Kurhessen: Schloss-zu-Schloss-Wanderung

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Unsere Wanderung, diesmal im wunderschönen Kurhessen, begann zu den Füßen einer mittelalterlichen Schlossburganlage inmitten einer beschaulichen Kleinstadt. Wer mochte, konnte diese vor der Wanderung besichtigen. Erbaut wurde dieses Kleinod im Jahre 1200 vom Graf Friedrich von Thüringen. Knapp 100 Jahre des Um- und Anbauens sorgten für das heutige Erscheinungsbild dieser Burganlage. Vielerlei Geschichte umringt diesen Bau, von einem Verwaltungssitz, über die Nutzung als Lazarett im Deutsch-Französischen Krieg, bis hin zu einer NSDAP-Schulungsstätte sowie der heutigen Nutzung als Museum. Von hier aus ging es los, auf einen rund 30 km langen Marsch durch die wunderschöne hügelige Wald- und Wiesenlandschaft. Zunächst durchquerten wir die Kleinstadt bis zum Stadtrand. Hier trafen wir auf die ein oder andere freundliche Wandergruppe, welche diesen sonnigen Tag als gute Gelegenheit für einen
Sonntagsausflug nutzte. Nach einigen Metern bergauf erreichten wir den nahegelegenen Wald und folgten dem schon viel bewanderten Weg in Richtung Bilsteinklippen.

Von den Bilsteinklippen bietet sich ein reizvoller Anblick in das Tal der Wilde. Als eine floristische Seltenheit erlangte diese bereits im Jahre 1841 Beachtung. Der Königlich-Preussische Apotheker Jan Baptista Müller erwähnte schon damals das heute als Heimat seltener Pflanzen aus vorherigen Klimaepochen geschützte Biotop. Oberhalb des Aussichtspunktes befand sich eine im 9. oder 10. Jahrhundert erbaute Doppelburg, von der heute nur noch der Wallgraben und ein Burghügel erhalten geblieben ist. Von hier aus führte uns unser Weg immer weiter den Waldweg entlang. Hier und dort konnten wir einen kurzen Blick ins Tal erhaschen. Nach einem großzügigen Schlenker ins Waldesinnere hinein ging es langsam bergab und den Waldrand entlang. Bei einem idyllisch gelegenen Gutshof trennten sich unsere Wege vom Tal und wir durchquerten den Wald endgültig.

Auf der anderen Seite des Waldes angekommen, lockte eine schöne Freizeitanlage mit einer herrlichen Obstwiese zum kurzen Verweilen. Frisch gestärkt ging es durch die nächste Ortschaft und den folgenden Hügel hinauf. Unser Etappenziel war jetzt der Peterskopf mit seinen beiden Hochspeicherbecken. Unsere Füße trugen uns durch den Wald und interessante Gespräche sowie auch viele lustige Momente halfen uns, die nur knapp 500 Höhenmeter leicht zu erreichen. Oben angekommen, konnten wir auf den Affolderner See blicken, den wir schon bei einer anderen Wanderung zuvor kennengelernt hatten. Direkt am kleineren der beiden Hochspeicherbecken befindet sich eine schöne rustikale Waldgaststätte. Da unser Ziel aber noch lange nicht erreicht war und wir bisher erst knapp die Hälfte der Strecke geschafft hatten, hieß es nun weiterwandern, den Berg auf der anderen Seite hinab durch den Wald.

 


Unten angekommen, führte uns der Weg durch das schöne kleine Örtchen Rehbach. Hier konnten wir sehen, wie tief doch der Wasserstand des Edersees gesunken ist. Wo bei regenreichen Zeiten das Wasser hoch steht, konnten wir minutenlang das steinige Ufer entlang gehen, bis wir den Rand des Sees erreichten. Dem Ufer folgend, umliefen wir eine bewaldete Landzunge. Uns kamen zahlreiche Ideen für zukünftige Unternehmungen, auch ein paar Hinterlassenschaften volksfeindlicher Propaganda konnten mal wieder entfernt werden.

Unser Ziel war schon auf der anderen Seite des Sees in Sicht, als es hieß: Wir müssen jetzt in die andere Richtung abbiegen. Aber wir ließen uns nicht entmutigen und so liefen wir geradewegs zur Edertalsperre, um an dieser Stelle den Fluss zu überqueren. Einst wurde die Talsperre errichtet, um den Schifffahrtsbetrieb auf der Weser zu gewährleisten. Ein paar Überreste der beiden Ortschaften Asel und Bringhausen sowie Teile von Nieder-Werbe und Herzhausen, welche für den Bau des Stausees aufgegeben werden mussten, kann man heute bei Niedrigwasserstand entdecken.

In der Nacht vom 17. Mai 1943 wurde die Staumauer durch einen Angriff der Royal Air Force stark beschädigt. Das Ziel war es, die Transportwege und die Wasserversorgung der Rüstungsindustrie entscheidend zu treffen. Hierfür wurde eine extra für diesen Zweck erdachte Roll- und Rotationsbombe eingesetzt. Dies führte dazu, dass innerhalb kürzester Zeit rund 80% der gespeicherten Wassermengen sich einen Weg dem Flussbett entlang bahnten. Hierbei entstand eine 6 bis 8 m hohe Flutwelle, welche durch das Edertal nach Fritzlar, Wabern und sogar durch das Fuldatal bei Kassel bis hin zum oberen Wesertal rollte. So entstand kurzzeitig ein kilometerbreiter See, dessen Ausmaße in rund 35 km Entfernung noch verheerenden Schaden anrichtete. Etliche Leben fanden in dieser Nacht ein trauriges, überraschendes Ende.

 

Nachdem der ein oder andere kurz an seine Ahnen dachte, erklommen wir den vor uns liegenden bewaldeten Hügel. Hier folgten wir einem schmalen Wanderpfad, als bereits die Dunkelheit einsetzte. So konnten wir am Aussichtspunkt der Kanzel am Edersee die wunderschöne Abendstimmung einfangen. Auch der einsetzende Regen konnte uns weder aufhalten, noch die gute Laune trüben. So erreichten wir schliesslich das schöne Örtchen Waldeck und sein imposant auf einem Berg thronendes Schloss Waldeck. Über das Schloss gibt es, wie über viele Burgen und Schlösser, einiges zu berichten. So war es im 13 Jahrhundert Stammburg der Grafschaft Waldeck und wurde von 1734 bis 1866 als Zuchthaus genutzt. Heute beherbergt es ein Museum und ein Hotel.

In kameradschaftlicher Verbundenheit behalten wir diese schönen Erinnerungen tief in unseren Herzen. Sie sollen uns als Inspiration dienen und uns zeigen, wofür es sich jeden Tag aufs Neue zu kämpfen lohnt. Vielen Dank an alle, die dabei gewesen waren und auch an jene, die für unsere gemeinsame Sache streiten.

1 Kommentar

  • Schöne Bilder.

    Etwas Sachkritik: Aus eigenem Antrieb hat die RAF grundsätzlich nie sogenannte «militärischen Ziele» angegriffen. Bei den Talsperrenangriffen ging es darum, möglichst weite Landstriche zu verwüsten und die Bewohner umzubringen.

    RW 21.11.2022

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