Die nationalen Bewegungen Südamerikas: Argentinien

In den nächsten Wochen wird uns der in Südamerika lebende Bernhard Scheida die nationalistischen / nationalsozialistischen Parteien / Gruppen in Südamerika, aufgeteilt nach Ländern, kurz vorstellen. Darüber hinaus wird er natürlich die gesamtpolitische Entwicklung der einzelnen südamerikanischen Staaten in seine Artikel mit einfließen lassen.

 

Argentinien

Nach Vorwahlen am 11. August diesen Jahres finden in Argentinien, dem zweitgrössten Land Südamerikas, am 27. Oktober 2019 die Hauptwahlen zum Präsidenten Argentiniens statt. Der aktuelle Präsident Mauricio Macri stellt sich erneut für 4 Jahre zur Wahl. Gleichzeitig werden 24 Senatoren und 130 nationale Vertreter gewählt. Eine “lupenreine”Demokratie? Weit gefehlt. Argentinien ist ein politisches Chamäleon und wohl der “Meister” des politischen “Geschäfts” in Lateinamerika. Der Höhepunkt politischer “List” war die Gründung der Christlich Demokratischen Partei Argentiniens im Jahre 1954. Teile und herrsche als Maxime. Weder Rechts noch Links in der Praxis. Die politische Philosophie der Christdemokraten war der Materialismus. Eine philosophische Richtung, die nur das Materielle als real betrachtet und jede kulturelle und nationale Sichtweise als Produkt dieses materialstischen Hintergrunds akzeptiert. Als ein Nebenprodukt.

Die Politik dieser Ausrichtung nach allen Seiten war dann rein opportunistisch. Je nach Gebrauchslage rechtsorientiert, linksorientiert oder eben die sogenannte Mitte. Folge einer solchen politischen “Offenheit” waren insgesamt 6 militante Machtübernahmen. Um nur die erfolgreichen zu nennen. Vier davon waren übergangsweise. Zwischen 1970 und 1980 allerdings etablierte sich das sogenannte Regime des staatlichen Terrorismus mit über 30 Tsd. Vermissten und unzähligen Toten. Um es klar zu sagen: Alle militanten Regierungen Argentiniens waren durch aktive Unterstützung der Vereinigten Staaten, ausser unter dem US Präsidenten Jimmy Carter, abgesichert und durch Duldung der Sowietunion praktisch möglich gemacht.

Dazu kam der Konservatismus der katholischen Kirche Argentiniens. Ihre Rolle in der realen argentinischen Politik ist als rechtskonservativ zu bewerten. Diese Rolle hat sie stets dazu genutzt, in der einen oder anderen Form an der Macht in Argentinien beteiligt zu sein. Die Handlungsweise der Kirche Roms, kann als typisch für Lateinamerika angesehen werden und findet sich als “roter Faden” im wahrsten Sinne immer wieder. Als Unterstützer besonders kommunistisch-liberaler Interessen.

Nationale Bewegungen in Argentinien haben stets mit dem “Phänomen” Kirche zu kämpfen gehabt. Sie waren sich stets im Klaren über die Unberechenbarkeit der Institution. Die Allianz der Kirche mit “linken” Politikern und Parteien war auch eine Allianz mit den “Besatzern” über die Jahrhunderte. Also mit Spanien. Der katholische Nationalismus in Argentinien, die Einflussnahme von Priestern wie Julio Meinvielle, Leonardo Castellani und dem Philosophen Jordan Bruno Genta zeigen deutlich, wie der nationale Wind in Argentinien von kirchlichen Institutionen gesteuert war. Eine herausragende Person der argentinischen Geschichte, einer der polarisierte wie kein zweiter, ein Militär und Nationalist, war der General Juan Domingo Peron. Von der Weltgemeinschaft als despotischer Tyrann und in Unkenntnis der Verhältnisse, als Gegner des argentinischen Volkes verunglimpft, war General Peron ein aufrechter Nationalist. Der wohl einzige Militär in Lateinamerika, der sich im Sinne eines nationalen Sozialismus dem argentinischen Volke verpflichtet fühlte. Er richtete seine politischen Ziele und Handlungen danach aus und setzte sie gegen inmensen Widerstand, besonders der ausländischen Geheimdienste, mit harter Hand durch. Das argentinische Volk, besonders die arbeitende Klasse, dankte es ihm. Die Mehrheit der Argentinier wollte eher eine “eiserne Hand” als Anarchie im Land. Die Arbeiter stellten sich geschlossen hinter Peron und waren stolze “Peronisten”.

