HUTTENBRIEFE: Um der Macht willen? (Teil 1/3)

Wortwiedergabe aus Huttenbriefe Folge1/2-2020

Es ist nicht üblich, daß sich die Huttenbriefe zeitnah tagespolitischen Ereignissen widmen. Zum einen läßt dies die Herausgabe in zwei- bis dreimonatigen Abständen nicht zu, zum anderen gibt es eine ganze Reihe von Zeitschriften und Seiten im Weltnetz, die diesen Bereich zeitnah und gut abdecken. Den nachstehenden Beitrag bringen wir aus gegebenem Anlaß, weil in ihm das derzeitige weltpolitische Geschehen mit hintergründigen Zusammenhängen und einer weltanschaulichen Bewertung verbunden ist – entsprechend der bekannten drei W: Weltbild – Weltanschauung – Wertung.

Das Streben nach Macht ist ein aus der Geschichte der Menschen nicht wegzudenkender Beweggrund, eine folgenreiche Tatsache. Dieses Streben ist keinesfalls an sich verwerflich, sondern im Grunde natürlich. In welchem Falle das Streben nach Macht und die Ausübung von Macht im Sinne einer Wertung gut oder schlecht sein können, ist nicht nur eine Frage sittlicher (ethischer) Werte, sondern auch ein Gegenstand der Notwendigkeit und des Überlebens. Geschichtlich gesehen ist die Ausübung von Macht, beispielsweise innerhalb einer Gemeinschaft im Spannungsfeld zwischen Rechten und Pflichten des Einzelnen und der Gemeinschaft zu erkennen. Bereits in weit zurückliegender Zeit, im antiken Griechenland, entwickelte sich die ideologische Auseinandersetzung um die jeweils oder grundsätzlich geeignete Herrschaftsform. So gelangte man von Tyrannis und Demokratie bis hin zum heutigen Kommunismus, Kapitalismus, Liberalismus. Auch im Religiösen wurden und werden bis heute Machtansprüche gestellt und durchgesetzt – nicht unbedingt im Sinne einer auf Menschlichkeit und Friedlichkeit ausgelegten Lehre, wie viele Gräueltaten und Kriege bestätigen. Nicht zuletzt spielt Macht auch im Wirtschaftlichen eine maßgebende Rolle.

Ebenso der Wettbewerb, der durchaus im evolutionären Sinne und somit als grundlegend natürlich zu verstehen ist, hat sich zu allen Zeiten mehr oder weniger verselbständigt. In unserer Zeit finden wir dies im Kampf um Bodenschätze, günstige geopolitische Positionen, technische Vorteile oder allein um des Gewinns und die Vermehrung des Kapitals willen bestätigt. Letztlich, und das ist ein wesentlicher Inhalt des Folgenden, lassen sich die verschiedenen Lebensbereiche nicht ohne weiteres voneinander trennen. Vielmehr greift ein Rädchen ins andere, zumal es in der heute so klein gewordenen Welt, mehr als je zuvor, um die globale Vormachtstellung geht. Diese Zielsetzung tragen bereits die Weltreligionen in sich, ebenso der Kommunismus und der Liberalismus. Das System einer Zinswirtschaft, im besonderen durch den westlichen Geldkapitalismus verkörpert, trägt den globalen Machtanspruch schon als mathematische Formel des Zinseszins in sich: Das unendliche Wachstum. Genau daran wird er auch scheitern.

 

Der „Crash“ ist da

Unter anderem befassen sich drei Bücher eingehend mit diesem Scheitern. 2006 veröffentlichte der anerkannte Finanz- und Wirtschaftsfachmann Prof. Max Otte sein Erstlingswerk „Der Crash kommt“, in dem er die Banken- und Finanzkrise der Jahre 2008/9 voraussagte. Anfang 2019 kündigten die Fachautoren und Wertpapierfachleute Dr. Markus Krall, Florian Homm und Moritz Hessel unter dem Titel „Der Crash ist da“ den kommenden Zusammenbruch des herrschenden Finanzsystems an. Im Oktober 2019 folgte Ottes zweites Buch „Weltsystem Crash“ als Ankündigung des Zusammenbruchs des Welt-Finanzsystems. Diese beiden Bücher sind in jedem Fall lesenswert, ja „lesensnotwendig“, befassen sie sich schließlich auch mit gesellschaftlichen und kulturellen Fragen und mit der Krisenvorsorge.

