Ideologische Thesen gegen weltanschauliche Grundpfeiler (Teil 1)

In dieser Artikelreihe möchten wir uns mit unseren weltanschaulichen Kernelementen und deren ideologischen Gegenvorstellungen auseinandersetzen. Es soll in kurzen Episoden unsere Weltanschauung vermitteln.

In unserem ersten Teil beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichen Vorstellungen zur Natur des Menschen.


Das Menschenbild

Menschenbild nennen wir die Vorstellungen, welche wir über den Menschen und die Stellung dessen in der Welt haben. Jeder, der sich in irgendeiner Art mit dem Menschen beschäftigt, macht sich Gedanken über die Stellung des Menschen in der Welt. Welche Vorstellung hat die jeweilige Theorie oder politische Bewegung von dem Wesen Mensch, wie ist er geschaffen, was sei wohl seine Natur?

Darin unterscheiden sich die großen Ideen, die politisch um den Sieg ringen. Ist der Mensch ein Abbild des geistigen Seins, das Abbild Gottes? Der Mensch als Stellvertreter Gottes auf Erden, der mit den Tieren keinerlei Verwandtschaft aufzeigt? Wird der menschliche Geist als immaterielle Substanz gesehen, welche den menschlichen Körper beseelt oder stellen Körper und Geist eine unmittelbare Einheit dar? Kann der Mensch völlig frei von inneren Zwängen gänzlich über sein Leben mithilfe seiner Vernunft entscheiden? Er hat schließlich einen freien Willen, oder doch nicht? Oder ist der Mensch so, wie ihn seine Umwelt formt, der Mensch als „Unbeschriebenes Blatt“, der erst durch seine Erfahrung beschrieben wird? Vielleicht ist er ja doch ein Teil der Natur und wie alle anderen Lebewesen ihren Gesetzen unterworfen? Das zugrunde liegende Menschenbild ist Kernstück politischer Ideologien und deren Programme. Daher sollen zwei entgegengesetzte Vorstellungen hier aufgezeigt werden.



Milieutheorie gegen naturwissenschaftliches Menschenbild


Was ist die Milieutheorie?

DATUM

Im Kern der meisten Ideologien steht die Milieutheorie. Umgangssprachlich nennt man sie auch „Umwelttheorie“. Sie entstammt der Philosophie und Soziologie. Sie geht im Ursprung auf eine Theorie zur menschlichen Natur von dem Philosophen John Locke (1632-1704) zurück und wurde von J.B. Watson (1878–1958) in eine empirische Form gefasst.

Die Milieutheorie geht davon aus, dass der Mensch nach der Geburt „ein unbeschriebenes Blatt“ sei, im Verlauf des Lebens werde er durch die Erfahrung geprägt. Nach dieser Auffassung erwachsen alle Unterschiede zwischen Rassen, Völkern, Geschlechtern und Individuen aus unterschiedlichen Erfahrungen. Man müsse nur die Erfahrung der Menschen angleichen, alle Unterschiede beseitigen, dann hätten sie alle die gleichen Möglichkeiten der Entfaltung. Alles, was nach der Geburt geschehe, welche Erfahrung gesammelt werde, würde den Menschen zu dem machen, was er ist, zum Beispiel zum Handwerker, Wissenschaftler oder zum Dieb. Böse Menschen seien das Produkt der Gesellschaft, die sie verdorben hätten. Über die Erziehung ließe sich jedem Menschen jede gewünschte Verhaltensweise und Eigenschaft beibringen. Angeborene Dispositionen werden als unwesentlich hingestellt oder werden geleugnet, biologische Erklärungen gar als „Biologismus“ abgewertet.

