Drei Wochen Thailand

Muay Thai gehört zu den brutalsten Kampfkünsten der Welt. Nicht umsonst findet man auch viele dieser Techniken in verschiedenen Selbstverteidungssystemen. Einzig das sogenannte Lethwai aus dem Nachbarstaat Myanmar, bei dem zusätzlich Kopfstöße legitim sind, wirkt noch gefährlicher.

Aber wie bereits in unserem Artikel über diese exotische Kampfkunst aus Südostasien beschrieben, steckt dahinter nicht nur unüberlegte Gewalt, sondern eine jahrhundertealte Entwicklung und Ansammlung traditioneller Kampfsportarten aus Thailand.

Ellbogen-Knie-Faust und Schienbein, das ganze mal zwei ergeben acht Waffen, welche im ursprünglichen Muay Thai Boran erst eingesetzt wurden, wenn die Kurz, – und Langwaffen Schwert, Säbel und Speer unbrauchbar wurden. In unseren Breitengraden findet man leider selten gute Kampfkunstschulen, welche das Muay Thai und das Muay Thai Boran in seiner ursprünglichen Form anbieten. Des Öfteren werden in europäischen Akademien traditionelle Techniken verfälscht oder durch Box,- und Kickboxstile so abgeändert, dass das Muay Thai seinen eigentlichen Geist verliert.

 

Wie also lernt man nach ursprünglicher Art seine acht Waffen im Kampf einzusetzen?

Eine Antwort auf diese und weitere Fragen liefern vier junge Kämpfer aus Mittelsachsen.

 

Glück auf! Ich stürze gleich mit der Tür ins Haus:

Was hat euch dazu getrieben, nach Thailand zu fliegen und drei Wochen am Stück im tropischen Klima Leistungssport zu treiben? Betreibt ihr schon länger Kampfsport?

 

G` auf.

Der hauptsächliche Grund, um 8915 km in die Ferne zu reisen war der, dass man seine Kampfsportfähigkeiten verbessern wollte. Nirgendwo lernt man den Sport besser als da, wo seine Wurzeln liegen. Man kann sich während dieser Zeit vollständig darauf fokussieren und muss ihn nicht nebenher im Alltag meistern. Außerdem ist es angenehm, in kalten Monaten für ein paar Wochen ins Warme zu entfliehen. Da in unserer Region dieser Sport weniger vertreten ist als z.B. Kickboxen, bot es sich natürlich an, im Mutterland des Muay Thai zu trainieren, um es von wahren Meistern des Sports zu lernen. Man fährt ja auch nicht in den Spreewald, um Schweizer Schokolade zu kaufen.

 

Mit welchen Vorkenntnissen seid ihr in dieses Erlebnis gestürzt und welchen Erfahrunsgrad sollte man besitzen, um diesen Kampfsport in seinem Ursprungsland zu trainieren?

 

Unsere Gruppe war eher ein bunter Haufen, natürlich bezogen auf die Kampfsportvorkenntnisse. Dabei waren erfahrene Thaiboxer, welche bereits zum 6. Mal in Tahiland und zum 2. Mal in dieser Region waren, Boxer und Rummelschläger. Also waren ziemlich harte Hunde am Start. Die ganze Härte nützte aber nichts, als es früh am Morgen zum Training losging. Die erste Hürde war natürlich das Klima und die tropische Luftfeuchte, welche dem europäischen Körper zu schaffen machte. Von Vorteil ist hier eine ausreichende Grundfitness, um das Training durchzuhalten und trotzdem aufnahmefähig zu bleiben.

 

 

Wie war eure körperliche Verfassung bzw Fitness nach den ersten Tagen / Wochen? Einige von euch wollen dieses Jahr an Wettkämpfen teilnehmen? War das Training diesbezüglich nützlich? Es sind schließlich nicht alle Techniken aus dem Muay Thai in westlichen Kampfsportarten erlaubt (Bsp. Ellbogen). Wie wurde der Trainingsalltag gestaltet?

