Die Weggefährtin #013: Rund um den Apfel

Möglichkeiten einer nachhaltigen Nutzung

Der Apfel, das wohl beliebteste Obst der Deutschen. Ursprünglich aus Asien stammend, etabliert sich der Anbau in Mitteleuropa schon im Mittelalter. Seit jeher genießen wir dieses süße und gesunde Obst. Einem Sprichwort nach, soll ein Apfel täglich zur Gesunderhaltung beitragen. Deutschland kann auf eine lange und sortenreiche Apfeltradition zurückschauen. Mehr als zweitausend Apfelsorten gibt es allein in unserem Land. Nur schauen wir einmal in die Läden… diese Vielfalt finden wir dort bei Weitem nicht. Im Durchschnitt lassen sich maximal acht Sorten ausfindig machen. Warum? Und welche Sorten sind es, die uns dort angeboten werden? Unsere alten Sorten sind es leider nicht! Wobei es genau jene sind, die für unsere Gesundheit so wertvoll sind. Sie enthalten viele Vitamine, Mineral und Ballaststoffe. Haben einen sehr geringen Fettanteil und sind kalorienarm. Sie enthalten Pflanzenstoffe (Polyphenole), die beispielsweise den Blutzuckerspiegel senken und höchst wahrscheinlich dazu dienen, die Allergene im Apfel auszuschalten. So lässt sich beobachten, dass wesentlich weniger Allergien beim Verzehr der „alten Sorten“ auftreten. Im Umkehrschluss treten durch den Verzehr „neuer Sorten“ häufiger allergische Reaktionen auf. Diese Beobachtung lässt sich auf die absichtliche Herauszüchtung jener Pflanzenstoffe (Polyphenole) zurückführen. Da stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Warum. Warum züchtet man solche wertvollen Inhaltsstoffe absichtlich heraus? Die Antwort führt uns zu dem Grund, warum die traditionsreichen Sorten kaum noch zu finden sind. Sie ist so einfach wie traurig… Diese Sorten sind nicht so makellos und perfekt anzuschauen und sie sind meist säuerlich. Ja, es ist nicht gewünscht, dass ein Apfel braune Stellen bekommt, eine rauere Schale hat, nicht aussieht wie aus einer Schablone entsprungen oder gar mehrere Geschmackskompositionen bereithält, welche über „nur süß“ hinausgehen. Die wertvollen Polyphenole sind daher völlig fehl am Platz, denn sie aromatisieren den Apfel, machen ihn aber weniger süß. Früchte mit hohem Polyphenolgehalt haben eine nicht immer ganz perfekte Form und das Fruchtfleisch verfärbt sich beim Anschneiden schneller, wird also braun. Daher haben die Sorten, die heute meist in den Märkten zu finden sind wesentlich weniger solche Pflanzenstoffe als ihre Vorgänger. Diese „neuen Sorten“ nennt man auch Clubäpfel. Sie gleichen mehr einer Marke, als einer tatsächlichen Sorte. Hinzu kommt ihre unendlich lange Reise von Neuseeland oder Mexiko bis in unsere Obstkörbe. In dieser Zeit verfaulen an unseren heimischen Obstbäumen die Früchte und deutsche Obstbauern verschenken tonnenweise Obst, weil sich eine Erntekraft für sie faktisch nicht lohnt. So haben Bauern am Bodensee dieses Jahr berichtet, nur lächerliche 8 Euro für 100 kg Äpfel zu bekommen. Die Läden sind voll mit ausländischen Äpfeln und unsere heimischen Bauern sterben.

Am Ende liegt es an uns, an dem Verbraucher, was in den Einkaufskörben landet. Es ist Zeit, sich seines Konsumverhaltens bewusst zu werden und zu handeln.

Traditionsreiche Sorten sind u.a.: Boskoop, roter Berlepsch, Goldparmäne, Gravensteiner, Cox Orange, pommerscher Krummstiel.

Nachfolgend zeige ich unsere persönlichen Möglichkeiten auf, wie heimische Äpfel genutzt und nachhaltig verarbeitet werden können.

Wir haben das große Glück einige Apfelbäume unser Eigen nennen zu dürfen. Durch den warmen Sommer dieses Jahr wurde uns eine reichliche Ernte beschert und es stellte sich wie jedes Jahr die Frage, wie verarbeiten wir die Äpfel und welche Produkte stellen wir daraus her?

Wir haben uns für folgende Produkte entschieden:

Saft, Tee, Gelee, Apfelkuchen, Apfelringe, Kompott und natürlich Früchte für den Frischverzehr.

Wichtig war uns dabei, den kompletten Apfel zu verwenden und keinen „Abfall“ zu produzieren. Also eine nachhaltige Verwendung des wertvollen Produktes.

 

Apfelsaft

Als erstes stand das Auflesen und Pflücken der Äpfel auf dem Programm. Danach galt es die Früchte zu waschen und faule Stellen zu entfernen. Anschließend wurden die Äpfel mit einem Häcksler zerkleinert und danach portionsweise in eine Presse gegeben. Nach einigen Runden lief der Saft dann in Strömen in unsere Auffangbehälter.

 

 

Um den Saft zu konservieren, haben wir ihn kurz aufgekocht und heiß in sterilisierte Flaschen abgefüllt. Somit ist er nun mindestens ein Jahr haltbar. Insgesamt konnten wir 80 Liter Saft herstellen.

Bei der Herstellung von Saft fällt sogenannter „Trester“ an. Das sind die ausgepressten Apfelreste. Diese trockene Masse wird meist weggeworfen. Das wollten wir verhindern und haben daraus Apfeltee hergestellt.

 

Apfeltee

Hierzu haben wir den Trester auf Bleche verteilt und im Dörrautomaten getrocknet. Durch diesen Prozess des Trocknens wird das Produkt haltbar und beschert uns den ganzen Winter über frischen Apfeltee. Gerne verfeinert mit Zimtstangen, Vanille und was sonst das Herz begehrt.

Es braucht nicht zwangsläufig einen Dörrautomaten. Trocknen kann man auch im Backofen oder im Sommer in der Sonne, auf einem schlecht isolierten Dachboden oder sogar auf einem Backblech im Auto hinter der Windschutzscheibe.

 

 

Apfelringe

Unglaublich lecker und eine gesunde Süßigkeit für zwischendurch. Für diese Leckerei haben wir die Äpfel in Ringe oder Spalten geschnitten und sie ebenfalls anschließend gedörrt, bis sie richtig schön knusprig waren. Wer es lieber etwas ledriger mag, verkürzt die Trockenzeit entsprechend.

 

 

Darüberhinaus haben wir Apfelgelee hergestellt und einige leckere Kuchen gebacken. Äpfel, die im Nachhinein noch von den Bäumen gefallen sind wurden frisch verzehrt bzw. gelagert.

 

 

Unser Frauenblog ,,Weggefährtin“ ist eine monatlich erscheinende Kolumne von Frau zu Frau in unterschiedlichen Ausprägungsformen auf der Netzseite des III. Wegs, die unser Wirken und Sein innerhalb der Partei ergänzend darstellt.

Bei Interesse: Weggefaehrtin@der-dritte-weg.net





1 Comment

  • Twister Weinapfel …….sehr alte Regionalsorte oder Rheinischer Bohnapfel

    Ewald Ehrl 07.11.2018