Sie geht letztendlich von zwei Annahmen aus:

  1. Das menschliche Verhalten sei nicht primär durch die Erbanlagen, sondern allein durch die Umwelt bedingt
  2. Alle Menschen seien gleich

Heute ist die Milieutheorie wissenschaftlich widerlegt. Dennoch bestimmt diese Vorstellung in der heutigen Politik das Denken und Handeln und die öffentliche Wahrnehmung, mit fatalen Folgen in allen Bereichen:

Ob in unseren Kindergärten durch geschlechtsneutrale Erziehung, um vermeintliche Geschlechterungerechtigkeit in der Gesellschaft im Keim zu ersticken oder im Umgang mit der menschlichen Aggression, überall steckt im Kern die Milieutheorie verborgen. Aggression wird als böse Eigenschaft wahrgenommen, man müsse ein aggressionsfreies Umfeld schaffen und aggressive Verhaltensweisen bestrafen, um die Aggression aus unserer Gesellschaft zu verbannen. In beiden Handlungskonzepten stecken utopische Vorstellungen zu der Natur des Menschen, die nicht wissenschaftlich bestätigt werden können, die aufgrund dessen, gravierende Schäden anrichten.

Auch bei Themen, wie dem Rassismus greift diese Theorie. Ziel sei es, dass alle die gleichen Bedingungen haben. Unterschiedliche Kulturen verhinderten künstlich die Gleichheit der Menschen, sie müssten folglich ausradiert werden. Daher sind Nationen und unterschiedliche Kulturen Hemmnisse und folglich ein Feindbild einer erträumten „gerechten“ Welt.

Zu guter Letzt soll ein Beispiel aus der Wirtschaft erfolgen. Lyssenko war ein sowjetischer Agrarwissenschaftler zu Zeiten Stalins. Auch er vertrat die These, dass die Eigenschaften von Lebewesen nicht durch ihre Erbanlagen, sondern durch Umweltbedingungen bestimmt seien. Seine Auffassung hatte katastrophale Folgen für die Landwirtschaft, Missernten und Hungersnöte waren die Folge.

Abschließend sollen uns warnende Worte des Humanethologen Gerhard Medicus zu diesem Thema begleiten:

„Wenn gesellschaftspolitischen Entscheidungen falsche oder wirklichkeitsferne Annahmen zugrunde liegen, wird sich das früher oder später im historischen Verlauf zeigen.“
(Quelle 1 S. 116)


Was ist das naturwissenschaftliche Menschenbild?

DATUM

Unseren weltanschaulichen Rückschlüssen liegt ein wissenschaftlich fundiertes Menschenbild zugrunde. Damit werden die ewigen und absoluten Naturgesetze, sowie biologische Regeln selbst zu unserer Grundlage. Das wissenschaftliche Menschenbild ist darauf aufgebaut, dass der Mensch ein Teil der Natur ist und wie alle anderen Lebewesen den Gesetzen unterliegt. Menschliches Verhalten wird in genau feststellbaren Bereichen von unserem biologischen Erbe bestimmt aber ebenso ist der Mensch auch ein Kulturwesen (vgl. Eibl-Eibesfeldt). In der entscheidenden Frage, was der Mensch nun sei, Natur- oder Kulturwesen können wir festhalten, dass der Mensch von Natur aus erst zum Kulturwesen geschaffen wurde. Seine Biologie ermöglicht es ihm, Lernerfahrungen zu sammeln und zu tradieren sowie seine Verhaltensweisen zu kultivieren.In dem Meinungsstreit über die Natur des Menschen kommt der Biologie besondere Bedeutung zu. Die Biologie ist die Wissenschaft, die die Gesetze des Lebens erforscht, denen der Mensch als biologisches Lebewesen nun mal unterliegt. Politisch häufig diskutierte kulturelle Äußerungen, wie Migration, Gewalttätigkeit, Nächstenliebe, Bevölkerungsexplosion, Bindungslosigkeit oder die Geschlechterrollenzuweisung besitzen biologische Ursachen, daher kann die Biologie dazu beitragen, diese Verhaltensweisen besser zu verstehen und zu einer ethischen Normfindung beisteuern. Aufgrund dieser Einsicht werden auch kulturelle Leistungen des Menschen unter biologischen Gesichtspunkten betrachtet. Es ist eine wissenschaftliche Tatsache, dass der Mensch als Lebewesen den physikalischen Naturgesetzen unterworfen ist. Auch biologischen Regeln untersteht er, wie den Regeln der Evolution und den Vererbungsregeln.