 

Das Gruppentraining war so aufgebaut: ca. 15 min Seilspringen, dann ein paar Runden im Gym laufen, Dehnen, Begrüßung, 3-5 Runden Schattenboxen, 5 Runden Sandsack, 5 Runden Pratzenarbeit, Techniklektion (Tritte, Ellbogen, Klinschen usw.) oder Sparring, Dehnen, Verabschiedung. Dies konnte man sich Montag bis Sonnabend zweimal täglich gönnen, wenn man es wollte. Unsere Reisegruppe hat die erste Woche zweimal täglich das Gruppentraining absolviert und die zweite und dritte Woche einmal täglich Gruppentraining und 1x Einzeltraining. Die Trainer vor Ort haben recht schnell erkannt, wer kampfsportliche Erfahrungen hat und wer nicht und einen dementsprechend hart oder weniger hart an den Pratzen rangenommen. Wenn sie sahen, dass jemand keine Erfahrung hatte, dann musste man drei Tage die Grundlagen des Sports trainieren.

 

 

Das Gruppentraining war natürlich super für die grundlegende Fitness, da in diesem Klima der Körper besonders gefordert und einem regelrecht die Luft geraubt wurde, daran gewöhnte man sich nach ca. 1 Woche, welche die härteste von allen war. Danach geht es konditionell schnell bergauf. Des Weiteren hatte man die Möglichkeit, sich einen der Trainer zu wählen, um ein Einzeltraining zu bestreiten. Darin wurde besonders auf die klassische Technik und die korrekte Ausführung des Muay Thai eingegangen. Nach drei Wochen Körperertüchtigung sah man natürlich schon technische und körperliche Fortschritte bzw. hatte sich Vergessenes wieder ins Köpfchen gerufen.

 

 

Das mit den Techniken aus Thailand ist natürlich ein Problem, da bei uns so gut wie nie nach Muay Thai Regelwerk gekämpft wird. Trotzdem bringt das Training für Physis und Kondition ungemein viel.

 

Welche anderen Aktivitäten lässt die Urlaubsregion Khao Lak zu? Beschäftigt man sich auch außerhalb des Trainings mit Kampfsport?

 

Außerhalb des Trainingsalltages konnte man seinen weißen europäischen Körper an einem der zahlreichen und wunderschönen Strände, welche zum Glück noch nicht überfüllt sind, ablegen. Einmal in der Woche konnte man in der örtlichen Arena traditionelles Muay Thai bewundern. Natürlich beschäftigt man sich auch außerhalb des Trainings mit dem Sport und wertet seine Einheit aus, oder man schaut den anderen dabei zu. Außerdem kann man die ganzen Märkte und kleinen Imbissstände mit dem Roller abklappern, um seinen kulinarischen Horizont zu erweitern, sich an den Thai Style beim Essen herantasten oder die Gegend erkunden. Lohnenswert ist es auch, sich in den Dschungel zu begeben, um die Flora und Fauna zu erleben oder eine Angeltour aufs Meer zu veranstalten.

Jetzt noch ein paar abschließende Worte zu eurer Erfahrung in Thailand:

 

 

 

Würdet ihr diese Art von Training weiterempfehlen?

 

Als Fazit können wir nur sagen, dass es sich lohnt nach Thailand zu fahren, um seine Kampfkünste, Fitness, englische Sprache zu verbessern und seinen Horizont zu erweitern. Man sollte sich nach kleinen Gyms umschauen, da diese weniger mit Touristen gefüllt sind. Dort ist die Qualität eine andere und bessere, als in den bekannten und überlaufenen Gyms. In den größeren bekommt man diese Qualität nur, wenn man als Kämpfer bekannt ist oder Einzelunterricht bucht.

Man kann dies auch als allumfassende Bildungsreise betrachten frei nach dem Dichter Juvenal:

Mens sana in corpore sano„.

 

Außerdem ist es eine gelungene Auszeit zum deutschen Alltag. Dort trifft man so gut wie keine Thailänder, die mit einem großstädtischen Regengesicht durch die Welt spazieren und jeder dem Anderen ein Feind zu sein scheint. Nein, die haben echt gute Laune, obwohl die keinen „westlichen Standard“ vorzuweisen haben und das steckt an. Von dieser Gelassenheit und Lebensfreude sollte sich jeder Europäer , der dort war etwas mit nach Hause nehmen. Jedoch mussten auch wir feststellen, dass der Westen Einzug hält und die Menschen sich dementsprechend verändern. Schuld daran ist, wie überall, Geld und Gier.