Kinderschänder-Prozess in Deggendorf: Keiner will was mitbekommen haben

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Am 19. Juli 2016 begann vor dem Deggendorfer Landgericht der sogenannte „Pentagon-Prozess“, in welchem ein 30-Jähriger unter anderem wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch seiner eigenen Nichte angeklagt ist. Per SMS-Terror und Bedrohung machte er seine Opfer gefügig. Als Prozessbeobachter nahmen auch Aktivisten vom „III. Weg“-Stützpunkt Ostbayern daran teil (siehe: Kinderschänder-Prozess in Deggendorf: Angeklagter gesteht!). Auch am zweiten Prozesstag, am gestrigen 20. Juli 2016 waren Mitstreiter unserer Partei vor Ort, um weiter an dem Fall dran zu bleiben.

Als an diesem Verhandlungstag der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt wurde, fielen vor allem seine Arme auf. Durch Verletzungen, die er sich über Nacht in seiner U-Haft-Zelle selbst zugeführt hat, waren beide mit einem Verband eingebunden. Nachdem am Vortag vom Angeklagten Johann „Joe“ G. vorgetragenen Geständnis, kamen an diesem Tag mehrere Zeugen zu Wort. Es wurden die Mütter der Opfer, eine Bekannte und die Frau des Angeklagten in den Zeugenstand berufen. Auch die Opfer, die damals 12-jährige Nichte von „Joe“, wie dessen 14-jährige Freundin erläuterten die Geschehnisse mittels abgespielten Videoaufnahmen. Auch wenn außer den minderjährigen Opfern selbst keiner der Zeugen etwas von den Missbrauchsfällen mitbekommen haben will, deckten sich die Aussagen größtenteils mit der Anklageschrift.

Kontaktverbot hielt nicht lange an

Die Mutter der 12-Jährigen und Halbschwester des Angeklagten äußerte, dass sie bereits 2014 den Kontakt zwischen „Joe“ und ihrer Tochter verboten hat. Ausschlaggebend dafür war, dass ihr Kind durch den Angeklagten mit Alkohol abgefüllt wurde und des öfteren nach einem Besuch bei „Joe“ in Deggendorf Montags nicht zur Schule ging. Das Kontaktverbot hielt jedoch nicht lange an und der Peiniger hatte anschließend wieder Zugriff zu seinem Opfer. Den sexuellen Missbrauch will die Halbschwester nicht mitbekommen haben, erst als sich ihre Tochter ihr im November 2015 anvertraute. Auf die Frage wie es ihrer Tochter seither geht, erklärte die Mutter, dass ihr nach der Verhaftung ein Stein vom Herzen gefallen sei, da sie vorher ständig in Angst lebte.

Auch die Mutter der 14-Jährigen wollte nichts von den Missbrauchsfällen mitbekommen haben. Offensichtlich war der angeklagte Familienvater jedoch schwer verliebt in sein minderjähriges Opfer. Trotz gerichtliches Kontaktverbot nach der Inhaftierung schickte der Peiniger ihr über einen Mittler einen Liebesbrief, in welchem er behauptete, dass er mit der „Miss“ nichts zu tun hat und ihr nie im Leben so weh getan hätte, da er sie liebe. Der Brief erreichte jedoch nie seinen Empfänger, sondern wurde durch ihre Eltern abgefangen und an die Polizei übergeben.

„Gehörige“ Ehefrau will nichts mitbekommen haben

Einblick in den Charakter des Angeklagten gab schließlich seine Frau wider. Trotzdem, dass sie öfters zuhause im Wohnzimmer war, während er sich mit den Minderjährigen im Schlafzimmer „vergnügte“, will die 26-Jährige nichts davon mitbekommen haben. Über die Jahre hat sie ihr Ehemann zwar öfter betrogen und allgemein kann sie laut eigenen Angaben schlecht Vertrauen fassen, doch mehr als eine Ahnung habe sie nicht gehabt. Was sich hinter der verschlossenen Schlafzimmertür abgespielt hat, habe sie dennoch nicht nachgeprüft. Täglicher Alkoholkonsum und Schläge gegen den Hinterkopf veranlassten die Ehefrau nicht dazu, „Joe“ zu verlassen. „Sie ist ihm gehörig“, gab die junge Mutter im Hinblick auf die Beziehung mit dem 30-Jährigen an.

Im Hinblick auf die „Miss Pentagon“ gab die Zeugin an, dass sie ebenfalls einmal eine Nachricht erhalten hat. Unter Bedrohung sollte sie sich von ihrem Ehemann schlagen und vergewaltigen lassen. Auch sie glaubte schließlich der Droh-SMS naiv und spielte bei der Perversität mit, ohne groß zu Hinterfragen. Hier muss man die Frage stellen, ob der Angeklagte wirklich so glaubhaft Menschen manipulieren kann, oder ob doch nicht alle Kenntnisse der Zeugen ausgesagt wurden.

Urteil bereits am Dienstag?

Während „Joe“ ansonsten größtenteils selbstbewusst grinsend und frech kopfschüttelnd auf der Anklagebank saß, packte ihm anscheinend bei der Aussage seiner Nichte doch ein wenig das schlechte Gewissen. Den Blick nach unten gesenkt, hielt er sich die Hand vors Gesicht, gerade so, als möchte er im Boden versinken.

Am kommenden Freitag, den 22. Juli 2016 geht der Prozess um 08.30 Uhr in die nächste Runde. Dort ist geplant, dass die ermittelnde Kriminalhauptkommissarin ihre Aussage tätigt. Bereits am Dienstag, den 26. Juli 2016 sollen die Plädoyers abgehalten und am Nachmittag das Urteil gesprochen werden. Die Aktivisten vom „III. Weg“ werden selbstverständlich weiterhin die Gerichtsverhandlungen besuchen.

An diesem Prozesstag wurden außerdem zahlreiche fallbezogene Infoschriften rund um das Landgericht und im Stadtzentrum verteilt, um einerseits auf die Taten des 30-Jährigen aufmerksam zu machen und anderseits härtere Strafen für Kinderschänder zu fordern.

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