Die Weggefährtin #038: Wir trugen das “Licht für Dresden” Die erste Etappe aus Sicht einer Frau

Fulda DenkmalFulda/Bamberg – Bereits im dritten Jahr in Folge wurde das “Licht für Dresden” von unserer Partei “Der III. Weg” weitergetragen.

Nicht nur Dresden wurde -insbesondere während der letzten sieben Kriegsmonate- Opfer des alliierten Bombenterrors, auch viele andere Städte wurden nahezu vollkommen zerstört.
Ziel der Aliierten war es, hauptsächlich die Frauen, Kinder und Greise mittels Phosphor- und Sprengbomben zu vernichten.

“Der III. Weg” gedenkt jedes Jahr der unzähligen Opfer und zerstörten Kulturgüter, indem er das “Licht für Dresden” weiterträgt in eine andere, von dem Bombenterror betroffene Stadt.

Vom 25. Januar 14:00 Uhr bis zum 27. Januar frühmorgens um 4:50 Uhr, liefen die Aktivisten aus den verschiedensten Stützpunkten in fünf Etappen und mehreren Gruppen von Fulda nach Bamberg, wo dann die letzte Gruppe um 4:51 Uhr der Stadtverwaltung Bamberg die Anmeldung für die Gedenkveranstaltung zustellen konnte.

In 39 Stunden wurde das Licht über Berge bis zu 950 Höhenmeter, durch Schnee und Eis, durch Dunkelheit und Kälte 161 km weit bis Bamberg getragen.

Normalerweise laufen aufgrund der Strapazen regelmäßig nur die männlichen Kameraden diese Strecke. Dieses Mal wagten sich auch zwei Kameradinnen an den strapaziösen Marsch, eine davon die 49-jährige Aktivistin Michaela aus dem Gebiet Sauerland-Süd.

 

Hier ihre Anmerkungen zu der ersten Etappe von rund 32 km “aus Frauensicht”:


“Ich empfinde es als eine Herzensangelegenheit, der Opfer des unfassbar grausamen alliierten Terrors zu gedenken. Insbesondere die Engländer und Amerikaner wollten das deutsche Volk endgültig bis zum letzten Kinde von der Erdkugel tilgen. Die erste Atombombe, welche ja ursprünglich für Deutschland geplant war, stand bereits bereit. Ab November 1944 ging ein wahrer Hagel an Spreng- und Phosphorbomben auf die Zivilbevölkerung nieder. Meine eigene Familie war von Flucht, Gewalt und Feuerstürmen (Hamburg) betroffen und es schmerzt mich zutiefst, dass ein Gedenken an dieses Leid in diesem Land dermaßen bekämpft wird.

Vor einigen Wochen wurde ich von unserem Stützpunktleiter gefragt, ob ich auch mitlaufen wolle. Dies wollte ich sehr gerne, hatte jedoch Bedenken, ob ich die Strecke von etwa 32 Kilometern bewältigen könne. Junge Männer, die gut in Form sind und lange Beine haben, haben es da ja doch leichter, als eine fast 50-jährige kleine kurzbeinige Frau, die insbesondere Steigungen nun gar nicht gewohnt ist. Die Jungs unseres Stützpunktes ermutigten mich “Ach, das schaffst du schon, wir kriegen dich schon die Berge hoch”, und so sagte ich zu.

Ich bepackte also meinen Rucksack mit Wasser, belegten Broten, Koffeinschokolade und Traubenzucker, einer Regenjacke, einer zweiten Mütze und einer zusätzlichen Parteistrickjacke, falls einer der Kameraden dies bräuchte (was dann auch in der Kälte ab 800 Höhenmeter eintrat).
Hinsichtlich der zu erwartenden Temperaturen kleidete ich mich im vierfachen Zwiebelverfahren.

 

Wir starteten am 25.01. um 14:00 Uhr an der Kriegsgräberstätte des Zentralfriedhofs Fulda.

 

 

Der Dritte Weg in Fulda

 

Die ersten sechs Kilometer mussten wir an der Straße entlanglaufen, aus Fulda hinaus und durch das nächste Dorf hindurch. Was für die Kameraden mit ihren langen Beinen ein Spaziertempo war, stellte sich für mich bereits als Laufschritt heraus. Nach den ersten zwei Kilometern fragte mich ein Kamerad bereits, ob ich ein Sauerstoffgerät bräuchte, was allgemeines Gelächter, auch bei mir selbst und über mich selber, hervorrief.

 

Nach 10 km

 

Als wir nach sechs Kilometern endlich auf angenehmeren und ruhigeren Wald- und Wiesenpfaden gingen, war ich sehr froh. Bis dann die ersten Steigungen kamen… wir mussten zunächst auf 770 über mehrere Kilometer verteilte Höhenmeter hoch, was mein Schritttempo stark verlangsamte. Ein Kamerad blieb neben mir und ermutigte mich, sodass ich, wenn auch keuchend wie eine Dampflok, die nächste Hochebene erreichte.

Auf dem Giebelrain war die Aussicht zum Innehalten schön und so gab es etwa zwei Minuten Gelegenheit, einen Schluck zu trinken und in einen Fruchtriegel zu beißen.

