Die Umfragewerte der schwarz-roten Bundesregierung befinden sich im Sturzflug, die Ausländerproblematik bleibt ungelöst und die deutsche Wirtschaft gerät angesichts globaler Krisen zunehmend unter Druck. Doch statt sich mit solchen Nebensächlichkeiten aufzuhalten, packt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder offenbar wichtigere Themen an und ließ einen „Bayerischen Ehrenweg“ errichten, auf dem herausragende Persönlichkeiten des Freistaats verewigt werden sollen. Die Inszenierung direkt neben der Staatskanzlei in München wirkt dabei weniger wie eine originelle bayerische Idee als vielmehr wie eine billige Kopie des berühmten Hollywood Walk of Fame.
Selbstdarstellung statt Politik
Dass es ausgerechnet Markus Söder ist, der in turbulenten Zeiten wie diesen einen solchen Unsinn auf den Weg bringt, überrascht kaum. Wenn der CSU-Chef etwas gut beherrscht, dann sind es die peinlichen Versuche, sich selbst in Szene zu setzen, während er die Ängste und Nöte der Bevölkerung gekonnt ignoriert und dringend notwendige politische Maßnahmen schuldig bleibt.
Wie ernst man Söders Aussagen nehmen kann, zeigte bereits sein Zickzackkurs in der Energiepolitik. Erst unterstützte er den Atomausstieg und drohte 2011 als bayerischer Umweltminister mit Rücktritt, sollte dieser nicht konsequent umgesetzt werden. Jahre später erklärte er denselben Atomausstieg zum Fehler und forderte den Weiterbetrieb bayerischer Kernkraftwerke. Doch während Söder öffentlich für die Rückkehr zur Atomkraft warb, schritt der Rückbau längst voran. Im August 2024 wurden die Kühltürme des stillgelegten AKW Grafenrheinfeld gesprengt und im Oktober 2025 folgten die beiden Kühltürme in Gundremmingen, ohne dass Söder versucht hätte, hier zu intervenieren.
Der CSU-Chef macht jedoch nicht nur als Wendehals auf sich aufmerksam, der seine Politik danach ausrichtet, woher der Wind gerade weht. So mimte er während der Corona-Pandemie den Hardliner und verantwortete einen Maßnahmenkatalog, der völlig absurde Züge annahm. In Bayern war es Dank „König Söder“ zeitweise nicht gestattet, auf einer Parkbank zu sitzen und ein Buch zu lesen. Genauso war es unter Androhung empfindlicher Bußgelder untersagt, sich zu zweit auf eine Parkbank zu setzen und dort im Freien zu verweilen. Dass dieser absurde Irrsinn später gerichtlich für rechtswidrig erklärt wurde, schadete jedoch seiner politischen Karriere bisher nicht.
So darf „Maggus“ weiterhin als Ministerpräsident auftreten und sich unter dem Motto „Söder isst“ beim Verzehr von Döner oder auch fränkischen Schmankerln filmen lassen, als wäre die medienwirksame Inszenierung seiner kulinarischen Vorlieben eine staatstragende Aufgabe und nicht bloß eine weitere Folge seiner Dauerwerbesendung in eigener Sache.
Sterne für Holocaustüberlebende
Der nun eröffnete „Ehrenweg“ reiht sich daher nahtlos ins Gesamtbild der Selbstdarstellung und ist angesichts der zum Auftakt geehrten Prominenten auch mindestens genauso peinlich. Den ersten Stern erhielt Charlotte Knobloch, wohlgemerkt auf dem Gehweg. Söder betonte in den sozialen Medien, dass die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern „wie kaum eine andere für Vergebung und den Wiederaufbau jüdischen Lebens“ stehe und „Bayerns Stimme und Gewissen gegen Rassismus und Antisemitismus“ sei.
Als Zweiter wurde der homosexuelle Franz von Bayern geehrt, der 1944 gemeinsam mit seiner Familie verhaftet wurde, weil diese Kontakt zu den Attentätern vom 20. Juli hatten und monarchistischen Widerstandskreisen zugerechnet worden waren. Auch er tourt heute als „Holocaust-Überlebender“ durch die Gegend und setzt sich gegen „Extremismus und Antisemitismus“ ein.
Nach welchen objektiven Kriterien die Sterne heutzutage vergeben werden, bleibt bislang im Dunkeln. Festgelegte Maßstäbe und ein transparentes Auswahlverfahren gibt es jedenfalls nicht. Es ist noch nicht einmal bekannt, ob Söder höchstpersönlich oder eine unabhängige Jury die Entscheidung trifft.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass die bayerische Landespolitik zunehmend zum schlechten Witz verkommt und sich die CSU unter Söder immer mehr zur Spaßpartei entwickelt. Der entscheidende Unterschied zu „Die Partei“: Während diese ihre satirische Ausrichtung offen zum Programm macht, ist die CSU unfreiwillig komisch und scheint den Irrsinn der eigenen Politik selbst nicht zu bemerken.













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