„Krieg dem DFB“ – Dresden-Fans für Fanmarsch verurteilt

58 Anhänger des Fußballvereins Dynamo Dresden wurden zu hohen Geldstrafen und teils zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Der Vorwurf: Sie sollen einen nicht angemeldeten Fanmarsch unter dem Motto „Krieg dem DFB“ organisiert haben. Aus dem 2300-Mann starken Fanmarsch wurden von Einzelpersonen Böller geworfen. Die Böllerwürfe stellen jedoch ausdrücklich nicht den Grund der Verurteilung dar. Hintergrund des Fanmarsches war der Protest gegen den Verband, der immer wieder durch Korruption, unverhältnismäßige Kollektivstrafen und zunehmender Entfremdung des Sports vom Volk auffällt.

Auf den Protest – auch gegen Kollektivstrafen – folgten Kollektivstrafen. 58 Dynamofans wurden durch ein Karlsruher Gericht zu Geldstrafen zwischen 900 und 10.000 Euro verurteilt. Zum Teil setzte es auch Haftstrafen auf Bewährung. Ein Trabant, der dem Fanmarsch vorausfuhr, wurde von der Staatsanwaltschaft dauerhaft eingezogen. Der Trabant hatte einem Sammler gehört, der den Wagen nur ausgeliehen hatte. Da er nun als „Beweisstück“ gilt, wird er ihn nicht zurückerhalten und stattdessen in ein Technikmuseum in Sinsheim wandern. Zum Höchstsatz verurteilt wurde der damalige Vorsänger Stephan „Lehmi“ Lehmann. Er soll gewissermaßen zur Gewalt angestachelt haben, obwohl durch Videoaufnahmen gut belegt ist, dass er an den Ausschreitungen nicht beteiligt war.

Die meisten Angeklagten gerieten willkürlich in das Fadenkreuz der Justiz: Im Winter 2017 wurde eine Hausdurchsuchungswelle gegen Dynamo-Fans gestartet, bei der Handys und Spielkonsolen beschlagnahmt wurden. Ein Angeklagter soll die Camouflage-Oberteile verkauft haben, ein weiterer ist der genannte Vorsänger. Beim Rest war offenbar allein die Teilnahme an dem Marsch ausreichend, um als „Rädelsführer“ eingestuft zu werden. Auf eine Revision ihres Verfahrens haben die nun Verurteilten, trotz der hohen Geldstrafen, verzichtet. Eine Neuauflage des Verfahrens würde womöglich eine lange Anwesenheit der Dresdner in Baden erforderlich machen und weitere Verfahrenskosten nach sich ziehen. Bereits jetzt hat beispielsweise Lehmann Anwaltskosten in Höhe von 14.000 Euro zu schultern. Einziger Lichtblick für die Fans ist ein Solidaritätskomitee, das nun unter freundlicher Unterstützung des Vereins Dynamo Dresden für die Fußballfans sammelt.

Dass es sich bei der „Kriegserklärung“ an den DFB um bewusst überspitzte Satire handelt, war für den humorlosen Verband und die Justiz offenbar nicht erkenntlich. Die Verurteilungen bestätigen das Bild, eines Verbandes und einer Judikative, die (scheinbar) politisch unbequemen Protest fürchten. In einer Art Paralleljustiz verurteilt der DFB Vereine für Vergehen ihrer Anhänger. Obwohl es für die Vereine praktisch unmöglich ist, Pyrotechnik aus den Stadien zu verbannen und sie mit größtmöglichem Aufwand versuchen, Straftaten im Vorfeld zu vereiteln und im Nachgang erwischte „Täter“ selbst mit Stadionverboten belegen, werden sie sanktioniert. Dynamo Dresden beispielsweise wurde erst im August zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verurteilt.

Der vermeintlich erzieherische Ansatz von Strafen greift nicht, da für die Vereine alle Mittel längst ausgereizt sind, angefangen von Ansagen durch den Stadionsprecher bis hin zur Androhung von Umwälzung der Kosten auf erwischte „Pyromanen“. Ein besonderes Problem ist, dass die Strafen finanzschwache Klubs deutlich härter treffen, als beispielsweise Bundesligisten wie Bayern München oder Borussia Dortmund. Es ist allerdings ohnehin charakteristisch für den DFB, dass große Vereine dank freundlicher Mithilfe des Verbandes sich zu Großkonzernen aufblähen können, während der Breitensport außerhalb des Flutlichts ums Überleben kämpfen muss. In engem Einklang mit der Justiz, versucht der DFB „Störenfriede“ aus den Stadien zu verbannen, um zahlungskräftigen und unkritischen Konsumenten ein möglichst angenehmes Stadionerlebnis zu verschaffen. Popcorn, Helene Fischer beim Pokalfinale und Coca Cola im Pappbecher, eigene Bezahlsysteme – so sieht der Fußball in der Welt der Kapitalisten aus. Die Justiz leistet ihren Beitrag beispielsweise bei der Jagd auf die sogenannte „Kategorie C“ – gewaltorientierte Hooligans. So wurden 2015 Mitglieder der heimattreuen Gruppierung „Hooligans Elbflorenz“ zu teils mehreren Jahren Haft verurteilt.





4 Kommentare

  • Wo rüber regt man sich auf?
    Es ist doch klar ersichtlich, das die Mannschaften zum größten Teil aus zugewanderten oder gekauften Ausländern bestehen. Was habe ich da noch im Stadion zu suchen? War auch mal Fan einer Mannschaft, aber wenn selbst unsere Reporter die Namen nicht richtig aussprechen können, ist es Zeit zu gehen.
    Bis bald Wilhelm

    Wilhelm 06.11.2019
    • Ich gehe sogar noch weiter und sage, daß die – theoretisch – deutschen Fußballmanschaften zu 100% aus deutschen Spielern bestehen müßen, sondern auch, daß zum Beispiel in einer Mannschaft wie dem TSV 1860 München ausschließlich Spieler aus München und dessen Umfeld spielen dürfen; Welchen Sinn hat die Bundesliga sonst, wenn nicht, um festzustellen, aus welcher Region des Landes die besten Spieler kommen? Und warum sollte jemand aus Wolfsburg beispielsweise für Schalke 04 spielen wollen? Hinter all dem steckt wie so oft eine giftige Schlange namens Kapitalismus. Wenigstens bei den Olympischen Spielen findet sich noch die “nationale” Ordnung in den jeweiligen Mannschaften, zumindest großteils.

      Thomas G. 07.11.2019
    • Das Thema des Beitrages ist die unangemessene/harte Verfolgung und Verurteilung der Fans für lapidare Taten. Es geht hier nicht um den von Multikulti zerfressenen Sport an sich, sondern um Repressionen die in gleicher Weise auch Oppositionelle trifft.

      DZ 11.11.2019
  • scheiss DFB!

    Leonard Jochum 06.11.2019

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