Reise nach Estland (1/3)

Schaubild 1: Quelle: Wikipedia

Eine Reisegruppe von Sympathisanten und Förderern unserer Bewegung trat kürzlich eine Reise nach Estland an. Am 24. Februar ist der Unabhängigkeitstag Estlands, welcher groß und öffentlich gefeiert wird. Einen Tag zuvor fand die Etnofutur IV Konferenz statt. Letztes Jahr sprach dort unter anderem Olena Semenyaka, welche auch hier im Radio zum Gespräch war1 und bei Jugend im Sturm2 auftrat. Dieses Jahr betraten verschiedene Nationalisten die Bühne ebenso wie der estnische Finanzminister (!). Vergleichbares ist hierzulande undenkbar.

Die Anreise erfolgte bereits früher, um mehr Zeit für einige Denkmäler zu haben. Die Staatsmacht hielt direkt am Flugzeugeinstieg gezielt nach Kameraden Ausschau, um diese am Einstieg zu hindern. Die Argumentationen und Handlungen der Bundespolizei unterschieden sich dabei von denen anderer Flughäfen, welche unsere Kameraden an Reisen ins Ausland hinderten.

 

 

Estland

Estland ist das nordöstlichste Land der baltischen Staaten. Angrenzend an Russland war der Beitritt zur NATO von strategischer Bedeutung für das kleine Land. Mit 1,3 Millionen Einwohnern ist das Land dünn besiedelt, denn alleine in der Hauptstadt Tallinn leben 400.000 Einwohner. Die Beschaffenheit Estlands kann sicherlich als ureuropäisch bezeichnet werden: über 50% sind bewaldet, über 20% sind Seen, die Wälder beherbergen auch Bären und es gibt viele Inseln. Weniger als 30% bekennen sich zum Christentum. Die Sprache ist estnisch und es wird vermutet, dass etwa 22%-25% des estnischen Vokabulars deutschen Ursprung hat (aus dem Hochdeutsch und Mittelniederdeutsch), bedingt durch den Deutschen Orden.

Die Geschichte Estlands ist vielseitig, es war unter dänischer, deutscher, polnischer, litauischer, schwedischer und russischer Besatzung, vielleicht sogar noch mehr. Durch die Deutschbalten gab es immer Verbindungen nach Deutschland und sie waren immer an Entwicklungen in Sprache, Kunst und Kultur beteiligt.

Alle getroffenen Esten sprachen Englisch, die meisten ebenso Russisch, einige konnten fragmentarisch Deutsch.

Tallinn

Die Hauptstadt Tallinn gilt als Visitenkarte Estlands, bei der sich junge und alte Gebäude aneinanderschmiegen und es zu fast allem eine Sage gibt. Tallinn hieß bis zur Erlangung der Unabhängigkeit 1918 Reval (im deutschsprachigen Raum noch länger) und hatte davor noch andere historische Namen. 1248 wurde das Lübecker Stadtrecht ausgesprochen und Reval galt damit als freie Stadt. Die Geschichte als Hansestadt kann man noch einigen Gebäuden entnehmen (siehe Schaubild 2). Ebenso lassen sich damit die teils weiterhin bestehenden Verbindungen zur deutschen Kultur erklären.

 

Schaubild 2: Ein altes Hansegebäude mit Flaggen anderer Hansestädte

 

Generell ist die Altstadt in einem schönen Zustand und nicht ohne Grund Weltkulturerbe. Insbesondere die Stadtmauer ist gut erhalten und restauriert. Jede der kleinen Türme und Türen der Stadtmauer hat seine eigene kleine Geschichte.

Es sei erwähnt, dass Tallinn auch viele Kirchen hat, wobei jede in irgendeinem Punkt einzigartig ist.

Ein besonderes Augenmerk verdient noch das Monument der Opfer des Kommunismus‘. Estland verlor etwa ein Fünftel (!) der Bevölkerung durch die kommunistische Herrschaft und das war nicht der erste Genozid, den das Land erleiden musste. Das Denkmal ist modern gehalten, dennoch sinngebend, was heute nicht mehr selbstverständlich ist (man schaue nur nach Berlin). Am Eingang befindet sich eine Tafel in estnischer, englischer und russischer Sprache (siehe Schaubild 3).