Der „Crash“ ist da – zwölf Jahre nach der sogenannten „Bankenkrise“ von 2008. Damals konnte sich auch der Letzte noch Unwissende davon überzeugen, wie wichtig die Banken und das Finanzwesen sind. Weil die Finanzwirtschaft die finanziellen Grundlagen für die „Realwirtschaft“ stelle, sei erstere „systemrelevant“. Nebenbei erfuhr man zudem, daß es neben der „Realwirtschaft“ auch eine, dann offensichtlich irreale, „Finanzwirtschaft“ gibt. (Diese Unterscheidung ist seither nicht mehr Teil einer Verschwörungstheorie.) Um die „Finanzwirtschaft“ zu stützen, verabschiedete der Bundestag am 17.10.2008 in einem Eilverfahren das „Finanzmarktstabilisierungsgesetz“ (FMStG) mit einem Umfang von 400 Milliarden EUR. Die Politiker, die diesem Eilgesetz, das viele nicht einmal vollständig gelesen, geschweige denn verstanden hatten, in großzügiger Weise zustimmten, machten sich damit zum Handlanger eines vollständig undemokratischen, weil geldkapitalistisch gesteuerten Systems.

Ob das Jahr 2008 deshalb als endgültiger Abschied von der Demokratie im allgemeinen und der bundesrepublikanischen freiheitlich-demokratischen Grundordnung im besonderen angesehen werden muß, sei dahingestellt; eine Wegmarke (oder Duftmarke) ist dieses Ereignis allemal. Der Vollständigkeit halber sind des weiteren zu erwähnen das „Finanzmarktstabilisierungsfortentwicklungsgesetz“ (FMStFG) über die Auslagerung fauler Kredite in sogenannte „Bad Banks“ vom 17.7.2009 sowie im Zusammenhang mit der nachfolgenden Eurokrise ab Oktober 2009 die „Europäische Finanzstabilisierungsfazilität“ (EFSF) mit Garantien bis 750 Milliarden Euro und einer Verleihkapazität bis 440 Milliarden Euro vom 9./10. Mai 2010 außerdem der sogenannte Euro-Rettungsschirm (ESM) mit einem Umfang von 700 Milliarden Euro vom 27.9.2012. Insgesamt gesehen sind dies alles Schritte einer groß angelegten Umschichtung von Kapital, vom kleinen Steuerzahler hinein in den großen Finanzmarkt. Nicht zuletzt stehen sie für den Abbau nationaler Souveränität und die Preisgabe rechtsstaatlicher Grundsätze.

Im Augenblick „crasht“ es wieder. Die Frage, wessen „Systemrelevanz“ sich nun 2020 offenbaren wird, inwieweit Rechtsgrundsätze nun in Gefahr sind, sei vorab bereits einmal in den Raum gestellt. Eine gleichermaßen wichtige Frage ist jedoch: Befinden wir uns ebenfalls, wie 2008/9 in einer Krise, mit der sich das geldkapitalistische System wieder einmal für zehn oder mehr Jahre Luft verschafft und somit ,lediglich‘ wieder umverteilt wird? Oder ist dies der sogenannte „Systemcrash“, wie man den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ideologischen Zusammenbruch der westlichen Wertegesellschaft nennen könnte? In „Weltsystem Crash“, schreibt Max Otte auf Seite 438 folgendes:

„Der Systemcrash wurde in dieser Zeit [seit 2008] durch verschiedene politische Maßnahmen und Eingriffe verschleppt, eine Gesundung fand nicht statt. Das System steht wesentlich näher am Abgrund. Die Zeit [für Krisenvorsorge] wird knapp. Aber besser spät als nie. Wir sehen überall Zeichen für die große Krise. Ausgebrochen ist sie bislang noch nicht. Wenn die Zeit reif ist, kann schon ein kleiner Anlaß die Eruption auslösen. Vielleicht eskaliert der Handelskrieg zwischen den USA und China. Oder die Börsenkurse brechen ein. Oder die Wirtschaft versinkt in einer Rezession. Im Sommer 2019 mehrten sich die Anzeichen, daß der lange künstliche Aufschwung auf Pump seinem Ende entgegengeht. Die Industrieproduktion in Deutschland sank im ersten Halbjahr 2019 so stark wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Die Zahl der Privatinsolvenzen in den USA stieg drastisch an. Einem Viertel der Amerikaner geht es objektiv schlechter als vor der Finanzkrise. […] Zudem kletterte 2019 der Goldpreis binnen weniger Monate um knapp 20 Prozent, nachdem er sechs Jahre stagniert hatte.

Die Investoren sind offensichtlich der Meinung, daß die Zentralbanken die Sache nicht mehr unter Kontrolle haben. Denn Gold ist nicht so sehr eine Versicherung gegen die Inflation, wie vielmehr eine Versicherung gegen die ganz große Krise. Das Nachrichtenmagazin Focus schreibt angesichts der schlechten Konjunkturzahlen vom Sommer 2019: ‚Weil sonst alles zusammenbricht – es droht die staatlich organisierte Geldentwertung.‘ Denken Sie voraus und handeln Sie jetzt. Auch 2008 war die Finanzkrise aus scheinbar heiterem Himmel hereingebrochen. […] Jetzt allerdings hat sich die Lage verschärft. Unruhen sind denkbar, die ersten sind bereits in Frankreich ausgebrochen (‚Gelbwesten‘). Vor einigen Jahren bereits brannten in den Vorstädten von Paris und London Autos. Und in Deutschland verschärft sich die Lage in den Brennpunkten. Die Gewalt nimmt zu.“

 

Der Westen ist ideologisch am Ende

Das geldkapitalistische System des Westens ist vor allen Dingen machtpolitisch, d. h. ideologisch und gesellschaftlich, stark angeschlagen. Die gegen den freien Welthandel (Globalismus) antretenden Kräfte sogenannter Populisten und nationaler, patriotischer Bewegungen weltweit fügten dem nach Weltherrschaft strebenden System bereits einige heftige Niederlagen zu. Auch das Erstarken Chinas und die Standhaftigkeit Rußlands schwächen die Position des westlichen Machtblocks erheblich. Immer mehr Menschen erfahren und erkennen das den Menschen verachtende und gemeinschaftszerstörende Wesen der Ideologie des Liberalismus-Kapitalismus. Die im Namen dieser Ideologie handelnden Entscheidungsträger und politischen Parteien sowie auch die sich in vorauseilendem Gehorsam gleichschaltenden westlichen Medien müssen einen dramatischen Verlust ihrer Glaubwürdigkeit hinnehmen. Der betrogene Mensch vertraut in zunehmendem Umfang seinen Instinkten, folgt seinem Sehnen nach Geborgenheit, Gerechtigkeit und den ihm vertrauten Werten. Viele Menschen weltweit fühlen sich von diesem System nicht mehr verstanden, nicht mehr vertreten, sondern nur rücksichtslos ausgenutzt oder gar ausgebeutet. Die ideologisch-gesellschaftliche Krise des Liberalismus-Kapitalismus wiegt mindestens genauso schwer wie die wirtschaftliche. Deshalb wird der Machterhalt mit allen möglichen Mitteln betrieben. Dazu können auch Wirtschaftskrisen, Unruhen und Kriege herhalten oder Ausnahmezustände, mit denen Menschen unter Druck gesetzt, bestehendes Recht gebrochen und Systemfeinde ausgeschaltet werden.