Wir wissen durch die Erkenntnisse aus der Biologie, darunter aus der Genetik und der Humanethologie, dass menschliche Verhaltensweisen ein Zusammenspiel aus genetischen Merkmalen und Umweltinformation darstellen. Das Genom enthält alle Anlagen. Die Umwelt bestimmt, welche Anlagen sich wie im Verlauf des Lebens ausprägen. Die Gene werden von den Menschen vererbt und er entwickelt daraus seine Fähigkeiten. Diese werden von der Umwelt gehemmt oder können sich entfalten.

Die Gene sind folglich nur die Voraussetzung, Fähigkeiten zu entwickeln, wofür es jedoch der Erziehung bedarf. Es funktioniert nicht, gegen die Natur des Menschen zu erziehen, dafür gibt es eine Fülle von Beispielen, wir wollen es hier bei einem Beispiel belassen, welches Eibl-Eibesfeldt beschrieb.

Er berichtet über einen mutativen Defekt. Dieser verhindere wegen eines mangelnden Enzyms bei Jungen die Verwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. Dieser muss aber vorhanden sein, damit sich der Fötus in eine männliche Richtung entwickelt. Die genetischen Jungen kommen folglich als vermeintliche Mädchen zur Welt. Beim Eintritt in die Pubertät entwickelt sich das Kind jedoch nicht in eine weibliche Richtung, es wachsen keine Brüste, die Klitoris wächst zu einem Penis aus, die Hoden bilden sich aus und eine Vermännlichung im Verhalten trete ein, obwohl die Kinder in der ganzen Zeit zuvor als Mädchen behandelt worden seien. Diese Vermännlichung sei auf Testosteron aus den Keimdrüsen zurückzuführen, denn das Dihydrotestosteron sei nur bei der Geburt für männliche Geschlechtsorgane verantwortlich.

Hier zeigt sich, dass die Erziehungsbemühungen der Umwelttheorie einen geringen Einfluss auf die Ausprägung von Verhaltensweisen haben. Die Biologie widerlegte die ideologische Milieutheorie. (Quelle 2, S. 392)

Wir vertreten eine ganzheitlich-weltanschauliche Grundlage für eine neue politische Ordnung. Für eine nachhaltige Politik ist die Erarbeitung einer Weltanschauung, die mit den wichtigsten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen im Einklang steht, notwendig. Entscheidend ist, den Menschen so anzunehmen, wie er anhand seiner Naturveranlagung ist und nicht so, wie man ihn gerne haben möchte. Das setzt jedoch das Wissen um die stammesgeschichtliche Entwicklung des Menschen und die menschlichen Universalien voraus. Für uns ist es unverzichtbar, auf der Grundlage eines wissenschaftlich begründeten Menschenbildes, die menschliche Natur in unseren politischen Entscheidungen berücksichtigen zu können. Um den Menschen jedoch als Ganzheit wahrzunehmen, bedarf es einer Synthese aus Geistes- und Naturwissenschaften, um das Große und Ganze sichtbar zu machen.

Die Synthese müssen wir auch in anderen Bereichen anstreben. Das bedeutet, dass Wissenschaft, Weltanschauung und Politik nicht mehr zu trennen sind. Naturwissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse aus den Bereichen Evolution, Genetik und Verhaltensforschung müssen in den Bereich der Politik integriert werden. Eine entscheidende wissenschaftliche Erkenntnis kann alle Bereiche des menschlichen Lebens beeinflussen, wenn diese in politischen Entscheidungen berücksichtigt wird.

Welche wissenschaftliche Erkenntnis uns zu welchen weltanschaulichen Schlussfolgerungen führt, das werden wir in den nachfolgenden Artikeln besprechen.



Quellen:

  1. Am Zügel der Evolution Band 9, Gerhard Medicus- Was uns Menschen verbindet: Humanethologische Angebote zur Verständigung zwischen Leib- und Seelenwissenschaften, korrigierte und erweiterte 4. Auflage, 2017 , VWB-Verlag für Wissenschaft und Bildung
  2. Irenäus Eibl-Eibesfeldt ,,Die Biologie des menschlichen Verhaltens“, 2004, 5. Auflage, Piper Verlag GmbH München




  • Hervorragend! Freue mich schon auf den nächsten teil

    Schreiner 15.12.2019
  • Großes Lob an den Verfasser. Unsere Weltanschauung wird gut dargestellt und das Geschriebene ist leicht nachvollziehbar.

    Dominik 13.12.2019
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