 

Schaubild 3: Erklärung des Denkmals für die Opfer des Kommunismus’

 

Überraschend ist dabei der Ton, in dem der russische Text verfasst wurde. Dort ist von „sowjetischem Terror“ ebenso wie von „Horror“, „Besatzung“, „Mord“, „unmenschlichen Bedingungen“, „Lagern“, „Exekutionen“ und „Genozid“ die Rede. Das ist ungewöhnlich für postsowjetische Republiken. Meistens wird ein wesentlich milderer Ton angestimmt. Zum Vergleich Torgau (Sachsen) mit seinem sehr gepflegten und belichteten Denkmal im Zentrum und der Inschrift (übersetzt): „Ewiger Ruhm den Helden der Roten Armee, gefallen für Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Heimat im großen Krieg gegen die faschistische Unterdrückung der Völker Europas 1941-1945“. Dabei wurde der historische Handschlag zwischen Robertson und Silwaschko dort einen Tag später nur nachgestellt, da am eigentlichen Ort zu viele Leichen die Wegränder zierten.

Das Denkmal in Tallinn zeigt ferner eine schier unendliche Zahl von Opfern (siehe Schaubild 4), welche hier ihre letzte Ehre finden, die Rede ist von 22.000 Namen. Weit größer ist die Zahl der Unbekannten. Einige Blumen zieren den ein oder anderen Gedenkstein. Die Denkmalanlage ist weit größer, eine Reise ist lohnenswert und mit dem Bus schnell zu erreichen.

 

Schaubild 4: Einige Namen der Gefallenen unter der sowjetischen Besatzung

 

Ebenso haben Esten aus dem ganzen Land den Fernsehturm während der Unabhängigkeitserklärung (1991) gegen die Sowjets verteidigt, eine kleine Gruppe verbarrikadierte sich im Funkraum, um die Übertragung aufrechtzuerhalten. Es verwundert, dass trotz dieses Bewusstseins der Ereignisse sich derart viele Russen (etwa 24%) ansiedelten bzw. nicht nach dem Fall der Sowjetunion aus Estland emigrierten wie es beispielsweise in Ungarn der Fall war.

Netzfund: hier gibt es über 800 Digitalisierungen der Nevaler Zeitungen auf Deutsch von 1942-1944. Vielsagende digitalisierte Zeitzeugen.

 

Narwa

Narwa gilt, je nachdem welches Buch man liest, als Ort der Schicksalsschlacht im Osten des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1944 um die Landbrücke zwischen dem finnischen Meerbusen und dem Peipussee. Anschließend erfolgte die Schlacht der Tannenbergstellung. Es ist ratsam, sich den Verlauf und die Mannstärken der Schlacht durchzulesen, um ein Gefühl für diese und die Leistung der Soldaten zu bekommen.

 

 

Schaubild 5: Soldatenfriedhof Narwa

 

Die Anreise nach Narwa erfolgte mit dem Zug, der günstig war und pünktlich kam. Die Stadt liegt direkt an der Grenze zu Russland und ist das Zentrum der russischsprachigen Minderheit (95% der Einwohner). Daher war es nicht verwunderlich, dass die russische Sprache in den Straßen zu vernehmen ist. Der Grenzverkehr wird dieses Verhalten bestärken.

Der Soldatenfriedhof ist gut zu erreichen, eindrucksvoll und gepflegt. Dort liegen derzeit über 10.000 Tote. Der Friedhof wurde bereits 1943 als Soldatenfriedhof eröffnet, als bereits 4.000 Tote bestattet wurden. Bis 1999 wurde er entsprechend vom Volksbund als zentrale Ruhestätte der Gefallenen der Narwa-Front erweitert. Einige Eindrücke sind Schaubild 5 zu entnehmen. Falls eine Reise nach Estland angetreten wird, so sollte ein Tag für den Besuch Narwas und die Ehrung der Toten eingeplant werden.

 

Schaubild 6: Hermannsfeste und Iwangorod

 

 

Ansonsten ist Narwa als östlichste Stadt der europäischen Union natürlich sehr gepflegt, zumindest an der Grenze. Man möchte dem eintreffenden Transitverkehr eben gleich zeigen, wie schön die EU ist. Ferner ist die Festung „Herrmannsfeste“ sehenswert, welche dänischen Ursprung hat und kurz später von den Teutonen (Schwertbrüderorden) erworben und verwaltet wurde. Sie liegt direkt am Fluss Narva, welcher die Grenze zu Russland kennzeichnet. Auf russischer Seite, direkt gegenüber befindet sich die „Festung Iwangorod“. Über den trennenden Fluss schwebt die Grenzbrücke mit einer schier unendlichen Kette von LKWs entlang. Diese Komposition ist durchaus eindrucksvoll.

Anmerkung: Die Aufnahmen Narwas stammen von einem anderen Besuch des letzten Jahres.

 

 

Fortsetzung folgt…

 

 

1 ZUM NACHHÖREN: Revolution auf Sendung #0012 vom 22. Oktober 2018

2 Rede von Olena Semenyaka beim “Jugend im Sturm”-Festival

 





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