Hass und Hetze gegen den „Wüstenfuchs“ – das Rommel-Ehrenmal wird geschichtspolitisch kastriert (Teil 2/2)

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Reichswehr und „Gespenster-Division“

Nach der deutschen Niederlage von 1918 in die neu gegründete Reichswehr übernommen, wurde er im Juni 1919 Kompaniechef im Schützen-Regiment „Alt-Württemberg“. Rommels Kompanie war 1919 und 1920 an Kämpfen gegen kommunistische Aufständische in Lindau, im Münsterland und in Westfalen beteiligt.

Wie viele andere Mitglieder der Reichswehr nahm auch Rommel die Machtergreifung der Nationalsozialisten positiv auf, die die Jahre der politischen Unruhen und die Knebelung Deutschlands durch das Versailler Diktat beendete. Im Jahr 1934 erschien Rommels Buch für die Ausbildung „Gefechts-Aufgaben für Zug und Kompanie: Ein Handb. f. d. Offizierunterricht“. Bis 1945 erschienen fünf Auflagen.

Am 1. Januar 1935 zum Oberstleutnant befördert, wurde er Lehrgangsleiter an der neuen Kriegsschule in Potsdam. Während dieser Zeit verfasste er sein Buch „Infanterie greift an“, das bis 1945 in einer Auflage von 400.000 Exemplaren erschien. Von Hitler nach Abschluss des Krieges gegen Polen zum Generalmajor befördert, wurde er im Februar 1940 auf eigenen Wunsch zum Kommandeur der 7. Panzer-Division ernannt.
Die Unvorhersehbarkeit und Geschwindigkeit seiner Operationen während des Frankreichfeldzugs brachten seiner Division den Beinamen „Gespensterdivision“ ein. Rommels Verband stieß über die Maas vor, durchbrach die Maginotlinie und rückte an den La-Bassée-Kanal vor. Am 27. Mai 1940 wurde ihm dafür das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

 

Deutsches Afrika-Korps

Das Versagen der verbündeten Italiener machte deutsche Waffenhilfe auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz notwendig. Im Februar 1941 wurde Rommel zum Befehlshaber der deutschen Truppen in Nordafrika ernannt. Nach Ankunft der ersten seiner beiden Divisionen begann er sofort mit dem raschen Vormarsch an der Mittelmeerküste entlang nach Osten. Am 20. März 1941 erhielt Rommel für seinen Einsatz in Frankreich und Libyen aus der Hand Hitlers als zweiter Soldat des Heeres das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Im Juli 1941 zum General der Panzertruppe befördert, folgte im September die Ernennung zum Befehlshaber der Panzergruppe Afrika, welche die gesamten – größtenteils italienischen – Achsenstreitkräfte in Libyen umfasste.

Am 20. Januar 1942 wurde Rommel als erster Soldat des Heeres mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet. Während der Gazala-Offensive gelang es ihm Mitte Juni 1942, die gesamten britischen Panzerkräfte vor Tobruk zu besiegen und die hart umkämpfte Stadt zu erobern. Dafür wurde er im Alter von 50 Jahren zum jüngsten Generalfeldmarschall der Wehrmacht befördert. Im Juli 1942 in der ersten Schlacht von El Alamein bis kurz vor Alexandria vorgedrungen, zwang die Gegenoffensive der Alliierten Rommel nach der zweiten Schlacht von El Alamein zum Rückzug. Rommel, der nicht mehr an einen Sieg in Nordafrika glaubte, widersetzte sich dem Haltebefehl Hitlers und zog seine Armee nach Westen zurück. Am 8. November 1942 landeten schließlich britische und amerikanische Streitkräfte in Französisch-Nordafrika und begannen den Zweifrontenkrieg gegen das Afrika-Korps. Mitte Mai 1943 mussten die deutschen Truppen unter Rommels Nachfolger Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim bei Tunis kapitulieren. Für seinen Einsatz in Afrika erhielt Rommel als erster Soldat des Heeres im März 1943 die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern.

Der Einsatz in Afrika brachte Rommel Respekt im In- und Ausland, sowie seinen berühmten Spitznamen „Wüstenfuchs“ ein.

