Das System macht unsere Kinder kaputt!

Das System macht Kinder kaputtEs ist bereits in Wissenschaft sowie in der Bevölkerung weitreichend bekannt: die ersten Jahre eines Menschenlebens stellen die Weichen. Sie entscheiden zum Beispiel über die sozialen Fähigkeiten oder wie selbstständig man durchs Leben geht. Glück und Zufriedenheit des gesamten Lebens liegen also vor allem auch an der Kindheit selbst.

In unseren westlichen Gefilden schlagen immer mehr Wissenschaftler, Forscher und Experten Alarm und warnen vor der derzeitigen Kindererziehung und dem Bildungssystem. So auch der Kindheitsforscher Michael Hüter, der seine Erkenntnisse in einem Buch verarbeitet hat. Kindheit 6.7 heißt das Werk des Österreichers, in dem der Historiker die Geschichte der „Kindheit“ behandelt und mit zahlreichen interessanten wissenschaftlichen Erkenntnissen versiert.

Das Fazit, das Hüter dort zieht, ist aufschreckend. Der Forscher zeigt auf, dass sich die Art und Weise wie Kinder heute aufwachsen, umgehend ändern muss. „Wenn wir so weitermachen, wie in den letzten 15 Jahren, wird es den Menschen auch ohne Klimakatastrophe und Atomkrieg in 200 Jahren nicht mehr geben“, so Hüter im Gespräch mit einem Online Magazin.

Kinder so krank wie noch nie in der Menschheitsgeschichte

Glaubt man dem Forscher, dann ist die Lage äußerst dramatisch. Kindern geht es so schlecht wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Gemeint ist hierbei natürlich nicht die materielle Sicht, sondern etwas viel Entscheidenderes. Hüter kann dies auch begründen: „In Europa hat inzwischen jedes zweite Kind eine chronische Krankheit. Das gab es in der gesamten Geschichte der Menschen noch nicht. Bei größtmöglichem medizinischen Fortschritt waren unsere Kinder noch nie so auffallend krank wie heute.“

Diesen Ausführungen stimmen auch andere Experten auf diesem Gebiet zu. Die Zahl der Psychologen, Soziologen, Ärzte und Neurobiologen, die sich über den gesundheitlichen und vor allem psychischen Zustand von Kindern und Jugendlichen sorgen machen, wächst zunehmend.

 

Was sich an der Kindererziehung ändern muss?

Hüter ist sich sicher, „was ein Kind evolutionär, psychologisch, neurobiologisch braucht, sind zuerst einmal seine Eltern, oder wenigstens die Mutter“. Erschreckend ist es, wie Kinder heutzutage aus den Familien gerissen und fremdbetreut werden. Nach Ansicht Hüters sollte die Politik also mehr Geld in gesunde Familien investieren, anstatt dies in das frühkindliche Betreuungssystem in Form von Kitas und Ähnliches zu stecken.

 

„Wir verheizen die wenigen Kinder, die wir noch haben, in ein defizitäres Bildungs- und Betreuungssystem, damit die Eltern für wenig Geld viel arbeiten können, nur um ein Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten, das zum Scheitern verurteilt ist.“

*Kindheitsforscher Michael Hüter

Diese Ansicht teilt auch unsere Partei „Der III. Weg“ und tritt deshalb für eine gesunde Kindererziehung innerhalb der Familie ein. Gerade die Wirtschaftspolitik muss diese Familienpolitik stützen und ermöglichen.

Erziehungspraxis muss hinterfragt werden

Neben der Abschiebung der Kindererziehung an ein Betreuungssystem des Staates thematisierte der Kindheitsforscher viele weitere Punkte. Unter anderem ist die frühe Benotung im Schulsystem laut dem Forscher nicht zielführend. „Wenn ein Kind eine schlechte Note bekommt, wird sein Selbstwertgefühl beschädigt“ “es fühlt sich gedemütigt und es verliert die weitere Freude am Lernen. Wenn ich bestraft werde für den Versuch, mich zu bilden, dann höre ich irgendwann auf, mit Freude zu lernen“, so Hüter. Vielmehr müsse man die Kinder dort abholen, wo sie entwicklungsmäßig stehen und die Vielfalt unter den Schülern endlich akzeptieren, so stellt sich der Österreicher ein modernes und gemäß den wissenschaftlichen Erkenntnissen bedingtes Schulsystem vor.

Gerade der Stress, dem Kinder und Jugendliche heute ausgesetzt sind, gibt dem Forscher zu denken. Leistung und Erfolge überschatten die Kindheit, in der man eigentlich spielerisch auf das Leben vorbereitet werden soll. Eine Kindheit sollte also nicht aus Ganztagsbetreuung und außerschulischen Verpflichtungen bestehen, sondern viel freie Zeit zum Spielen beinhalten.