Das bipolare Argentinien zeichnete sich in dieser Epoche durch Peronisten und Antiperonisten aus. Antiperonisten waren Linke und Liberale. Durch aktive Intervention der US-Amerikaner, die “Botschafter” und gleichzeitig Inhaber von Unternehmungen wie Spruille Braden, Inhaber der Braden Copper Company, nach Buenos Aires entsandten, wurde Präsident Peron, der im Übrigen als erster Präsident frei und von Männern und Frauen gewählt und 1951 wiedergewählt wurde, im September 1955 durch die sogenannte “Liberale Revolution” entmachtet. Peron war und ist der wohl einzige Präsident lateinamerikanischer Staaten, der sich aktiv mit der Rolle der katholischen Kirche auseinandergesetzt hat und es wagte, gegen die Kirche Front zu machen. Peron starb 1974 in Olivas bei Buenos Aires.

Büste von Eva Peron

Seine 7-jährige Ehe mit Maria Eva Duarte, besser bekannt als “Evita”, einer argentinischen Schauspielerin und Politikerin, verhalf ihm zu “Weltruhm”. Evita half ihrem Mann bei den sehr schwierigen Auseinandersetzungen mit den linken Gewerkschaften und sie war stets ein Vermittler auch mit Spanien und den USA. Dem argentinischen Volk galt sie als “Heilige”.

Das politische Vermächtnis Perons, die Gründung und Führung des “Partido Justicialista”, der Gerechtigkeitspartei, wurde ad absurdum durch Politiker wie Carlos Menem, Präsident von 1988- 1999, geführt. Er zeichnete sich in diesem Jahrzehnt dadurch aus, dass er eine besondere Affinität zu den Vereinigten Staaten von Amerika hatte und besonders zu Präsident Bill Clinton. Die Präsidenten Nestor Kirchner und Kristina Fernandez de Kirchner, deren Zugehöhrigkeit zu der von Peron gegründeten Partei dazu führte, dass Linke und Liberale die Partei infiltrierten und sie damit zerstörten, markierten eine weitere Periode Argentiniens. Die Ära der “Kirchneristen”. Sie endete mit der ehemaligen “First Lady” Kirchner im Jahre 2015 in Korruption und Betrug. Die alte Weise, mit der politische Karrieren in gesamt Lateinamerika enden.

Nationale Bewegungen haben in Argentinien stets den Mantel der Kirche getragen und sind somit als korrupt und nicht im Sinne des Wortes “National und Sozialistisch” definierbar. Ausnahme ist und war General Juan Domingo Peron.

Mauricio Macri, von Beruf Ingenieur, stellt sich also zur Wiederwahl im Oktober diesen Jahres. Er gilt als guter Ökonom, und ist als Präsident des renommierten argentinischen Fussballklubs “Club Atlético de Boca Juniors” stets am Ball. Als Wirtschaftsexperte der Citi Bank Gruppe ist er sicherlich der geeignete Kandidat, um der Allianz mit Nordamerika die Fahne zu halten. Es ist nicht die nationale Fahne Argentiniens. Es ist nicht die Fahne mit der Passionsblume in ihrer Mitte. Die Fahne der Peronisten.

Bernhard Scheida, Bogota

Zum Nachlesen:

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