Gastbeitrag: Mordplanungen und Massenmorde im 20. Jahrhundert (Teil 3/3)

Der Gastbeitrag stammt von Dr. Gunther Kümel

Deindustrialisierung und Raub alles Wertvollen, Patentenraub

Die nach dem Bombenkrieg (800.000 bis 1 Million zivile Opfer) verbliebenen Fabriken wurden ihrer Maschinen beraubt („Demontage“ bis 1951(25)), vielfach gesprengt. Dabei wurden planmäßig auch viele Fabriken für Güter des zivilen Bedarfs zerstört, Werke zur Uhren-, Hausrat- und Spielzeugproduktion. Speziell die Düngemittelfabriken waren Ziel der Vernichtung, was zum Hunger beitragen sollte. Im Einklang mit dem Morgenthauplan und den Beschlüssen von Potsdam war das Ziel der völkerrechtswidrigen Demontage die drastische Reduzierung der Industriekapazität Deutschlands und Österreichs, die Ausschaltung der deutschen Konkurrenz ebenso wie die planmäßige, alle Grenzen übersteigende Bereicherung der Feindmächte. Schiffsladungsweise wurden Geschäftsgeheimnisse, Verfahrensvorschriften, Prototypen neuer Maschinen abtransportiert, darunter 750.000 – 850.000 deutsche Patente(46, S. 328) und alle Warenzeichen, Kunst aus Museen, Kirchen und Sammlungen, das Gold der Reichsbank, Dokumente und Archive.

Der Raub der Patente sicherte den bis dahin in Forschung und Hochtechnologie rückständigen USA einen Vorsprung vor anderen Nationen von vielen Jahrzehnten in ungezählten Bereichen der Grundlagenforschung und Spitzentechnologie(46,S. 330). Der materielle Wert eines einzigen Patentes übersteigt in vielen Fällen eine Milliarde Euro.

Eine akribische Vorarbeit und Planung der einrückenden Alliierten sicherte den Erfolg des gigantischsten Raubzugs aller Zeiten. Die USA quetschten 24.000 Wissenschaftler und Techniker nach verwertbaren technischen Informationen aus und verbrachten Tausende nach Amerika. Wer Informationen nicht preisgeben wollte, stand unter Todesdrohung(46). Auch Frankreich und England verhörte unter Zwang deutsche Wissenschaftler, deportierte etwa 600 und transportierte an Erfindungen und Entwicklungen alles ab, was für sie greifbar war(47).

Die UdSSR entsandte eine Sondertruppe von 70.000 Wissenschaftlern in sowjetischen Offiziersuniformen. Stalins Befehl: Rüstungswerke, wissenschaftliche Forschungsstätten, alle Fabriken sind in Besitz zu nehmen, sämtliche Geräte, Instrumente, Maschinen abzubauen; Wissenschaftler und Personal der Institute sowie alle Menschen, die die Geräte und Maschinen bedienen können, sind in die Sowjetunion zu verbringen. Die Sowjets deportierten 20.000 bis 50.000 Wissenschaftler, Ingenieure und Werkmeister.

 

Gedankenkontrolle: Zerstörung der Kultur und Identität

Welche Ziele hatte die „Umerziehung“?

Dieses Vorhaben gehört keineswegs zu den Rechten, die das Völkerrecht einer Besatzungsmacht einräumt. Die militärischen Sieger sahen sich bis zum Exzeß ausdrücklich weiterhin als „Feindmächte“. Ihr Ziel war nicht, die Deutschen dazu zu bewegen, innezuhalten und sich nun eine staatliche Ordnung nach den Grundsätzen des Kantschen Imperativs zu geben. Ziel war die Hinnahme völliger Rechtlosigkeit und die Willigkeit zu Selbstaufgabe und zur vollständigen seelisch-geistigen Unterwerfung. Bereits das militärisch sinnlose Verbrechen der Vernichtung der historischen Altstädte und Kulturdenkmäler hatte den Zweck, das deutsche Antlitz zu entstellen. Konsequent bezeichnete Wolf Biermann die Bomben als „Himmelsgeschenke“ und die Antideutschen weiden sich an „Bomber-Harris, do it again!“. Walter Lippmann, Chef der US-Propagandabehörde: „… Absicherung des Sieges …, Umerziehungsprogramm …, erst wenn die Kriegspropaganda der Sieger Eingang in die Geschichtsbücher der Besiegten gefunden hat und von der nachfolgenden Generation geglaubt wird, …(44).

