
Wie sehr viele reaktionäre Herrschaften autokratischer Regime stützt sich auch Orbán auf das ländliche und christliche Milieu. Naheliegend bedient Fidesz für diese Bevölkerungsschichten das Bild von der Stadt als Sündenbabel. Im Falle Budapests ist Orbáns Herrschaft bereits abgelaufen. Noch einmal soll das Wahlergebnis manipuliert werden, indem die Wahlordnung geändert wurde. Die Änderungen sehen unter anderem vor, dass in der Hauptstadt Budapest künftig nur noch 16 statt 18 Direktmandate vergeben werden. Im Bezirk Pest, der das ländliche Umland von Budapest umfasst, werden es dafür künftig 14 statt 12 Direktmandate sein.
Mit Peter Magyar ist Orbán ein Konkurrent erstanden, der nicht mehr so einfach an die Wand zu drücken ist. Deshalb geht die Kleptokratie in die Offensive und schränkt einerseits die Meinungsfreiheit massiv ein und versucht andererseits, ihre Parteigänger zu mobilisieren. Mit einem Verbot der „Pride-Parade“ sollte ein billiger Propagandasieg und damit eine Befriedigung des eigenen Milieus erreicht werden. Das Verbot von Pride-Demonstrationen in Ungarn ist durch eine am 14. April 2025 beschlossene Verfassungsänderung in Kraft getreten. Die Verfassungsänderung schreibt außerdem die triviale Tatsache fest, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Teilnehmer an Pride-Veranstaltungen können mit einer Geldstrafe von bis zu 200.000 HUF (ca. 500 EUR) belegt werden.
Während „Pride-Paraden“ in Ungarn immer nur kleine Veranstaltungen von angekränkelten Liberalen und sexuellen Normabweichlern waren, hat Orbán mit dem Verbot eine Front für öffentlichen Protest unter dem Banner der Regenbogenfahne eröffnet. Diesmal waren es an die 200.000 Teilnehmer, die Orbán ihre Verachtung ausdrücken wollten und die mangelnde Durchsetzungskraft des Systems vorführten. Alles Homosexuelle? Wohl eher nicht. Die Ungarn haben es einfach satt, dass Orbán das Land an Russen und Chinesen verschachert, seine „Familie“ reich macht und Ungarn in das Armenhaus Europas verwandelt. Mittlerweile ist Ungarn offiziell Korruptionshochburg, aber dafür das ärmste Land in der EU.
Zur Rettung des Orbán-Systems werden die Fokussierung auf die vormals bedeutungslose „Pride-Parade“ und ein wenig konservative Christenfolklore nicht mehr ausreichen.