Überforderung in der Schule

Stressfreie Kindheit führt zu Selbstbewusstsein

Einen zunehmenden Stress von Kindern fand auch eine Studie der Universität Bielefeld heraus, in der rund 1.100 Kinder und Jugendliche, sowie 1.039 Eltern befragt wurden. Während den Eltern der Stress ihrer Söhne und Töchter gar nicht bewusst war und sie sogar Sorge hatten, den Nachwuchs nicht genug zu fördern, zeigte sich, dass jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland unter deutlichem Stress litten.

Mehr als 83 Prozent der Kinder mit hohem Stress gaben an, keine Zeit für Dinge zu haben, die ihnen wirklich Spaß machen. Dieser Stressfaktor und das Unglück, den eigenen Alltag wenig mitbestimmen zu können, führten laut der Studie vergleichsweise oft zu Wut, Aggressivität und Langeweile. Ein schwächeres Selbstbewusstsein und Schwierigkeiten Probleme selbstständig zu lösen sind die Auswirkungen.

Spielen fördert die kreative Entwicklung

Der Neurobiologe Gerald Hüther gibt zu denken: „Damit das riesige Potenzial an Vernetzungsmöglichkeiten im Gehirn möglichst gut stabilisiert werden kann und die in unseren Kindern angelegten Talente zur Entfaltung kommen, müssen wir ihnen so lange wie möglich die Gelegenheit bieten, spielen zu können“.

Die Freizeit, in der Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, in der sie spielerisch sich selbst entfalten können, sollte also in der Prioritätenliste der Kindererziehung nicht hintangestellt, sondern als wichtigster Baustein angesehen werden.

Frische Luft statt „Gebäudekindheit“

Kinder verbringen immer weniger Zeit an der frischen Luft, was der Forscher Michael Hüter als „Gebäudekindheit“ bezeichnet. Auch dadurch sind Probleme vorprogrammiert. Hüter weiß, „unser evolutionäres Programm ist nicht darauf ausgelegt, dass Kinder vom 1. bis zum 18. Lebensjahr 70 Stunden pro Woche in Gebäuden verbringen. Da muss man doch nur einem den gesunden Menschenverstand walten lassen, um zu erkennen, dass dabei keine gesunden Menschen herauskommen können“.

Durch seine Nachforschungen fand Hüter heraus, dass 1990 noch drei Viertel der Kinder ihre Freizeit nach der Schule in der Natur verbrachten. Nur ein Viertel der Kinder waren es noch vor ein paar Jahren und heute sind es vermutlich noch weniger. Gesundheitliche Folgen sind bereits erkennbar, so nimmt weltweit die Kurzsichtigkeit rasend schnell zu, was daran liegt, dass die Kinder kaum noch am Tageslicht sind.

 

Gesunde Kindererziehung heißt Fortbestand bewahren!

„Wir müssen unsere Gesellschaft neu aufbauen, mit einem fokussierten Blick auf die Kinder und die Familie. Anders können wir uns nicht mehr weiterentwickeln. Dann schafft der Mensch sich schon sehr bald selbst ab“, so Michael Hüter.

Es gibt also nur die eine logische Konsequenz für den Fortbestand: zu einem menschengerechten Leben zurückkehren, die wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen und das Kind auch Kind sein lassen.


Weitere Informationen zu Michael Hüter uns sein Buch „Kindheit 6.7“ kann man hier nachlesen: Michael Hüter / Kindheit 6.7

Weitere Informationen zur Studie der Uni Bielefeld kann man hier nachlesen: Burnout im Kinderzimmer





2 Kommentare

  • Wie Kinder heutzutage großgezogen werden ist alles andere als artgerecht. Die evolutionsbedingten Bedürfnisse von Säuglingen und Kleinkindern werden komplett ignoriert. Menschen sind Traglinge. Sie brauchen in den ersten paar Jahren eigentlich ständigen Körperkontakt vor allem mit der mutter. Auch Kindergärten sind unnatürlich. Sie wurden eingeführt weil Frauen zur lohnarbeit gezwungen wurden und die kinder deshalb oftmals sich selbst überlassen waren. Die wenigsten Eltern nehmen sich wirklich Zeit für ihre Kleinen. Kompensiert wird das dann mit allerlei unnützem Firlefanz welcher sich in den Kinderzimmern türmt und schließlich irgendwann auf dem Müll landet.

    Schreiner 01.12.2019
  • Es macht uns alle kaputt, das gesamte deutsche Volk!

    Daniel Müller 01.12.2019

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