 

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 101I-443-1582-32 / Bauer / CC-BY-SA 3.0

 

 

Mit der Heeresgruppe B in Italien und der Normandie

Am 15. Juli 1943 übernahm Rommel den Oberbefehl über die Heeresgruppe B in Italien. Nach der Absetzung Mussolinis begann unter seinem Kommando die Besetzung Italiens und die Entwaffnung der zur den Alliierten übergelaufenen italienischen Streitkräfte. Am 23. September 1943 gab Rommel die Weisung heraus:

„Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber badogliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht. Wer von diesen gegen den deutschen Soldaten kämpft, hat jedes Anrecht auf Schonung verloren und ist mit der Härte zu behandeln, die dem Gesindel gebührt, das plötzlich seine Waffen gegen seinen Freund wendet. Diese Auffassung muss beschleunigt Allgemeingut aller deutschen Truppen werden.“

Im November 1943 wurde die Heeresgruppe B nach Frankreich verlegt. Rommel wurde mit der Überwachung der Verteidigungsmaßnahmen am Atlantikwall beauftragt. Mit Durchsetzungswillen und Organisationsgeschick baute er die Befestigungen an der Küste aus. Seine taktische Kreativität zeigte sich dabei unter anderem am Einsatz einfacher Hindernisse aus Baumstämmen („Rommelspargel“) gegen Landungsboote und Lastensegler.

Ab dem 4. Juni 1944 hielt Rommel sich zu einem Kurzurlaub in Süddeutschland auf. Als die alliierte Invasion stattfand, kehrte er am 6. Juni an die Front zurück. Sowohl in persönlichen Besprechungen mit Hitler im Juni 1944 als auch in seinem Schreiben „Betrachtungen zur Lage“ vom 15. Juli machte Rommel deutlich, dass er einen Sieg der deutschen Truppen für unwahrscheinlich hielt: „Die Truppe kämpft allerorts heldenmütig, jedoch der ungleiche Kampf neigt dem Ende entgegen. Es ist m.E. nötig, die Folgerungen aus dieser Lage zu ziehen“.

Am 17. Juli wurde Rommel nahe Sainte-Foy-de-Montgommery bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet. Nachdem er den Oberbefehl über die Heeresgruppe niedergelegt hatte, hielt er sich zur Erholung in seinem Haus in Herrlingen auf.

 

Weder Widerständler, noch Verräter

Rommels Name wurde und wird immer wieder mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht. Klar ist, dass Rommel nicht aktiv an den Planungen und der Ausführung des Attentats beteiligt war. Keine Einigkeit herrscht jedoch hinsichtlich der Frage, ob er vom geplanten Attentat wusste oder ahnte, dass die Ermordung Hitlers geplant war.

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags schrieb 2019, „dass Rommel möglicherweise über das Attentat informiert worden war und diese Erkenntnis nicht verraten hat. Diese These bildet aber schon die am weitesten reichende mögliche Beteiligung Rommels am Widerstand ab, weitergehende Aktivitäten konnten bislang nicht nachgewiesen werden“.

Seine Kontakte mit Angehörigen des militärischen Widerstandes führten jedoch dazu, dass am 14. Oktober 1944 Hitlers Chefadjutant, General Wilhelm Burgdorf, sowie General Ernst Maisel, Chef für Ehrenangelegenheiten im Heerespersonalamt, Rommel in Herrlingen aufsuchten. Sie legten Rommel vermeintlich belastendes Material vor und stellten ihn vor die Alternative, sich selbst zu töten oder sich vor dem Volksgerichtshof zu verantworten.

Zwar war Rommel überzeugt, dass es sich dabei um eine Intrige handeln müsse, dennoch widersetzte er sich nicht. Im Auto fuhr er mit den beiden Generälen bis hinter die Ortsgrenze von Herrlingen, wo er sich mit Hilfe der von den Generälen mitgebrachten Zyankaliampulle das Leben nahm. Die Trauerfeier für Rommel fand am 18. Oktober im Rahmen eines Staatsaktes im Rathaus in Ulm statt. Anschließend wurde sein Leichnam eingeäschert, die Urne später auf dem Friedhof der St. Andreaskirche in Herrlingen, Gemeinde Blaustein, beigesetzt.

 

Erwin Rommel Gedenkstein am Ort der Selbsttötung in Herrlingen (2019) / Olga Ernst, Wikipedia

 

Die Bundeswehr ehrte ihn 1961 mit der Benennung der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf und 1965 mit der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm, die trotz zahlreicher Versuche einer Umbenennung bislang ihren Ehrennamen weitertragen.

Der „Wüstenfuchs“ ist längst zur Legende geworden. An seinen Namen wird man sich noch erinnern, wenn die Hofschranzen dieser Republik längst vergessen sein werden.

 

Zum Nachlesen: Teil 1

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