Sanofi: Pharmakonzern wollte USA bei Impfstoffvergabe bevorzugen

Beitragsbild Fakten Einschätzungen Strategien bei der Corona-KriseDer französische Pharmakonzern Sanofi plante die USA und China bei der Vergabe eines neuen, möglichen Corona-Impfstoffes zu bevorzugen. Dies begründete der Vorstandsvorsitzende Paul Hudson damit, dass die beiden Länder mehr finanzielle Mittel bereitgestellt hätten. Offenbar hat erst die Androhung von finanziellen Einbußen auf dem europäischen Markt den Präsidenten von Sanofi, Serge Weinberg, zurückrudern lassen. Nun will Sanofi das Produkt doch „überall gleichzeitig“ anbieten. Unterdessen kommt immer mehr Kritik an der Impfstrategie gegen Covid19 auf.

 

Geld regiert die Welt – Impfstoff könnte an den Meistbietenden verschachert werden

Am 14. Mai gab der Vorstandsvorsitzende des Sanofi-Konzerns, der Brite Paul Hudson, bekannt, dass die USA Vorzugsrechte auf einen möglichen neuen Corona-Impfstoff hätten. „Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Recht auf die größte Vorbestellung, denn sie hat investiert, um die Risiken zu teilen“ sagte Hudson in einem Interview gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. In Amerika wird die Pharmaindustrie stark subventioniert durch die Behörde Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA). Sanofi hatte von der BARDA im Rahmen der jüngsten Vorvereinbarung 30 Millionen Dollar erhalten. Auch China sollte gemäß den Vorstellungen von Hudson bevorzugt werden. Hinter der Ankündigung, Großzahler bei der Impfstoffvergabe zu bevorzugen, steckte offenbar auch der Plan, noch höhere Finanzzuschüsse von den europäischen Regierungen zu erpressen. So forderte Hudson Europa auf, eine „Debatte“ zu starten, und sagte weiterhin: „Lasst Europa nicht zurückfallen!“

Die Produktion des internationalen, pro forma französischen, Großkonzerns liegt überwiegend in Europa. So verwundert es nicht, dass in Europa unverzüglich ein Sturm der Entrüstung losbrach. Insbesondere die französische Regierung stemmte sich vehement gegen eine Auslieferung von in Europa produziertem Impfstoff nach Amerika. Auch in Deutschland stießen die Absichten von Sanofi auf Kritik. So drohte der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich damit, Sanofi generell vom deutschen Arzneimittelmarkt auszuschließen. Allein auf dem deutschen Arzneimittelmarkt wurden im vergangenen Jahr 46,4 Milliarden Euro umgesetzt. Der amerikanische „Markt“ könnte in Krisenzeiten schlappmachen. Da es in Amerika keine gesetzliche Krankenversicherung gibt, müssen die Amerikaner für Medikamente oder ärztliche Behandlungen selbst aufkommen. Millionen Amerikaner haben jedoch ihren Arbeitsplatz und damit häufig auch jede Absicherung verloren. In Europa sind die gesetzlichen Krankenkassen verhältnismäßig besser aufgestellt, sodass hier konstant Geld verdient werden kann. In Summe gesehen sind daher die USA, aufgrund ihrer staatlichen Subventionen, und Europa aufgrund seiner gesetzlich versicherten „Kunden“ ähnlich wichtige „Märkte“ für Konzerne wie Sanofi. Serge Weinberg, Präsident von Weinberg Capital Partners und Präsident von Sanofi beeilte sich daher, zu beschwichtigen. Der Impfstoff solle überall gleichzeitig verfügbar sein. Experten rechnen mit einer Verfügbarkeit des Impfstoffes nicht vor 2021.

 

Impfung – Ausweg aus der Corona-Krise?

Die meisten Länder der Welt versuchen, mit Ausgangssperren, Mund-Nasen-Bedeckungen und Desinfektionsmittel die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. So soll verhindert werden, dass die oftmals kaputt gesparten Gesundheitssysteme zusammenbrechen. Anfangs hofften einige Politiker, dass eine langsame Ausbreitung des Virus dazu führen würde, dass genügend Menschen Antikörper entwickeln würden. Das Problem: Dank der rigorosen Schutzmaßnahmen konnte sich das Virus kaum ausbreiten. So wurde zwar bislang verhindert, dass deutsche Krankenhäuser überlastet werden, jedoch konnten auch kaum Menschen Antikörper entwickeln. Aus diesem Grund versucht die Politik nun, eine zweite Welle des Corona-Virus zu verhindern und lockert daher die Schutzmaßnahmen nur äußerst zögerlich. Weiterhin ist der Alltag der Menschen in Deutschland daher stark eingeschränkt.

Wir berichteten bereits vor einiger Zeit über den sogenannten „schwedischen Sonderweg“.

