
Nicht alle wissen, daß es neben dem „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner noch das Nibelungen-Drama von Friedrich Hebbel gibt. Darum handelte es sich hier in Worms im Unterschied zu Bayreuth. Grundlage ist immer die Geschichte von König Gunther und seiner schönen Schwester Kriemhild sowie dem bösen Hagen. Kriemhild wurde Siegfried vermählt, und Siegfried warb für Gunter die wilde Brunhild. Schließlich wird Siegfried von Hagen ermordet, und Kriemhild rächt sich furchtbar an dem ganzen Geschlecht.
Der Text des Nibelungenliedes stammt aus dem Mittelalter, aber die Sage ist bedeutend älter. Ein Anknüpfungspunkt ist die Zerschlagung des Burgunderreiches im Raum von Worms in der Spätantike (um 436 n. Chr.) mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen. Denn dieser Gegensatz zwischen deutscher Zucht und der ostischen Wildheit ist auch Thema des Dramas.
Die vielzitierte „Nibelungentreue“ besteht darin, daß die Nibelungen sich weigern, den Bösewicht Hagen auszuliefern und lieber alle in den Untergang gehen. Der Krieg beendete die Festspiele, und nach 1945 wurden sie nicht wieder aufgenommen. Bis ein findiger Worms-Promoter auf den Gedanken kam, daß der Dom sich für eine Freilichtaufführung sehr gut eignet und die Nibelungen-Festspiele kurzerhand wieder einführte. Nur im alten germanischen Geist darf das Ganze natürlich nicht stattfinden!
Das verhindert in diesem Jahr nicht nur die schrille Inszenierung mit Film-Dekor, sondern vor allem ein Siegfried „mit Migrationshintergrund“, ein gewisser Mohamed, der auch so aussieht. Die Aufführung dient jetzt – laut Prospekt – dazu, „den Nibelungen-Stoff der nationalsozialistischen Vereinnahmung zu entreißen“. Vereinnahmt hat den Stoff jedoch eher Wagner als die Nazis, und es lohnt sich tatsächlich, mal ohne Musik die grandiose Geschichte auf sich wirken zu lassen. Und zu überlegen, welche deutschen Eigenschaften sich noch darin finden.













