bekam es eine kleine Tüte gereicht, die die Eltern in Empfang nahmen. „Wiedersehen, Ruprecht. Bis zum nächsten Jahr!“


Sonnenwende

Ein wenig Unruhe kam auf, als alle begannen, sich warm einzupacken für den Gang nach Draußen ins große Dunkle, wo der Feuerstoß nur wartete, lodernd zu brennen, zu entzünden und zu erleuchten.

Nachdem die Gemeinschaft Aufstellung vor dem Feierplatz genommen hatte, durchbrach die nächtliche Stille der Trommelschlag, der den Gang zur Feierstätte vorgab. Am Stoß im Kreise warteten der Trommler und die Feierleiterin, an der sich der Zug teilte, um einen Kreis zu bilden. Eng rückte man beisammen, als der Wind die Bäume des Westerwaldes schüttelte.

„Treue ist da,

wo die Pflicht zum Herzen spricht.

Hoffnung ist da,

wo der Glauben jeden Zweifel bricht.

Mut ist da,

wo Kameraden beisammenstehn.

Aufbruch ist da,

wo im Wind die Fahnen wehn.

Licht ist da,

wo wir Flammen schüren.

Feuer ist da,

wo wir Liebe spüren.

Heimat ist da,

wo unsere Wurzeln liegen.

Deutschland ist da

und wir werden siegen.

Ein Sprechstück vorgetragen von Mann und Frau, verhallend in der Nacht. Berührend und einstimmend auf die eigentliche nun beginnende Feierstunde zur Sonnenwende. „Ich gehe mit!“ die vier Fackelträger traten nach vorn, auf den Lippen ihr Einverständnis des Folgens.

Die folgenden Sprechteile der Fackelträger waren die Verse des Gedichtes von Franz Höller „Kameraden der Zeit“ und Ernst Frieböse. Es erwies sich als sinnig, für die vier Himmelsrichtungen Gedichte zu gebrauchen, die von Aufbruch, Kampfgeist und Widerstand sprachen. Von Trotz und Treue. Die Feuerrede lehnte an Worte von Kurt Eggers an und umschrieb die Notwendigkeit vom Griff zum Schwerte und von dem Schüren der ewig lodernden Flamme des Geistes für Widerstand und Unrast. Dafür, nicht dem vermeintlichen Bild und der inneren Abgeschlagenheit des Begriffes von „Frieden auf Erden“ zu verfallen.

Wie auch zu Jul, ehrte man auch zur Sonnenwendnacht die Toten mit den Worten von Heinrich Anacker:

„Wir senken                die Fahnen

Der Toten                    zu denken

Der Brüder, die starben. Erschlagen vom Feind.“

Ein Trommelschlag durchbricht die Stille und macht die Herzen weit in die Dunkelheit zu horchen.

„Sie brachen die Bresche, sie säten die Saaten;

Der Sieg den wir feiern, wär nicht ohne sie.

So drücken im Geiste wir stumm ihre Hände

So ehren wir still ihre Mütter und Frauen,

die alles geopfert für Deutschland, für uns.

Und feierlich schwören wir, groß zu vollenden,

was jene begonnen mit heldischer Tat.“

Zweiter Trommelschlag dröhnt über die Anhöhe.

„Wir heben                 die Fahnen

Die Toten                    sie leben!

Wir tragen ihr Wollen hinein in den Staat.“

Gesungen wurde zu dem Anlass zweierlei Lieder „Wenn der Abend naht“ und „Wenn wir marschieren“, abschließend immer das Lied der Deutschen und eine Einladung folgte zum Verweilen am Feuer mit Punsch, Saft und warmen Getränken.

Bei Speis und guten Gesprächen ließ man anschließend den Tag in der Stube ausklingen und ein jeder drückte die Hand zum Abschied in Dank und netten Worten.

Möget ihr gesund ins neue Jahr kommen und ein Julfest im Kreise eurer Liebsten haben, dass euch das Herz vor Glücke springe und ihr Kraft zehret für unseren gemeinsamen weiteren Weg.

Bessres kann kein Volk vererben

als der alten Väter Brauch.

Wenn des Volkes Bräuche sterben,

stirbt des Volkes Seele auch.