Der Perpetuierung der Kriegspropaganda diente ein Schreiben (Februar 1944) des britischen „Informations“ministeriums an Presse und hohen Klerus über die kalkulierte Unmenschlichkeit der einrückenden Truppen Stalins:

„Die Ablenkung der öffentlichen Meinung“ von den „unvermeidlichen Greueln“ müsse gelingen durch „gegen den Feind gerichtete Greuelpropaganda“. Denn „leider sei die Öffentlichkeit nicht mehr so vertrauensselig wie „in den Tagen der Leichenfabriken (sic!) und verstümmelten belgischen Babys“. Es sei also dringend nötig, daß die Adressaten „volle Unterstützung leisteten bei den verschiedenen Anklagen gegen Deutsche und Japaner, die das Ministerium in Umlauf bringe“: „Ihr Ausdruck des Glaubens in diese kann andere überzeugen“(45).

Um das deutsche Volk in die „Neue Ordnung“ der „Einen Welt“ (Roosevelts Wunschtraum) einzuverleiben, sei zuallererst zu etablieren, daß der Einzelne sich in trans-ethnische „Systeme“ einzuordnen habe und daß die Begriffe „Volk“, Nation“, „Rasse“ bloße Wahngebilde seien. Daran war den Vertretern des Liberalkapitalismus (Helmut Schmidt: „Raubtierkapitalismus“) der Gedanke der solidarischen Volksgemeinschaft ganz besonders zuwider.

 

Die konkreten Maßnahmen der „Umerziehung“

Die Alliierten vernichteten 1945 bis 1952 in der größten Zensuranstrengung der Geschichte 35.743 Werke der Literatur: Schul- und Kinderbücher, Poesie, Philosophie, Zeitschriftenbände, Märchen, Romane, geschichtliche Werke aller Epochen, Bildbände, Technik- und andere Fachliteratur. Jeder einzelne dieser Titel betrifft Tausende Exemplare aller Auflagen in Bibliotheken, Büchereien, Verlagen, Buchhandlungen und auch in privaten Beständen. Der Gesamtverlust kann nur in Dutzenden von Millionen Büchern abgeschätzt werden. In der Zeit des Dritten Reiches wurden etwa 5000 Titel verboten, allerdings in den Bibliotheken aufbewahrt. Vielfach wurden von den Alliierten Titel „ausgesondert“, die auch vor 1945 verboten gewesen waren, etwa die Werke von Moeller van den Bruck. Die geistlosen „Bücherverbrennungen“ waren Demonstrationsakte, denen einige Dutzend oder Hundert einzelne Bücher zum Opfer fielen.

Nach JCS1067(49) wurden alle Schulen geschlossen, die meisten Lehrer und 70% der Hochschullehrer ohne Pension entlassen, viele verhaftet und in eins der zahlreichen Lager eingeliefert, „automatic arrest“. Diese Lager waren vielfach Folterstätten(49). Die Folge bei der Wiedereröffnung der Schulen waren oft Klassen mit 80 – 100 Schülern, unterrichtet nach dem Dafürhalten eines unausgebildeten „Hilfslehrers“.
Nun folgte die „Charakterwäsche“(50).

Es wurde vorausgesetzt, daß jeder Deutsche schon von alters her zu militärischer Aggression und einem autoritären „Nazismus“ neige. Ziel der Informationskontrolle war ausdrücklich nicht eine „Entnazifizierung“, alle Deutschen sollte es treffen. Der „Deutsche Sonderweg“ seit Luther manifestiere sich in der „Unfähigkeit der Deutschen, sich selbst zu regieren“(53).

Damit widerlegten die Alliierten ihre seit 1939 vertretene These, der Nationalsozialismus sei keine Volksbewegung gewesen, sondern fuße auf der Unterdrückung durch eine winzige tyrannische Clique. Lord Vansittart faßte das Unternehmen in die Worte, die Deutschen müssten insgesamt „einer seelischen Heilbehandlung unterzogen“ werden. Der Nationalsozialismus sei eine „Erscheinung der Dauerkrankheit der deutschen Seele“ Wieder einmal sollte ein „Neuer Mensch“ geschaffen werden.

