GameStop Aktien: Revolution auf dem Finanzmarkt?

An der Wall Street haben Kleinanleger einen Krieg gegen gierige Finanzhaie geführt und offenbar gewonnen. Hedgefonds hatten mit sogenannten Leerverkäufen auf den Niedergang des Computerspielhändlers „GameStop“ gewettet. Bei Leerverkäufen werden Aktien geliehen, verkauft, und später, wenn die Erwartung aufgeht, zu einem niedrigeren Preis zurückgekauft. Da die Aktien von „GameStop“ gezielt von den Kleinanlegern gekauft wurden, explodierte der Preis, den die Hedgefonds zahlen müssen, um die geliehenen Aktien zurückgeben zu können. Der Hedgefonds Melvin Capitals ist bereits ruiniert. Längst haben die Kleinanleger neue Ziele im Visier. Der Beginn einer Revolution?

 

Verzockt

Die Börsen-Welt erscheint für Außenstehende als Welt für sich. Hier gelten große Aktienkonzerne und Hedgefonds als Institutionen. Trotz ihres schlechten Rufes als gierige Kapitalisten gilt die Wall Street doch nahezu als Symbol des Kapitalismus, hat sich bislang noch kaum jemand an die Finanzhaie herangewagt. Goldman Sachs und Konsorten konnten bislang nach Belieben schalten und walten. Proteste gegen die Profitgier einiger weniger Finanzeliten wie die Graswurzel-Bewegung „Occupy Wall Street“ wurden an der amerikanischen Ostküste, falls überhaupt wahrgenommen, eher belächelt.

Nun ist die Finanzwelt jedoch in Aufruhr. Hintergrund sind gewaltige Verluste mit sogenannten Leerverkäufen für Hedgefonds. Aber der Reihe nach. Im September 2019 sah die Entwicklung beim Computerspielhändler GameStop miserabel aus. Aktien wurden zu Preisen zwischen 30 und 76 Cent gehandelt. Dennoch hatte ein Nutzer des Forums „Reddit“ eine Investition in Höhe von 53 000 Dollar in Aktien der Firma getätigt und dies ausführlich begründet. Die Firma hatte zu diesem Zeitpunkt gute Ergebnisse beim Onlineverkauf erzielt, hatte durch Ladenschließungen für eine Kostenreduktion gesorgt und in den verbliebenen Geschäften gute Umsatzzahlen. Also in der Realität gute Arbeit abgeliefert. Dennoch fiel dem Kleininvestor und weiteren Nutzern des Reddit-Forums auf, dass die Aktie von GameStop jene mit den meisten Leerverkäufen auf dem ganzen Markt war.

 

 

Bei Leerverkäufen werden Aktien geliehen. Anschließend werden sie verkauft. Fällt der Preis der Aktie, kann der Leihende die Aktie zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und gibt sie dann dem Verleihenden wieder. Ein riskantes, aber an der Börse übliches Spiel. Denn wenn der Preis steigt, muss der Leihende die Aktie dennoch zurückkaufen, da sie ja nur für einen befristeten Zeitraum geliehen war und ihm nicht gehört. So macht der Leihende Verluste. Genau diese Situation, sich abzeichnende Verluste für die Leihenden, haben die Reddit-Nutzer erkannt.

Nun empfahlen sie ihren Nutzern: Kauft GameStop-Aktien und haltet sie! Dadurch stieg der Preis der GameStop-Aktien in astronomische Höhen, für die Leerverkäufer, insbesondere die Hedgefonds Melvin Capitals und Citron Research, war es schlichtweg nicht möglich, die geliehenen Aktien zurückzukaufen. Melvin Capital scheint in der Folge ruiniert zu sein: Ende Januar brauchte der Konzern eine Kapitalspritze in Höhe von 2,75 Milliarden Dollar. Die Kleinanleger machten unterdessen gewaltige Gewinne.

 

Was sind die Folgen?

Manche Experten vergleichen die Aktion der Kleinanleger aus dem Reddit-Forum mit der Anhängerschaft von Donald Trump. Beide richteten sich gewissermaßen gegen das Establishment. Doch einen direkten Zusammenhang gibt es nicht. Vorwürfe, bei den Anlegern handele es sich um „Trumpisten“ oder gar „Antisemiten“, dürften eher eine verzweifelte Trotzreaktion ruinierter Finanzhaie sein. Fakt ist: Juristisch gesehen haben die Kleinanleger nichts falsch gemacht. Dennoch heißt es aus dem Weißen Haus, die neue jüdische Finanzministerin Janet Yellen beobachte die Entwicklung. Die Finanzaufsicht sei alarmiert. Die Plattform „Robinhood“, bei der Kleinanleger Aktien kaufen können, hat Gamestop-Aktien aus dem Verkehr gezogen und ist somit der „Revolution“ in den Rücken gefallen.

Doch im Reddit-Forum ist man längst einen Schritt weiter: Neue Ziele sind ins Auge gefasst. Darunter zählen Aktien von Nokia, AMC und Blackberry. Sie erfahren dabei von prominenter Seite Unterstützung. Politiker wie die linke Demokratin Alexandra Occasio-Cortez, der Sohn von Donald Trump, aber auch Tesla-Gründer Elon Musk zählen dazu. Die Hedgefonds haben derzeit offenbar noch keine Antwort auf die „Revolution“, ziehen sich teilweise aus dem Markt zurück. Doch auch wenn nun zahlreiche Kleinanleger profitieren, ist die „Revolution“ dennoch mit Vorsicht zu genießen. Erstens muss man sich von einer romantischen Robin-Hood-Vorstellung trennen, denn auch die Kleinanleger dürften eher nicht zur Unterschicht zählen, braucht es doch zur Investition in Aktien dennoch Tausende Dollar überschüssiges Kapital. Zweitens gibt es noch einen weiteren Profiteur, der bislang kaum beachtet wurde: Die Verleiher der Aktien. Sie erhalten ihre Aktien mit enorm gestiegenem Wert zurück und profitieren somit indirekt. Und bei diesen handelt es sich um die ganz großen Spieler wie Blackrock, die Millionen von GameStop Aktien halten.





1 Kommentar

  • Also wenn jemand die Kleinanleger als Antisemiten bezeichnet, weiß er also wem die ganzen Hadgefonds gehören, bzw. wer das große Geld üblicherweise an der Börse macht, sehr interessant.

    Tino Herrmann 05.02.2021
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