KL Buchenwald: Ein „Ort des Geschichtsrevisionismus“?

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Der Streit um den Nahost-Konflikt in der deutschen Linken wird derzeit an jedem denkbaren Ort ausgetragen. Neues Schlachtfeld: Das Konzentrationslager Buchenwald. Ein Zusammenschluss namens „Kufiyas in Buchenwald“ fordert unter anderem palästinensische Symbole und eine „offene Thematisierung des Völkermords in Gaza“ in dem Thüringer Lager. Das löst wiederum nicht nur Empörung aufseiten der Lagerleitung, sondern auch bei Thüringens Antisemitismusbeauftragten und Vertretern von BSW und Linken aus. Die Führung des ehemaligen Konzentrationslagers sieht sich gezwungen, Millionen Euro in den Schutz der einstigen Haftanstalt zu investieren.

 

 

 

 

Darf man in Buchenwald seine Meinung sagen?

Im Konzentrationslager Buchenwald steht bald ein wichtiger Jahrestag an. Zum 81. Mal jährt sich die Einnahme des Lagers durch die US-Armee. Dieses Ereignis wird alljährlich mit salbungsvollen Worten und aufrüttelnden Reden begangen. Nun beschränken sich die Redner dabei nicht auf die Warnung vor der drohenden „Rückkehr des Faschismus“, sondern konkretisieren gerne, wer denn alles als „Faschist“ abzuurteilen sei. Einig ist man sich im Hass auf alles Nationale, auseinander gehen die Meinungen jedoch im Hinblick auf den Nahostkonflikt. So wurde im vergangenen Jahr der jüdische Philosoph Omri Böhm auf Druck der israelischen Botschaft ausgeladen, weil er den Zionismus kritisiert hatte.

Daher sehen sich nun ironischerweise ausgerechnet Linke in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt. Die „Kufiya“, auch als Palästinenser-Tuch bekannt, sei verboten worden. Auch würden die Betreiber des Lagers die Forderung nach einem Waffenstillstand in Gaza als „antijüdische Mobilisierung“ darstellen und Hausverbote verhängen. Man würde damit auch den „Schwur von Buchenwald“ verraten, den „Nazismus mit seinen Wurzeln“ endgültig zu vernichten. Weil der Antifaschismus ja zwingend international sei und der Völkermord in Palästina auch von der „deutschen Kriegsmaschine“ finanziert sei.

Hinter den „Kufiyas in Buchenwald“ steckt eine bunte Mischung linker Gruppierungen und Einzelpersonen, so etwa die Kommunistische Organisation, die KPD, die DKP, die VVN-VdA aus Berlin, die linke jüdische Autorin Rachel Shapiro oder auch Evelyn Galinski-Hecht, die Tochter des verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski. Um Druck auf das pro-zionistische Lager aufzubauen, wollen die Palästina-Aktivisten eine Demonstration in oder an dem Lager durchführen.

 

Mehr „Antisemitismus“-Aufklärung in der Schule gefordert

Wenig überraschend reagierte die Israel-treue Gegenseite empört. Thüringens Antisemitismusbeauftrager Michael Panse (CDU) findet den Protest „geschmacklos und geschichtsvergessen“ und will das Thema Antisemitismus noch früher in den Köpfen verankern und Kinder schon ab 12 Jahren damit ideologisch penetrieren. Dafür sollten Lehrer und Studenten verstärkt bearbeitet werden. Rikola-Gunnar Lüttgenau von der „Gedenkstätte Buchenwald“ klagt über „eine völlig unangemessene Instrumentalisierung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus für die eigene politische, menschenfeindliche Agenda“. Seinen Angaben zufolge habe es im vergangenen Jahr etwa 50 „Übergriffe“ in dem Lager gegeben. Die Lagerleitung müsse daher in diesem Jahr rund zwei Millionen Euro für Sicherheitsdienste investieren. Dabei würde das Lager doch „nur“ neun Millionen Euro an Fördergeldern erhalten. SPD-Politikerin Dorothea Marx stellte sich gegen eine „Relativierung des Holocausts“ und Anke Wirsing vom BSW stellte klar, dass die „Gedenkfeierlichkeiten“ nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden dürften. Und Christian Schaft von der Linkspartei kritisierte den Angriff auf die „mühsam erkämpfte Erinnerungskultur“.

Der innerlinke Streit um das Reizthema Israel und Antisemitismus geht also in die nächste Runde und verlagert sich in die Arenen der ehemaligen Konzentrationslager, die den linken Gutmenschen gemeinsam als Ersatztempel für ihre Zivilreligion des Schuldkults dienen. Welche Seite sich am Ende durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass die Zeit politischer Narreteien von beiden Seiten antifaschistischer und antideutscher Spielarten ein Ende finden wird, wenn unser Land nach den Vorstellungen der nationalrevolutionären Bewegung neu geordnet werden wird.