 

Wegmarken der Weltwirtschaft

Um einen größeren Zusammenhang und globale Handlungsstränge besser nachvollziehen zu können, ist es zweckmäßig, einige teils gegensätzliche Wegmarken der vergangenen Jahre schlaglichtartig zu beleuchten. Seit 2013 gewinnt das Seidenstraßenprojekt von Jahr zu Jahr an Bedeutung. 2017 treten Indien und Pakistan der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) bei, in der seit 1998 China und Rußland die wirtschaftsstärksten Mitglieder sind. Das 2013 von langer Hand angelegte transatlantische Freihandelsabkommen TTIP scheitert 2016 mit dem Regierungsantritt Donald Trumps. Die USA betreiben seitdem die altbekannte Politik des „Isolationismus“, wodurch sie den Strategen der Globalisierung in den Rücken fallen. Das nordatlantische Freihandelsabkommen NAFTA (USA, Kanada, Mexiko) wird 2018 neu verhandelt und abgeschlossen. Die USA, Europa und China treten mit Beginn des Jahres 2018 in eine heftige Auseinandersetzung um Einfuhrzölle ein. Die Europäische Union rutscht 2015 infolge der unkontrollierten, massenweisen Zuwanderung noch tiefer in ihre bereits schwelende Selbstfindungskrise. Großbritannien versucht, sich den vorhandenen und noch mehr den künftig zu erwartenden Schwierigkeiten durch den sogenannten Brexit zu entziehen. Rußland und Deutschland werden die Erdgasleitung „Nord Stream 2“ noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen, nachdem nun die letzten Rechtsstreitigkeiten beendet sind. Insgesamt gesehen ist seit der letzten weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ein starkes Gegengewicht zu dem vom Westen beherrschten Globalisierungsprozeß entstanden.

lles in allem profitierten weite Teile der Finanzwirtschaft in den zurückliegenden zehn Jahren vom Einbruch 2008/9. Nicht wenige Fonds verbuchten jährliche Kursanstiege von über 10%! Auch die Realwirtschaft erholte sich rasch und konnte sich, zumindest in Deutschland, über prall gefüllte Auftragsbücher freuen. In der Automobilindustrie konnten bis 2019 weder der Abgasskandal noch die Dieselproblematik Jahr für Jahr neue Rekordumsätze verhindern. Nichtsdestoweniger brach 2018 der Aktienmarkt ein. Die binnen eines Jahres zu verzeichnenden Verluste von rund 20 % wurden allerdings bis Ende 2019 wieder ausgeglichen. Die damit verbundene Umverteilung und die erzielten Gewinne können jedoch über die Probleme im weltweiten Finanzsystem nicht hinwegtäuschen. Max Otte zählt u. a. auf (S. 170):

 

„- massive und weiter steigende Schulden,
– hohe Fremdwährungsschulden vieler Entwicklungsländer,
– Fehlallokationen aufgrund viel zu niedriger Zinsen [Allokation: Zuweisung, Zuordnung],
– eine neue Immobilienblase in vielen Regionen,
– eine Explosion in Zahl und Volumen von passiven – und damit ,dummen‘ – Finanzprodukten.“
„Zombifizierung der (europäischen) Wirtschaft (Markus Krall)“

 

Ottes Überzeugung nach ist das Weltsystem reif für den „Crash“. Der vorne markierte Satz sei nochmals aufgegriffen: „Wenn die Zeit reif ist, kann schon ein kleiner Anlaß die Eruption auslösen.“ Solch ein Anlaß könnte auch der sogenannte Coronavirus SARS CoV-2 sein, unabhängig davon, ob im Reagenzglas künstlich erzeugt oder als Krankheitserreger natürlich entstanden. Hinsichtlich der hohen Ansteckungsrate und des Krankheitsverlaufs erscheint es zunächst unerheblich, ob der Begriff „Virus“ naturwissenschaftlich-medizinisch richtig ist oder nicht. Vor allem mit Blick auf die bereits ergriffenen und noch zu erwartenden staatlichen Zwangsmaßnahmen ist diese Frage im Augenblick belanglos. Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wird allein von der politischerseits getroffenen Beurteilung der Lage sowie von der Dynamik und der Wucht der Ereignisse bestimmt; dies auch umso schwerwiegender, weil mehr und mehr Individual- und Gemeinschaftsrechte eingeschränkt werden.

 

Fortsetzung folgt…





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