Von der Pflicht, gesund zu sein (Teil 2/4)

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Immer größer wird der Abstand zwischen mir und den Seiten aus dem goldenen Zeitalter, je mehr ich mich der geöffneten Tür nähere, in der die Dunkelheit nur schwer erkennbare Umrisse der Bestie zeichnet, deren zahnlose, aber zahlreiche Mäuler die gesamte Gülle menschlicher Degeneration ausspeien und es geschickt verstehen, den krankhaften und krank machenden Inhalt als verführerische Botschaften zu verschleiern.

Doch erkennt mein Geist die dämonischen Verheißungen des Monsters, welche im Flüsterton um die Köpfe des Volkes schwirren, bereit und angetrieben nur von dem einen Gedanken, nur von dem einen Ziel, die einst so reinen Seelen zu berühren und den schmatzenden Mäulern zuzuführen, auf daß diese unberührten Seelen als infiziertes Erbrochenes im Trog des Konsums landen.

Scharf prallen die Botschaften ab am Schildwall meines Geistes, der die Weihe des heiligen Buches aus der alten Zeit verinnerlicht und nunmehr verkörpert. Die Zeilen und Bilder, welche die vergilbten Seiten preisgeben, haben meine Seele mit jenem Rüstzeug ummantelt, das bereits die Idee des großen Reiches schirmte, wie auch den Geist der lakedaimonischen Kriegerstätte.

Die Straßen hinter der Tür geben all das preis, was sich seit der großen Zeitenwende vor einigen Jahrzehnten vom wehrhaften, kräftigen und gesunden Volkskörper hin zu einer fetten, untersetzten, zahn- und wehrlosen Masse deformierte. So gut die düsteren Tavernen und Spelunken in den Gassen mit der Quantität eines einstmals edlen Volkes gefüllt sind, so füllen sich diese aufgedunsenen Gestalten ihre Mägen, machen diese zu regelrechten Müllhalden und Tierfriedhöfen, kippen noch literweise Alkohol darüber und pressen sich mit schierer Sucht nach Völlerei bis in die letzten Windungen ihrer Eingeweide die verfetteten Leiber zu.

Kreischend, johlend, fluchend und schrill lachend, so gebärden sich diese wandelnden Krankheitssymptome, während ihnen zwischen ihren Sauf- Rauch- und Fressorgien die Leichensäfte aus den verschmierten Mundwinkeln tropfen und der Dunst nicht verdaubaren, toten Fraßes ihren Mäulern entfährt. Ihr Geist ist längst erloschen oder bereits derart verkümmert, daß er nicht einmal mehr eine existentielle Beleidigung dessen darstellt, was auch nur im Entferntesten einmal deutsch gewesen war. Ein loser Zellhaufen, keuchendes Fleisch, ein Herz, das nicht mehr pocht, nicht mehr schlägt, nur noch epileptisch zuckt.

Über allem aber zieht der Schatten des ewigen Tieres am Horizont herauf, wirft seine Dunkelheit durch die verschlungenen Straßen, in denen sich ein doch so großes Kulturvolk im Schlamm der Umerziehung und geistigen Umnachtung suhlt. Die Hydra nährt sich an den Verwirrungen abertausender, in die Irre geleiteter Geistesgestörter. Die glücklichen Sklaven, die Unbrauchbares produzieren und Materialismus konsumieren. Sie sind die Zuträger, sind die Lebensspender ihrer eigenen Bestien, ihrer eigenen Dämonen, welche kein Maß kennen und sich zur Hydra formten, die süchtig macht und süchtig ist. Reize der Perversion und der Entartung kitzeln ihre kranken Nerven. Und solange dieses Volk sich krankhaft im Dreck der verfälschten Geschichte wälzt, wird diese Hydra auch immer Futter bekommen.

Ich habe beschlossen, kein Futter zu werden. Das süße Gift der als Verlockungen getarnten Drogen, welche jede Zelle des Körpers und des Geistes zu zersetzen imstande sind, haben keinerlei Macht über mich und versickern im Meer der Bedeutungslosigkeit. Zu groß ist das Soldatentum in mir gewachsen, zu eisern der Wille, der mit jedem Herzschlag mich empor treibt, meiner Bestimmung, meiner Verpflichtung entgegen, in der das Edle, Kriegerische, Gesunde triumphiert. Das Buch wurde zur Waffe der Selbsterkenntnis geformt, durch die ich weiß: „Ich habe die Pflicht, gesund zu sein!“

 

Fortsetzung folgt…

 

Zum Nachlesen: Teil 1

1 Kommentar

  • Ein weiterer sehr guter Text.
    Danke!

    Dominik 23.03.2021
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