Schweden verzichtet auf drastische Verbote und den sogenannten „Shutdown“. Schulen, Bars, Restaurants und Geschäfte blieben in dem skandinavischen Land geöffnet. Wie ist die Lage in Schweden einen Monat später? Auf der einen Seite hat Schweden verhältnismäßig hohe Todeszahlen zu beklagen. Mit 3256 Corona-Toten am 11. Mai hatte das Land mehr als dreimal so viele Todesfälle wie seine Nachbarländer Dänemark (529), Finnland (271) und Norwegen (219) zusammen. Auf der anderen Seite gingen die schwedischen Gesundheitsbehörden davon aus, bereits Ende April in der Region Stockholm das Schlimmste überstanden zu haben. Etwa ein Viertel der Hauptstadtregion sollen sich bis Anfang Mai bereits infiziert haben. Das Virus hat sich in Schweden offensichtlich schneller verbreitet, als in Ländern mit harten Eingriffen in das öffentliche Leben. Um dies zu beweisen, testet Schweden derzeit auch Menschen ohne Corona-Symptome. In zwei Stockholmer Altersheimen wurden sämtliche Bewohner getestet. Das Ergebnis: Von 54 Personen ohne Symptome waren 20 bereits positiv. Viel deutet also daraufhin, dass Schweden die Herdenimmunität bereits bald erreicht haben könnte. Schweden muss sich daher weder um einen Impfstoff bemühen, noch eine mögliche zweite Corona-Welle fürchten. Selbst der WHO-Exekutivdirektor Ryan musste gestehen: „Ich denke also, dass wir vielleicht von unseren Kollegen in Schweden etwas lernen können“

Kritiker des „schwedischen Sonderwegs“ verweisen auf die hohen Todeszahlen. Diese sind vor allem auf die hohen Fallzahlen in schwedischen Altersheimen zurückzuführen. Eigentlich plante Schweden, die klassische Risikogruppe pflegebedürftiger alter Menschen besonders zu schützen. Daher wurden auch in Schweden Besuche in Altersheimen untersagt. Doch offensichtlich ist es nicht gelungen, die alten Menschen effektiv zu schützen. Doch, wie überall weltweit, dürfte dies vor allem an jahrelanger kapitalistischer Misswirtschaft liegen. Obwohl Schweden ein verhältnismäßig reiches Land ist, hat man es versäumt, den Pflegesektor unter staatlicher Kontrolle zu behalten. Stattdessen wurde an der Versorgung der alten Generation gespart und privatisiert, wo es nur ging. Die schwedische Zeitung Aftonbladet schrieb: “Wir waren das schlechteste aller nordischen Länder, als es darum ging, unsere Alten zu retten” und “Gier und Privatisierung erweisen sich nun als tödlich.” Eine Ärztin berichtete gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass es in schwedischen Altersheimen an allem fehlt. So wurden in einem Heim Gummis an Papierservietten getackert und die Servietten als „Mundschutz“ verwendet. Somit kann man festhalten, dass der „schwedische Sonderweg“ ein voller Erfolg geworden wäre, wenn Schweden auf soziale Gerechtigkeit statt auf „soziale Marktwirtschaft“ bauen würde.

 

Ein Weg auch für Deutschland?

Wenn man in Deutschland einen Zusammenbruch des Gesundheitswesens fürchtet, dann steckt sicherlich ein Kern Wahrheit dahinter. Denn auch in Deutschland findet eine schleichende Privatisierung statt und das Gesundheitswesen wird immer mehr zum Spekulationsobjekt degradiert. Dennoch verfügt Deutschland vor allem dank einem traditionellen Sozialstaat und dank der überragenden Schaffenskraft unseres Volkes über ein verhältnismäßig gutes Gesundheitswesen. Daher wäre der „schwedische Sonderweg“ wohl auch für Deutschland eine Option. Der bisherige Plan, möglichst viele Menschen zu impfen, hat unabhängig von der Impfdebatte (die an dieser Stelle nicht geführt werden soll) einen Haken. Auch wenn der Impfstoff 2021 entwickelt und in nötiger Dosierung hergestellt und geliefert ist, würde es lange dauern, bis die nötige Anzahl an Menschen geimpft wäre. Experten rechnen damit, dass in Deutschland etwa 60 Millionen Menschen geimpft werden müssten.

Im günstigsten Fall könnten pro Arbeitstag etwa 60 000 Menschen geimpft werden. Das entspräche dann etwa 1000 Arbeitstagen. Es würde also mehr als vier Jahre dauern, bis die Schutzmaßnahmen aufgehoben werden könnten. Vier Jahre ohne Kölner Karneval, ohne Münchner Oktoberfest, ohne Leipziger Buchmesse und ohne Zuschauer in der Bundesliga? Ein Szenario, dass wohl nicht nur viele Deutsche in den Widerstand treiben würde und unabsehbare Folgen für das öffentliche und wirtschaftliche Leben hätte. Unabhängig davon zeigt jedoch der Fall von Sanofi und der angedrohten Bevorzugung ausländischer Investoren die Notwendigkeit einer Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und dem Aufbau einer Europäischen Eidgenossenschaft.





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