 

Am Giebelfeld nahe Dietershausen

 

Und schon ging unser Stützpunktleiter erneut schnellen Schrittes voran, immer die Uhrzeit und das Ziel im Sinn. Hier dachte ich zum ersten Mal, hoffentlich haben wir jetzt die Höhenmeter geschafft, ich mache bald schlapp. Ich war ja nie beim Militär, musste nie in meinem Leben so über meine Grenzen hinausgehen und trotz Schmerz immer weiterlaufen.

Nach kurzer waagrechter und bergabführender Strecke zeigte man mir die bevorstehenden Höhenmeter auf der Wanderkarte im Mobiltelefon und zeigte auf einen weit entfernten steilwandigen Berg am Horizont, dessen Spitze in den Wolken verschwand. Panik machte sich in mir breit, während unser Truppenführer unerbittlich voranschritt. Natürlich, es sollte ja ein Marsch auf Zeit sein und kein Spaziergang, dachte ich bei mir, was meine Befürchtung, nicht am Ziel anzukommen, jedoch nicht minderte. Mittlerweile hatte ich zwei Kameraden an meiner Seite, die mir unermüdlich versicherten, zur Not würden sie mich die extreme Steigung zur “Wasserkuppe” hinauf, ziehen, schieben, tragen oder mir einen Stock suchen. Also lief ich weiter… ich wollte es ja UNBEDINGT schaffen.

Etwa um 18:30 Uhr standen wir am Fuß der “Wasserkuppe”, am Beginn eines steilen, vereisten Weges, der schnurgerade Richtung Bergspitze zeigte.

 

Wanderung durch Eis und Frost

 

Pause hatten wir bisher nicht gemacht, die Zeitvorgabe war straff und ab etwa 21:30 Uhr sollten die Kameraden des nächsten Trupps am vereinbarten Treffpunkt warten. Unsere Ankunft und die Übergabe des Lichts war für spätestens 23:00 Uhr geplant.

Uns stand aber noch der schlimmste Teil bevor. 400m steil bergauf klingt nicht besonders schlimm, aber bei Schnee, Eis und Kälte unaufhörlich bergauf zu steigen, ist wahrlich eine Anstrengung. Ein Kamerad reichte mir wie ein Kavalier seinen Arm und zog ein wenig, sodass ich Hilfe hatte bei diesem verschneiten und vereisten Weg. In gemeinsamem Schritt kämpften wir uns wie ein Gespann Richtung Fliegerdenkmal, welches auf der Spitze des Berges im Jahre 1923 errichtet wurde, um der im Ersten Weltkrieg gefallenen Fliegersoldaten zu gedenken.

 

Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe

 

Dort oben, es war stockdunkel und eiskalt, hielten wir tapfer unsere Stützpunktfahne hoch, wie man sieht, das Lächeln bekam ich nicht mehr hin aufgrund der Schmerzen in meinen Beinen. Aber…. GESCHAFFT!!!! Wir waren auf der Spitze!

Es sollte fortan also etwa 200-300 Höhenmeter bergab gehen und danach nur noch acht Kilometer teilweise leicht bergauf, die letzten sechs Kilometer überwiegend durch stockdunklen, vereisten und märchenhaft verschneiten Wald.

Da geschah etwas Unerwartetes in meinem Körper: ich spürte den Schmerz nicht mehr und bekam einen Adrenalinschub. Plötzlich fühlte ich mich voller Energie und wäre am liebsten noch 10 Kilometer mehr gelaufen! Und ich war so froh über die teuren, wasserfesten Bergwanderstiefel, die ich mir neu zugelegt hatte. Warme, blasenfreie Füße sind etwas Großartiges auf solch einer Tour! Ich übernahm in diesem Moment für eine Etappe durch den Wald das Licht, welches die Kameraden bisher getragen hatten, um mich zu entlasten.

Schon kam die Ansage unseres Frontmannes, er habe Nachricht von den Kameraden, sie seien ab 21:30 Uhr am Treffpunkt “Schwedenwall” in 770m Höhe, was unsere letzten Kräfte aktivierte. Wir konnten somit tatsächlich mehr als pünktlich das “Licht für Dresden” übergeben.

 

Übergabe Ein Licht für Dresden Rhön

Mein Fazit:

Ich fühlte mich nach dem Marsch großartig! Es war ein Hochgefühl, diese Herausforderung bewältigt zu haben. Dank an jenen Kameraden, der mich auf dem steilsten Weg zog, schob und motivierte, nicht aufzugeben. Hier wurde Zusammenhalt bewiesen und so sind alle ans Ziel gekommen.
Ich würde mir sehr wünschen, dass sich mehr Frauen dieser Herausforderung annähmen. Denn auch wir Frauen müssen eines Tages in guter Form sein, stark und entschlossen. Allerdings empfehle ich eine bedachte Vorbereitung. Gute wasserdichte Wanderschuhe sind neben ausreichend Wasser das Wichtigste.

 

Unser Frauenblog ”Weggefährtin” ist eine regelmäßige erscheinende Kolumne von Frau zu Frau in unterschiedlichen Ausprägungsformen auf der Netzseite des III. Wegs, die unser Wirken und Sein innerhalb der Partei ergänzend darstellt.

Bei Interesse: [email protected]





1 Kommentar

  • Es ist schon ein beeindruckender Text, den die Kameradin hier verfasst hat. Sie hat lebhaft ihr Erleben des Marsches festgehalten. Schön, dass es solche Frauen und Kameradinnen in unserer Bewegung gibt.

    Jägermeister 15.02.2020
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