“Quo vadis“ Südamerika? – Teil 3: Bolivien

Ein Land, dem Himmel so nahe wie kaum ein anderes Land. Die Anden mit schneebedeckten Gipfeln, der Titicaca See, welcher auch Grenze zum Nachbarland Peru ist und ein Regierungssitz so hoch wie kein zweiter. La Paz, die Hauptstadt, die “der Friede“ heißt. In den letzten Monaten wird das südamerikanische Land von einem politischen Tsunami erschüttert. Begonnen haben die Verwerfungen mit den Wahlen und dem Vorwurf der Wahlfälschung durch den amtierenden Präsidenten Evo Morales. Er ist der Präsident mit der längsten kontinuierlichen Amtszeit aller Präsidenten Südamerikas. Nach 14 Jahren im Amt, exilierte er nun nach Mexiko und macht somit den Weg frei; für eine neue politische Zukunft Boliviens.

Morales war ein Präsident, dem die allermeisten Staaten der Welt den Rücken stärkten. Ein indigener, ein Nachkomme der vorkolumbianischen Andenvölker. Einer, der damit bereits international gesalbt und als Minderheitenvertreter eine Art „Artenschutz“ bekam. Doch Morales ist Kommunist. Und zwar einer, der stets die kommunistische Doktrin mit dem Besten für seine indianischen Schwester und Brüder in Einklang zu bringen wusste. Bis jetzt. Bis seine Maske fiel.

Die Staatsanwaltschaft Boliviens hat Haftbefehl gegen Morales beantragt. Er flüchtet sich ins mexikanische Exil. Die Organisation amerikanischer Länder (OAS) bestätigte die Vorwürfe der Wahlfälschung und Evo Morales zog am selben Tag die Konsequenzen. Die Straßen in La Paz glichen zeitweise einem Kriegsschauplatz. Die meisten Bolivianer wollen ein Ende mit Schrecken. Die Opposition nutzte die Gunst der Stunde und beteiligt sich aktiv an den Protesten. Internationale Beobachter und die Presse betrachten die Proteste wie so häufig durch die „Brille“ des neoliberalen und sozialistisch getrübten Weltbildes. Sie machen aus der bolivianischen Revolution einen Kampf rechts-konservativer Kräfte gegen den Sozialismus bolivianischer Prägung und gegen die indigene Bevölkerung Boliviens.

Ein Zwei-Drittel-Anteil der bolivianischen Bevölkerung ist indigenen Ursprungs. Evo Morales war einer von ihnen. Diese Sichtweise ist, wie so oft, wenn man die politischen Verhältnisse in Südamerika analysiert, einseitig und somit falsch. Bloß weil Evo Morales ein Mestize ist und der Minderheitenschutz eine der „heiligen Kühe“ des internationalen Sozialismus, bedeutet es gar nichts. Daß es im Fall Boliviens nicht anders ist, zeigt die jüngste Entwicklung im Land. Selbst die ehemaligen Anhänger von Morales, ohne die er sich nicht so viele Jahre im Amt halten konnte, erkannten jetzt, woran ihr Land erkrankt ist und zugrunde geht. An der typischen sozialistischen Korruption und dem kriminellen Handeln seiner Protagonisten.

Der Aufstand in Bolivien forderte nach neusten Zahlen mehrere Dutzend Tote und Hunderte Verletzte. Die internationale Presse berichtet hier auch wieder sehr einseitig, indem sie Meldungen über Tote auf Seiten der Anhänger von Ex- Präsident Morales in den Vordergrund rückt. Es gab Tote und Verletzte auf beiden Seiten.

Selbstverständlich wäre es den Medien und auch der globalen sozialistischen Wertegemeinschaft lieber, es handelte sich um den Sturz eines Präsidenten des rechtskonservativen Spektrums. Die Opposition in Bolivien erfüllt allerdings alle Erwartungen der Neoliberalen, um ein Feindbild aufrechtzuerhalten, welches es im Grunde genommen in Bolivien nicht gibt. Es sind keine Rechtsfaschisten, die Morales aus dem Amt gejagt haben. Es sind keine Feinde der Demokratie, die das System Morales gestürzt haben. Es sind Bolivianer aller gesellschaftlichen Schichten, die mit ihm brachen. Dennoch wird einer im Besonderen des Umsturzes beschuldigt. Einer, der in das Schema des ewigen rechten und linken Grabenkrieges passt. Somit ist für die westlichen Berichterstatter, die Lage in Bolivien, den Interessen der politischen Korrektheit und des zunehmend sozialistischen Weltbildes entsprochen worden und entsprechend wurde kommentiert.

Auch die Unterstützer der bolivianischen Opposition aus dem Ausland passen in das Bild. Da werden US-Präsident Trump und der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro als Strippenzieher genannt. Im Westen also nichts Neues. Die Nachfolge von Morales wird zeigen, ob und wie Bolivien zu befrieden ist. Ein gespaltenes Land, wie so viele Länder heutzutage. Es wurden 120 Tage bis zu Neuwahlen verhandelt. Diese Zeit des Umbruchs nutzen alle politischen Kräfte im Land, um sich zu positionieren.

Einer, der sicher am Sturz des Präsidenten Evo Morales einen großen Anteil hatte, ist der 40-jährige Rechtsanwalt Luis Fernando Camacho, ein wohlhabender Unternehmer und christlicher Fundamentalist, wird wohl nicht das Amt beanspruchen. Es wird aus seinem Umfeld ein Kandidat aufgestellt, um den Einfluss und das Geschick des Landes zu lenken. Als Evo Morales das Land verließ, begab sich Camacho in den Präsidentenpalast Palacio Quemado, der „verbrannte Palast“, so benannt nach einem Feuer im Jahre 1875, und tat etwas Bemerkenswertes. Mit der Bibel in der einen und die andere Hand auf der Nationalflagge Boliviens sagte Camacho: „Ich bringe Gott zurück in den verbrannten Palast. Pachamama (indigene Gottheit) wird hier nicht mehr zu Hause sein. Ich bringe Christus zurück. Bolivien gehört Christus.“

Wir werden den Weg der heilsbringenden Opposition Boliviens im Auge behalten. Wohl auch, weil eine Hinwendung zu christlichen Werten in der Politik andernorts gezielt verdrängt wird. Auch weil der katholische Glaube in Lateinamerika eine der stärksten politischen Kräfte ist. Ob Kirche und nationale Einheit mit gerechter gesellschaftlicher Ordnung im Geiste eines nationalen Sozialismus und nicht gegen das eigene Volk gelingt, wird Boliviens Zukunft zeigen.

Bernhard ScheidaBogota, den 20.12.2019

Zum Nachlesen: “Quo vadis“ Südamerika? Teil 1: Kolumbien“Quo vadis“ Südamerika? – Teil 2: Chile





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