Im Gespräch mit einem deutschen Freiwilligen (Teil 2/2)

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Ende 2022 führten wir das Gespräch mit Stephan aus Solingen, welcher sich den ukrainischen Streitkräften im Kampf gegen Russland angeschlossen hat. Bei den Antworten handelt es sich um die private Ansicht eines Kriegsteilnehmers. Teil 1 des Gesprächs findet man hier.

Neben der Lage an der Front waren zuletzt vor allem die Angriffe auf die Infrastruktur des Landes ein Thema in den deutschen Medien. Wie nimmst du die Lage, etwa Stromausfälle, wahr?

Zu deiner Frage, wie man das mit den Stromausfällen wahr nimmt. Es ist zeitlich getaktet, ich rede hier aber nur von Städten wie Kyiv, Kharkiv usw. Meistens hat man ca. 5 Stunden Strom, danach 5 Stunden keinen. Man kann damit lernen umzugehen und seinen Rhythmus danach einrichten, dass man die Zeit nutzt und die wichtigen Dinge wie Wäsche waschen usw. erledigt. Jedoch gibt es auch Regionen wie Kupjansk, die keinen Strom haben und dadurch keine Wasserversorgung.  Es ist auch für mich immer wieder schlimm zu sehen, wie dort Kinder frieren müssen. Die Regierung ist hier sehr bemüht, das zu verhindern. Aber da Putin unaufhörlich die Infrastruktur beschießt, trifft es auch Zivilisten. Es ist eine sehr schlimme Situation, die auch mir schon oft die Tränen in die Augen getrieben hat. Ich habe ganze Dörfer gesehen, die kaputt geschossen wurden. Dort hat sich nie ein militärisches Ziel befunden. Die Russen fallen in diese Dörfer ein, nehmen den Menschen das Wenige, was sie haben, weg und verwüsten alles. Das ist einfach widerlich und unbeschreiblich. Auch wir vom Militär verteilen Essen, Trinken und solche Sachen. Aber in Deutschland muss man verstehen, dass man grundlos die Häuser dieser Menschen zerstört. Und es gibt hier Menschen, die haben nur dieses eine Haus, mit dem was darin ist. Diese Leute haben kein Kapital oder irgendwelche Sicherheiten, weil sie die letzten Jahre in Frieden so gelebt haben, dass sie jeden Tag Essen hatten und glücklich in ihren Häusern in ihrer Dorfgemeinschaft gelebt haben. Die hatten ihre zwei oder drei Schweine, vielleicht eine Kuh und das war alles, was sie wollten. Und damit sind diese Menschen glücklich. Und dann schickt Putin seine Horden und nimmt diesen Menschen jegliche Grundlage. Das zu sehen, bricht jedem normalen Menschen das Herz.

Viele Nationalisten haben die Auffassung, dass dies nicht unser Krieg sei und jeder Aktivist in Deutschland gebraucht wird. Wie ist deine Sicht auf dieses Argument?

Also ich persönlich und auch übrigens jeder ausländische Kämpfer hier, mit dem ich spreche, sieht nur den „III. WEG“ als Deutsche Nationalisten. Für mich ist jeder, der pro Putin ist, kein Nationalist. Diese Leute sollten sich die Frage stellen, gegen wen ihre Großväter gekämpft haben? Und natürlich geht uns dieser Krieg auch etwas an. Wo soll man anfangen, einen Verbrecher wie Putin zu bekämpfen? Die Menschen, die sowas sagen wie, dieser Krieg geht uns nichts an und man müsse etwas im eigenen Land tun, sind meist ja die, die auch in ihrem eigenen Land nichts tun. Leute, die Tag ein, Tag aus nur Reden schwingen und zumeist auch nie etwas für ihre eigenen Mitmenschen in ihrem eigenen Land getan haben.

 

Was ist deine Position hinsichtlich der mehr als kritikwürdigen Regierung der Ukraine, insbesondere des jüdischen Präsidenten Selenskyj?

Ich hoffe, Ihr könnt verstehen, dass ich mich als Angehöriger der Streitkräfte der Ukraine nicht über die Regierung äußern möchte und auch nicht zu Selenskyj.  Was ich aber sagen kann, dass man Selenskyj hier auch in nationalen Kreisen respektiert. Ich pflege Kontakte zu Swoboda und anderen nationalen Organisationen und ich denke, dass es schlechtere Staatsoberhäupter gibt als ihn. Gerade in Zeiten des Krieges, wie jetzt.

 

Hast du persönlich Folgen russischer Kriegsverbrechen erfahren/gesehen?

Ich habe viele Kriegsverbrechen der Russen gesehen. Angefangen bei einfachen Diebstählen, vergewaltigten Frauen, Familien, deren Mitglieder ermordet wurden oder zerstörte zivile Stadtteile. Ich habe das alles leider hier sehen müssen. Man sieht es in jeder Ortschaft, die zurückerobert wird. Und ich frage mich zum einen, in welchem Loch muss man geboren worden sein, dass man Toiletten aus Häusern klaut. Zum anderen frage ich mich, aus welcher primitiven und barbarischen Gesellschaft man kommen muss, dass man Frauen vor ihren eigenen Kindern vergewaltigt und den Kindern das Essen wegnimmt. Wie wenig Kultur und Anstand muss man haben, mit einem Panzer auf ein Haus einer Familie zu schießen und dabei Freude zu empfinden.

