Nahost: Iran simuliert Vergeltungsschlag gegen Israel

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Der Iran hat etwa 350 Raketenprojektile in Richtung Israel abgefeuert. Der Angriff erfolgte als Reaktion auf anhaltende zionistische Übergriffe gegen den Iran und dessen Verbündete. Zuletzt hatte Israel mit einem völkerrechtswidrigen Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus (Syrien), bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, eine Reaktion provoziert. Der iranische Gegenschlag kann jedoch mehr als Simulation, denn als ernsthaften Angriff gewertet werden. Über die USA wurde Israel bereits vorgewarnt. Ein Großteil der Raketen konnte noch vor Erreichen des israelischen Staatsgebietes abgefangen werden und es kam zu fast keinen Schäden. Dennoch haben es sich zahlreiche Israel-Freunde nicht nehmen lassen, ihre Solidarität mit dem zionistischen Terrorstaat zu bekunden.

 

Das Märchen von 1001 Rakete

Der mediale Aufschrei war groß: der Iran hat Israel angegriffen! Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der indischstämmige Premierminister Rishi Sunak in Großbritannien und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell haben sich zu Wort gemeldet und den Angriff verurteilt. Der Vorsitzende des Außenausschusses im Bundestag, Michael Roth (SPD), sagte, dass Deutschland und die EU „endlich eine härtere Gangart gegenüber Iran einlegen“ müssten. Auch Marie Agnes Strack-Zimmermann (FDP) forderte einen radikaleren Kurs gegenüber dem persischen Land. Auch Alice Weidel (AfD) und Donald Trump haben den iranischen Angriff verurteilt. Unter anderem in München und in Mannheim kam es zu mehr oder weniger spontanen Israel-Solidaritäts-Demonstrationen.

Was war passiert? In den vergangenen Monaten und Jahren war es immer wieder zu Angriffen des zionistischen Staates gegen den Iran und seine Verbündeten gekommen. Dabei handelte es sich etwa um Angriffe auf iranische Truppenverbände in Syrien oder dem Irak. Für viel Aufsehen sorgte auch die Ermordung des populären Generals Qassem Soleimani durch die USA, die eng mit Israel verbündet sind. Zuletzt kam es zu einer schweren Verletzung internationalen Rechts. Israel attackierte die Botschaft des Irans in Damaskus, Syrien. Dabei kamen 16 Menschen ums Leben, darunter General Muhammad Reza Zahedi, ein hoher Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, sowie sein Stellvertreter. In der Vergangenheit hatte der Iran schon oft Vergeltungsschläge angekündigt, es jedoch oft bei der Ankündigung belassen. Nun war der Iran gezwungen, zu handeln, um sein Gesicht zu wahren und Verteidigungsbereitschaft zu demonstrieren.

Auch diesmal kündigte der Iran „scharfe Reaktionen“ an, auch beim Begräbnis der beiden Generäle wurde öffentlich Rache geschworen. Im Vorfeld des Raketenangriffs besuchte der Iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian mehrere Länder und informierte sie über das geplante Vorgehen, darunter Saudi-Arabien und die Türkei. Das NATO-Mitglied Türkei informierte daraufhin den jüdischen US-Außenminister Antony Blinken. Im Vorfeld tauschten sich die USA und Israel daraufhin über den bevorstehenden Angriff aus. Der Angriff war so absehbar, dass selbst westeuropäische Fluggesellschaften im entsprechenden Zeitraum ihre Flugverbindungen nach Israel einstellten und Botschaften ihre Staatsbürger vor Ort aufforderten, das Land zu verlassen. Der amerikanische Fernsehsender CNN informierte am Vormittag des 13. April über die Verlegung von etwa 100 Drohnen und Marschflugkörpern innerhalb des Irans. Nach Angaben eines ranghohen US-Beamten stand die US-Regierung über eine „Reihe direkter Kommunikationen“ mit der iranischen Regierung in Kontakt.

Als der Iran gegen 22:45 Uhr seine Raketen startete, war Israel gut informiert und vorbereitet. Die Flugzeit der meisten Raketen bis nach Israel hätte mehrere Stunden in Anspruch genommen. Die israelische Luftwaffe stand bereit und konnte einen Großteil der Raketen noch weit vor Erreichen des zionistisch-okkupierten Territoriums abfangen. Nach Angaben des israelischen Armeesprechers Daniel Hagari konnten 99 Prozent der Projektile von der israelischen Luftabwehr abgefangen und zerstört werden. Infrastruktur des Militärflugplatzes Nevatim im Süden Israels wurde leicht beschädigt. Nahe der Stadt Arad wurde ein 7-Jähriges Mädchen von abgeschossenen Trümmerteilen einer Rakete verletzt.

Angesichts des behutsamen Vorgehens des Irans muss die Frage gestellt werden, ob der Iran ernsthafte Schäden überhaupt in Erwägung gezogen hat. Offenbar stellte der Angriff mehr einen gewagten Balance-Akt dar; einerseits sollte eine deutliche Reaktion auf die permanente zionistische Aggression gesetzt werden, andererseits sollte gerade kein Krieg provoziert werden. Bei den eigenen Anhängern kam der Angriff jedenfalls gut an: So bejubelten beispielsweise in der kanadischen Stadt Toronto Araber die Attacke. Die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen erklärten, dass die „Angelegenheit“ für den Iran nun „erledigt“ sei. Der iranische Generalstab betonte, dass ausschließlich militärische Ziele attackiert wurden.

Im Gegensatz zum Angriff der Hamas im Oktober des vergangenen Jahres kann sich Israel somit nicht auf blinde Übergriffe gegen Zivilisten stützen, sollte es zu einem israelischen Angriff kommen. Gleichwohl zeigt die zuvorkommende Solidarität mit Israel, dass der zionistische Terrorstaat im Falle eines Angriffskriegs keine Konsequenzen zu befürchten hätte. Die üblichen Hasstiraden aus Tel Aviv und Jerusalem machen deutlich, dass man dort einem Krieg wohl nicht abgeneigt ist. Wenn der Iran gegenüber Israel seine Stärke demonstrieren wollte, dann ist dies nicht gelungen, weil die mühelose Abwehr des Angriffs, ob beabsichtigt oder nicht, eher den Mythos von der Militärmacht Iran entzaubert hat. Für Israel könnte nun der Eindruck entstehen, dass im Falle eines Krieges keine wirklich schmerzhaften Folgen für die Zionisten drohen. Der bestialische Vernichtungsfeldzug Israels im Gaza-Streifen zeigt, dass Israel jede Schwäche als Einladung versteht und vollkommen gnadenlos gegenüber wehrlosen Feinden vorgeht.

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