Die Sowjets errichteten ein kollektives Zwangssystem zur Meinungskontrolle;

im Westen wurden alle Medien und öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten (bis hin zu Karneval, Zirkus, Konzerten) verboten; dann wurde die Meinungsmacht einzelnen Deutschen durch „Lizenz“ übertragen, nach gründlichster Prüfung und psychologischen Tiefentests. Rückkehrer aus der Emigration wurden bevorzugt. Dieses lukrative Privileg konnte beim geringsten Verstoß auch wieder entzogen werden. Die strikte Überwachung und Zensur durch alliierte Behörden waren auch bei den Hörigsten gefürchtet.

Diese Übertragung der Kontrolle an hilfswillige Deutsche erfolgte aus psychologischen Gründen und diente allein der Effektivität, nicht etwa der Demokratisierung. Denn die Strukturen der Militärdiktatur wurden ja nicht etwa beseitigt. Erst 1949 wurde (im Westen) die totale Rechtlosigkeit durch Kodifizierung als „Besatzungsstatut“ kodifiziert, nicht aufgehoben. Politische Parteien wurden als Vollzugsorgane des Kontrollrates zugelassen.
Jeder Erwachsene mußte seine gesamte Biographie in einem langen Fragebogen offenbaren. Spruchkammern nach Art von Revolutionstribunalen sortierten dann nach dem Grad der „Belastung“ und verhängten Sanktionen von Vermögenseinziehung bis Berufsverbot und Kerker. Die Mitglieder dieser Kammern waren vielfach Kriminelle und kommunistische Kader.

In den Zonen der Westmächte lag das Hauptgewicht der „Umerziehung“ beim Bildungssystem. Besonders Kinder und Studenten sollten dem Einfluß der Familie entzogen und zu den Auffassungen der Alliierten gebracht werden. Unter höchster Geheimhaltung beraten mehr als 200 Gelehrte von Eliteuniversitäten 1943-46 in der britischen Geheimdiensthochburg Bletchley Park im Auftrag der Westalliierten, wie man mit PsyOP die Dekonstruktion des dt. Geistes auf Dauer erreichen könne. Die Theorien dazu lieferte die „Frankfurter Schule“. Die CIA finanzierte über verdeckte Stiftungen Jazzclubs, die Kunstrichtung des „Abstrakten Expressionismus“ und „Kunst am Bau“(54,55).

US-Professor William Toel: „Mit einer perfiden Psycho-Strategie, ausgearbeitet von einer großzügig finanzierten Denkfabrik, wurde die deutsche Seele und das Deutschsein im Verlauf von 75 Jahren beinahe ausgemerzt“.(57)

Es war eine bleierne, bleierne Zeit. Und manchmal muß man sich fragen, wann sie eigentlich zu Ende ging.

 

Zum Nachelsen: Teil 1, Teil 2

 

(46) Friedrich Georg: Unternehmen Patentenraub, Grabert Tübingen 2008, s. 103

(47) Meiser Hans: Ausplünderung Deutschlands seit 1919, Grabert Tübingen 2010, S. 58

(44) „Die Welt“, 28.11.1982

(45) Edward J. Rozek: Allied wartime diplomacy; a pattern in Poland, Westview Press 1989, S. 209 f., ISBN 0813378990

(49) Kern Erich: Verheimlichte Dokumente, FZ-Verlag München 1999

(50) Schrenk-Notzing Caspar: Charakterwäsche, Seewald Stuttgart 1965.

(53) Plum Jacqueline: Französische Kulturpolitik in Deutschland 1945-1955, Dissertation Bonn 2005, https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/bitstream/handle/20.500.11811/2236/0521.pdf?sequence=1&isAllowed=y

(54) Kolja Reichert: C.I.A. Art. Der größte Kunst-Coup aller Zeiten: Wie der amerikanische Geheimdienst im Kalten Krieg den Siegeszug des Abstrakten Expressionismus inszenierte – und keiner hat’s gemerkt. in: „art Das Kunstmagazin“, Okt. 2014, S. 46 – 51

(57) Ammann Elfriede: William Toels Vision von einem bald befreiten Deutschland, https://publikum.net/william-toels-vision-eines-befreiten-deutschlands/ 22.04.2021 MARKUS LOWIEN – Warum sind die Deutschen (heute) so wie sie sind https://www.bitchute.com/video/zb6mkNtm4Heb/





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