 

Was ist deine Hoffnung oder Vision für die Ukraine und Europa nach dem Krieg?

Meine Hoffnung für die Ukraine ist, dass dieser Krieg baldmöglichst endet. Dass Europa diesem geschundenen Land hilft, wirtschaftlich zu wachsen. Denn hier muss man helfen und nicht in Afghanistan. Die Ukraine ist durch diesen Krieg gesellschaftlich stark zusammen gewachsen. Man lebt hier die nationale eigene Kultur und ist stolz darauf. Ich hoffe, dass die Ukraine in Zukunft im Frieden leben kann.

Das Schöne hier ist, dass auch die jungen Menschen dieses nationale Erbe in sich tragen und jeden Tag leben. Und diese jungen Menschen sind die Ukraine von morgen. Für Deutschland würde ich mir das selbe wünschen, dass die Menschen zurück zu unserer Kultur finden. Dass man stolz darauf ist, wer wir sind und was Deutschland wirklich ausmacht. Und dass man einfach nicht mehr alles zu Tode toleriert. Aber als erstes müssen die Deutschen lernen, ihren Wohlstandshintern wieder zu erheben und nicht mehr alles hinzunehmen. Ich wünsche mir natürlich, dass in allen europäischen Ländern der Nationalismus erwacht. Dass die Menschen erkennen, dass der Nationalismus die einzige gesunde Staatsform für das eigene Land ist. Und ein Traum wäre ein Europa der nationalen Vaterländer.

 

Vielen Dank Stephan für die ausführlichen und aufrüttelnden Worte.

 


Update vom 12. Januar 2023

Am Abend des 10. Januar, gegen 16.30 Uhr verließ ich mit zwei Kameraden und einem Fahrer unsere Basis nahe Lyman in der Ostukraine. Wir waren auf dem Weg zu unserer direkten Frontstellung, um dort mit drei Kameraden die Position abzulösen. Da es eine sehr hart umkämpfte Stellung ist, hat sich unser Kommandeur entschieden, dass wir in der Dunkelheit fahren sollen. 80 % des Weges hatten wir ca. hinter uns, als uns aufgefallen ist, dass wir uns verfahren haben. Als wir in unserer Nähe das feindliche Leuchtfeuer gesehen haben, wussten wir, wir sind zu nah bei den Russen. Also entschlossen wir uns, umzukehren. Auf einmal gab es auf der linken Seite des Transport-LKWs eine Explosion und ca. 1 Sekunde später auf meiner Seite. Bei der Explosion wurde mein Bein an mehreren Stellen gebrochen. Ich dachte im ersten Moment, ich habe es verloren. Wir sind dann aus dem LKW gestiegen und in Deckung gegangen. Einer meiner Kameraden ist mit dem Funkgerät losgerannt, um die Evakuierung anzufordern. Da niemand unsere Position wusste, ist er in eine Deckung mit Bäumen gerannt und hat drei Mal in die Luft geschossen. Ich wusste nicht, dass er das abgesprochen hatte. Nun erwarteten wir einen Angriff der Russen auf uns. Dem war zum Glück nicht so. Ich bemerkte dann auch, dass der Fahrer verletzt war und ein gebrochenes Bein hatte. Ich glaube, auch seine Hüfte ist gebrochen.


Video: https://t.me/LastBP/11311
Medizinische Evakuierung eines Soldaten in einem amerikanischen M113-Panzerwagen in Soledar unter feindlichem Beschuss.

 

Die Evakuierung dauerte ca. eine Stunde nach meinem Gefühl. In dieser Zeit lag ich mit meinem gebrochenen Bein neben dem LKW und hoffte, dass dort nicht noch mehr Mienen sind. Man hat uns dann mit einem Pickup evakuieren können. Ich wurde dann in der Nacht nach Kramatorsk in das Front-Krankenhaus gebracht. Dort richtete man einen Teil der Brüche. Mittlerweile bin ich in Dnipro, werde aber weiter Richtung West-Ukraine evakuiert. Dort will man mich operieren.

Teil 1 des Interviews

1 Kommentar

  • Gute Besserung

    Nadja Beeker 21.01.2023
  • Wünsche gute Besserung. Ein Held der Neuzeit

    Revolutionär 16.01.2023
  • Sehr interessantes Interview, auch wenn ich nicht alle Aussagen des Freiwilligen zu seiner Motiviation so unterschreiben kann (muss ich ja auch nicht), so zolle ich ihm dennoch höchsten Respekt für seinen lebensgefährlichen Einsatz. Wünsche ihm alles Gute für die Zukunft!

    Julia 15.01.2023
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