Die ersten frostigen Nächte – Jetzt ist die Erntezeit für Schlehen gekommen

Die Schlehe bzw. der Schlehdorn (auch unter dem Volksnamen Schwarzdorn bekannt) ist ein sehr häufig vorkommender Wildobststrauch. Der Name verrät bereits, dass man zum Sammeln Handschuhe tragen sollte, denn die Zweige des Schlehdorns enden in echten Dornen, in der Erscheinungsform ähnlich wie man sie von Zwetschgenbäumen kennt.

Das verwundert nicht, da die Schlehe eine Wildform ist. Auch ihre Früchte ähneln sich: So sind die Früchte der Schlehe ebenfalls dunkelblau, bedeckt mit weißem Reif. Verwendet werden können Blätter, Blüten und Früchte. Hier soll es aber nur um die Verwendung der Früchte gehen.

Achte beim Sammeln darauf, dass die Sträucher nicht unmittelbar an Straßen oder bewirtschafteten Feldern stehen, damit dein Sammelgut möglichst gering mit Schadstoffen belastet ist. Schlehdorn findet man auch in Naturschutzhecken, hier sollte man natürlich auch nicht sammeln. Gehe beim Sammeln achtsam mit der Natur um! Als Behälter eignet sich ein Korb oder ein Eimer. Die Früchte sollen nicht matschig werden, bevor du sie gewaschen hast, ungeeignet sind daher Plastiktüten. Damit Wildtiere auch noch ausreichend Früchte für den Winter haben, sammle nur soviel, wie du auch verarbeiten willst und ernte an verschiedenen Stellen.

Gesammelt werden die Früchte nach den ersten Nachtfrösten. Dies hat den Hintergrund, dass sie erst durch den Frost genießbar werden. Den Frost kann man auch künstlich erzeugen, in dem man die gesammelten Früchte in die Gefriertruhe legt. Durch den Frost werden die Gerbstoffe zu einem Teil abgebaut und machen die Frucht erst genießbar. Verzehrt man die Früchte vor dem ersten Frost, sind sie sehr sauer und bitter und hinterlassen ein pelziges Gefühl im Mund.

Das pelzige Gefühl wird durch die Gerbstoffe der Frucht hervorgerufen. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend. Weinkenner bezeichnen diese Eigenschaft bei Weinen als Adstringenz. Es handelt sich dabei um eine Reaktion des Gerbstoffes der Früchte mit dem Protein der Mundschleimhaut und des Speichels.

Die Heilwirkung der Früchte

Die Früchte nutzt man aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe und dem hohen Anteil an Vitamin C. Außerdem sind Anthocyane enthalten, die für die dunkle Färbung der Früchte verantwortlich sind. Die Inhaltsstoffe der Früchte besitzen eine antioxidative Wirkung. Weiterhin wirken sie entzündungshemmend, so dass man die Schlehe gerne bei Entzündungen im Mund, aber auch bei rheumatischen Beschwerden einsetzt. Der Saft der Schlehe wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. Es lohnt sich also, einen Vorrat für die nahende Erkältungszeit anzulegen.

Nachdem die Früchte durch Frost einen Teil der Gerbstoffe abgebaut haben, können sie zur Herstellung von Likören, Wein, Mus oder Saft geerntet werden.

Schlehenlikör

Schlehenlikör

Benötigte Materialien und Zutaten:
Flasche
1 Liter Korn oder Wodka
300 g Kandiszucker
Gewürze nach Geschmack (Zimt, Vanille, ..)
300 g Schlehen

Zubereitung:
Nach dem Ernten werden die Schlehen gewaschen und zum Trocknen auf ein Geschirrtuch gelegt. Die Flasche wird vor dem Befüllen gründlich gereinigt und evtl. ausgekocht. Dann befüllst du die Flasche mit etwa 300 g Schlehen und 300 g Kandiszucker. Wenn du dem Likör noch zusätzliche Aromen beifügen möchtest, kannst du nach Belieben Gewürze in die Flasche geben. Die Flasche wird dann mit Korn oder Wodka aufgefüllt, gut verschlossen und für etwa 6 Wochen an einen dunklen und kühlen Ort gestellt.

Nach 6 Wochen ist der Likör gut durchgezogen. Die festen Bestandteile werden mithilfe eines Haarsiebes herausgefiltert.

Schlehensaft

Schlehensaft

Benötigte Materialien und Zutaten:
Flaschen mit Drehverschluß
2 große Töpfe
Sieb
Haarsieb
100 g Zucker
Saft einer Zitrone
1 kg Schlehen

Zubereitung:
Die Früchte werden zuerst gewaschen und danach in einen Topf gegeben. Nun übergießt du sie mit kochendem Wasser, schließt den Topf mit einem Deckel und lässt die Früchte einen Tag ziehen. Nach etwa 24 Stunden gibst du die Früchte in ein Sieb und fängst die Flüssigkeit in einem Topf auf. Die Flüssigkeit wird kurz aufgekocht und wieder über die Früchte gegeben. Diesen Vorgang solltest du mindestens 3x wiederholen. Zum Schluss wird der entstandene Saft mit Zitronensaft und Zucker aufgekocht und heiß in die sauberen und zuvor sterilisierten Flaschen abgefüllt.

 

Zur Sterilisation der Flaschen

Die Flaschen und Deckel werden zuerst gründlich per Hand oder in der Spülmaschine bei hoher Temperatur gespült. Danach kannst du die Flaschen und Deckel in einen Topf mit Wasser geben und für 10 Minuten auskochen. Alternativ kannst du bei größeren Mengen auch den Backofen zum Sterilisieren verwenden. Dafür werden die gespülten Flaschen bei 130 °C für mindestens 15 Minuten sterilisiert. Die Deckel werden separat in einem Kochtopf sterilisiert.





  • Ein sehr schöner Artikel mit brauchbaren Inhalten fürs eigene Leben. Aus eigener Erfahrung schmeckt der Schlehensaft, anders als gedacht, sehr fruchtig und lecker.

    Hedi 17.12.2020
  • Ich finde hervorragend ,dass ihr euch nicht nur als Naturfreunde bezeichnet ,sonders es auch lebt. Wir sind definitiv auf dem richtigen Weg.

    Hendrik 17.12.2020
  • Ich hatte vor knapp fünfzehn Jahren 13%igen Schlehenwein gemacht.
    Ihm wird nachgesagt, er sei ebenbürtig mit Rotwein.
    Ich sagesage: er ist viel besser!
    Aber richtige Reife und Geschmack erhält er erst nach einigen Jahren in der dunkelgestellten Flasche.

    Ron 16.12.2020
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