Kohlzeit ist Wanderzeit – Traditionelle Kohlwanderung im Hermannsland

Am vergangenen Sonntag trafen sich Freunde und Aktivisten des „III. Weg“ – Stützpunktes Hermannsland an der Lauensteiner Platte im Weserbergland zu der in norddeutschen Gefilden traditionellen Kohlwanderung mit anschließendem Grünkohlessen.

Hett dat eerst mal richtig froren,
denn is dat wedder mal sowiet,
denn kummt de schöne Gröönkohltiet.
Laat uns sitten, dal mal huken,
`n lütten Sluck köönt wi ok bruken.
Gröönkohl op`n Disch,
mien leve Herr,
wat vun en Glück op düsse Eer.
Un so laat uns nu man snacken
vun`n Gröönkohl un Swienebacken.
Ja, de Swiensbacken höört darbi,
goot anrökert. Versteihst du mi?
Bi`t Woort "Gröönkohl" kaam ik in`t Swögen,
dar deit sik mien Maag al rögen.
Gröönkohl mit Wust, dörwussen Speck!
Hm, nu ik mi den Bart al leck.
För den Gröönkohl, schallst du weten,
laat ik stahn dat dürste Eten.
Un so en Slicker-, Slackerkraam
is nix för`n Keerl,
man blots för Dam`n.
Licht kriggst du mi nich to`n Strieden.
Stöörst d` mi to Gröönkohlmahltieden,
denn warr ik grantig, asig un dull.
Gröönkohl in`n Gaarn,
dat is doch wat.
Blots maakt in`n Gaarn
he mi nich satt.
Gröönkohl op`n Disch
bringt mi eerst Freid.
Gröönkohl, wat vun en Herrlichkeit!

Von der Lauensteiner Platte führte die erste Etappe der Wanderung über den Ithkamm zum Ithturm, einem 1912 errichteten Aussichtsturm am höchsten Punkt des Kammes, von dem man einen herrlichen Blick über das Weserbergland hat. Sturm, Schnee und Hagel luden die Wanderfreunde in der windgeschützten Hütte am Ithturm zu einer gemütlichen Teepause, in deren Verlauf sich das Wetter wieder zum Guten wendete. Nach der Besteigung des Ithturmes durchbrach die Sonne die Wolkendecke und man machte sich auf zur zweiten Etappe.


 

Vorbei an eindrucksvollen Stein – und Felsgruppen wie die im Volksmund "Adam und Eva" getauften Zwillingsfelsen waren der Thingplatz, der Fahnensteig, die "Teufelsküche" und andere heidnische Kultstätten aus vorchristlicher Zeit das Ziel. Am Fahnensteig tankten die Wanderfreunde des Stützpunkts Hermannsland Kraft bei einer weiteren Tasse Tee für die dritte und letzte Etappe.

Wilde Schneeballschlachten, Naturkunde und Schnack ließen auch hier keine Langeweile aufkommen. Am Ende der Wanderung kehrte man in ein Gasthaus ein und ließ den Abend gemeinsam bei herzhaftem Grünkohl, einem Gläschen Korn und bester Laune ausklingen. Rundum wohlbefindlich, frisch, fromm, fröhlich und frei trat man nach einem gelungenen Tag zu später Stunde den Heimweg an, getreu dem norddeutschen Sprichwort: "In de Kohltiet kann de Doktor op Reisen gahn"