
Schon am Vortag bezog die Gruppe ein Biwak in einem kleinen Waldstück nahe des Ausgangspunktes. Unter einer Regenplane verbrachte man eine eher unruhige, nasse Nacht im Regen, ehe am Morgen der Aufbruch in alpines Gelände erfolgte. Von da an zeigten sich die Berge gnadenlos. Steile Anstiege, ausgesetzte Grate und endlose Höhenmeter ließen keinen Raum für Schwäche.
Mehrfach verschluckten Nebelschwaden den gesamten Weg. Innerhalb weniger Minuten verschwand jede Orientierung und die Sicht reichte kaum über ein paar Meter hinaus. Das Gefühl, über den Wolken zu stehen, läßt sich nur als eine Mischung aus Faszination und Bedrohung beschreiben, erst recht in Anbetracht der Tatsache, daß an manch ungesicherter Stelle nur ein einziger falscher Schritt in den Abgrund hätte führen können. Doch kaum war man am Gipfel angekommen, öffnete sich die Wolkendecke, und das Gefühl, über der Landschaft zu stehen, war überwältigend.
Noch weit oberhalb senkte sich die Dunkelheit über die Berge. Mit Stirnlampen und letzter Konzentration kämpfte man sich drei Stunden lang durch die Nacht und unwegsames Gelände. Erst spät gelang es, eine Berghütte zu erreichen und notdürftig zu übernachten.
Am nächsten Morgen blieb nur noch der Rückweg. Die letzten neun Kilometer hinab ins Tal wurden mit schweren Beinen, aber entschlossenem Schritt absolviert. Am Ende stand das Gefühl, sich durchgesetzt zu haben – gegen den Berg, die Dunkelheit und die eigenen Grenzen.
Dieser Gipfelaufstieg war gewiss keine einfache Bergwanderung. Er war ein wahrlicher Kampf und wird der Gruppe auch noch lange in Erinnerung bleiben.














