Sichere Kommunikation über Whatsapp? Fehlanzeige!

Der Messengerdienst Whatsapp erfreut sich weltweit grosser Beliebtheit und ist mit ca. zwei Milliarden Nutzern unangefochtener Marktführer. Die Kommunikation über den Instant-Messenger erfolgt verschlüsselt. Nutzern von Whatsapp dürfte die Zusicherung, die an prominenter Stelle ganz oben in jedem Chatfenster positioniert ist, bekannt sein: „Nachrichten und Anrufe sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Niemand ausserhalb dieses Chats kann sie lesen oder anhören, nicht einmal Whatsapp.“ Laut Angaben des US-Unternehmens Facebook, welches Whatsapp 2014 aufkaufte, können weder unbefugte Dritte, Polizeibehörden, Nachrichtendienste noch das Unternehmen selbst die ausgetauschten Nachrichten mitlesen.

 

 

Nichts als heisse Luft

Doch dieses vollmundige Versprechen ist laut Recherchen von ProPublica, einer im Jahr 2007 gegründeten Internetplattform für investigativen Journalismus, weitgehend heisse Luft. Die Meldung vermeintlich oder tatsächlich anstössiger Inhalte durch Nutzer setzt einen Mechanismus in Gang, der die zugesicherte Unmöglichkeit des Zugriffs durch Dritte als Falschbehauptung entlarvt.

Gemeldete Inhalte werden durch ein von Facebook betriebenes KI-System überprüft und bei Erhärtung eines Verdachts an ein Team zur Überprüfung weitergeleitet, das insgesamt etwa 1000 Mitarbeiter umfasst. Besonders pikant hierbei ist, dass es nicht Mitarbeiter von Whatsapp sind, die auf diesem Wege Zugriff auf den Inhalt der über den Messenger erfolgenden Kommunikation erhalten, sondern Mitarbeiter externer Firmen, die von Facebook damit beauftragt wurden. Mitunter hochsensible Informationen werden somit dem Zugriff durch Angestellte externer Unternehmen preisgegeben.

 

 

 

Überprüfung durch Unternehmen von zweifelhaftem Ruf

Konkret genannt wird in diesem Zusammenhang das Unternehmen Accenture mit Sitz im irischen Dublin, an welches die Schnüffelei in den Nachrichten der Whatsapp-Nutzer offenbar ‘outgesourct’ wurde. Ein Unternehmen mit durchaus zweifelhaftem Ruf. Im Zuge der Beratung der deutschen Bundeswehr soll es 2017 zu Unregelmässigkeiten gekommen sein, die in Betrugsvorwürfen und Vorwürfen wegen Vetternwirtschaft gipfelten.

Laut ProPublica erhält jeder externe Mitarbeiter bis zu 600 Verdachtsmeldungen täglich, die zu einer Überprüfung der ausgetauschten Inhalte auf Gesetzesverstösse und Zuwiderhandlungen gegen die Nutzungsbedingungen führen. Pro Woche werden demzufolge mehrere Millionen Nachrichten überprüft.

 

Verschlüsselung ohne Wert

Facebook bekennt offen, dass Nutzer von Whatsapp die „letzten paar Nachrichten“ zur Begutachtung freigeben. Das Unternehmen weigert sich jedoch bekanntzugeben, was genau mit den „letzten Nachrichten“ gemeint ist. Es könnten die letzten fünf, die letzten fünfzig oder auch die letzten hundert Nachrichten sein. Damit wird die Verschlüsselung der ausgetauschten Nachrichten in letzter Konsequenz ad absurdum geführt.

Darüber hinaus ergaben die Recherchen von ProPublica, dass alle Konten von Whatsapp-Nutzern regelmässig auch verdachtsunabhängig durch eine spezielle Software überprüft werden. Die unverschlüsselten Informationen, zu denen unter anderem Namen, Profilbilder, Statustexte, Anzahl der versendeten Nachrichten, Sprache, Zeitzone und letzte Aktivität des Nutzers gehören, werden automatisiert durchforstet, um verdächtige Accounts ausfindig zu machen. Werden bestimmte Accounts durch die Software als verdächtig identifiziert, obliegt es einem Mitarbeiter, den betreffenden Account als harmlos einzustufen, diesen auf eine Beobachtungsliste zu setzen oder sofort zu sperren.

Wer sich eine wirklich sichere Kommunikation mittels Messengerdiensten erhofft, ist mit Whatsapp demnach schlecht beraten. Anzuraten ist das Ausweichen auf die zahlreichen Alternativen, die mittlerweile angeboten werden. Insbesondere Threema wird in diesem Zusammenhang von IT-Experten empfohlen.





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