Feder und Schwert LVIII – Fichte und seine Reden an die deutsche Nation

In der letzten Ausgabe von Feder und Schwert behandelten wir die Gegensätze zwischen dem Patriotismus romanischer Art und dem blutsbezogenen Nationalismus deutscher Natur. Während das patriotische Lager im heutigen Deutschland fast gänzlich von Kräften repräsentiert wird, die sich an fremden politischen Ideen aus dem romanischen Raum bedienen und damit den Volksbegriff von jeglicher biologischer Realität entkleidet haben, geraten die eigenen Vordenker und -kämpfer für unsere deutsche und nationalistische Weltanschauung ins Vergessen. Dem soll entschieden widersprochen werden. Unser Blick richtet sich in die Zeit der Napoleonischen Besatzungszeit, in der eine Reihe von Männern die Sehnsucht der deutschen Nation, zu einem Staat der arteigenen Selbstbestimmung zu gelangen, in ihren Schriften und Thesen ausdrückten.

Einer von ihnen war der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene preußische Arbeitersohn und später zum deutschen Idealisten gereifte Philosoph Johann Gottlieb Fichte, der anfangs zwar noch ein Anhänger der Französischen Revolution und gar maurerisches Logenmitglied war, aber schon bald zu einem glühenden deutschen Nationalisten und Gegner der welschen und überstaatlichen Fremdherrschaft wurde. Bereits kurz nach seinem endgültigen Bruch mit der Freimaurerei, von der sich viele deutsche Denker wie Fichte früher oder später arg getäuscht sahen, verfasste er 1800 seine Schrift „Der geschlossene Handelsstaat“, die als eine der ersten Skizzierungen eines Sozialismus auf nationalstaatlicher Grundlage bzw. als erster radikaler Gegenentwurf zum kosmopolitischen Freihandelsstaat gilt.

Diese Schrift, die eigentlich einem preußischen Minister gewidmet war, um das Wesen eines „Vernunftsstaates“ zu kennzeichnen, dessen Beispiel von Vernunft und Gerechtigkeit Schule machen sollte, um den auf Selbstsucht und Krieg programmierten angelsächsischen Nachtwächterstaat zu bekämpfen, sollte der erste Schritt auf dem Weg zu einer sittlichen Ordnung werden, in der dem eigennützigen Egoismus und der Anarchie in der ungeregelten Weltwirtschaft Schranken gesetzt werden. Noch jedoch sprach Fichte nicht von Völkern und Nationen und dachte mehr europäisch denn völkisch. Seine wirtschaftspolitischen Ideen beschränkten sich auf den Staat Preußen, der so viele Nachbargebiete zur Absteckung seiner „natürlichen Grenzen“ – welche, ist nicht klar definiert – wie möglich besetzen sollte, um ein einheitliches Wirtschaftsgebiet zu schaffen. Schon bald aber sollten die Völker als „Gedanken Gottes“, wie sie Herder bezeichnete, auch einem Fichte sichtbar und bedeutend werden.

Die deutsche Nation als lebendige Wirklichkeit

Nachdem Napoleon im Jahre 1807 auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, weite Teile Deutschlands aus zersplitterten Marionettenstaaten unter der Schirmherrschaft Frankreichs standen und das einstige stolze Preußen gedemütigt und auf den Status einer Mittelmacht zurückgestuft wurde, begann Fichte im Dezember 1807 im runden Saale der Berliner Akademie seine flammenden „Reden an die deutsche Nation“ als ein endlich nationalistisches Fanal für den deutschen Freiheitskampf. Unmittelbar nach Beendigung seiner Rede ging die Abschrift seiner Worte in Druck, um allen deutschsprachigen Ländern die Botschaft von Deutschlands historischer Mission zu verkünden. Nach den Worten Fichtes ist ein zur Nation gewordenes Volk eine Gemeinschaft, die „natürlich eins und ein unzertrennliches Ganzes ist“. Merkmale der „Einheit und Ganzheit durch Natur“ sind dabei eine „gemeinschaftliche Denkart“ und „gemeinschaftliche Sprache“.

Auch die Abgrenzung eines Volkes zu anderen Völkern durch die Blutsmischung erkennt Fichte, indem er in seiner 13. Rede davon spricht, dass ein Volksganzes kein „Volk anderer Abkunft und Sprache in sich aufnehmen und mit sich vermischen“ kann, ohne „wenigstens fürs erste sich zu verwirren und den gleichmäßigen Fortgang seiner Bildung mächtig zu stören“. Die „wahrhaft natürlichen Grenzen“ eines Staates sind für Fichte ohne Zweifel seine „inneren Grenzen“: „In der natürlichen Sicht der Dinge sind keineswegs die Menschen, welche innerhalb gewisser Berge und Flüsse wohnen, um deswillen Ein Volk, sondern umgekehrt wohnen die Menschen beisammen und, wenn ihr Glück es so gefügt hat, durch Flüsse und Berge gedeckt, weil sie schon früher durch ein höheres Naturgesetz Ein Volk waren.“ Fichte nimmt hier schon vorweg, was später den deutschen Nationalismus des gemeinsamen Blutes und des Volkes scharf von dem rein auf das beliebig abgesteckte Territorium und beliebige Völkerschaften umfassenden Patriotismus romanischer und angelsächsischer Handschrift unterscheiden sollte.

Dennoch hebt Fichte auch den Bezug zum Boden, zum Territorium, als wichtigen Pfeiler zur Volkwerdung hervor. Fichte erkennt, dass Völker, die von Urzeiten her das gleiche Land bewohnen und die ursprüngliche Beziehung mit diesem aufrecht erhalten haben, sich vom Wesen her von jenen Völkern unterscheiden müssen, die aus der Urheimat abgewandert sind und damit auch den Bezug zu dem Boden verloren haben, auf dem ihre Blutsverwandten ihre arteigenen Lebens- und Gesellschaftsverhältnisse entwickelt haben. Als ein Urvolk bezeichnet Fichte in seiner vierten Rede die deutsche Nation, die immer auf der eigenen Scholle und dem deutschen Boden seßhaft blieb, während Teile von ihr in der Völkerwanderungszeit nach Gallien oder Italien auszogen und dort Staaten verschiedener Gesittung bildeten.

Die ausgewanderten Germanen haben in der Fremde schon bald andere Sprachen angenommen und sind durch römischen Einfluss Romanen geworden. Zwar sind sie immer noch art- und blutsverwandte Völker geblieben, jedoch scheiden sich die Volkstumsgrenzen scharf entlang der nationalstaatlichen Grenzen. Fichtes einstiges paneuropäisch geprägtes Denken ist in den letzten Jahren seines Leben unter den Donnerschlägen der Befreiungskriege zur nationalvölkischen Vollendung gereift.

„Neue Erziehung“ und revolutionärer Freiheitskampf

Auch die Grundessenz des Deutschen Sozialismus findet sich in Fichtes Reden wieder. Die Wurzel alles Sittlichen erblickt Fichte in der Selbstbeherrschung, Selbstüberwindung und der Unterordnung der Selbstsucht unter das Ganze. Schon von klein auf soll jeder Deutsche dazu erzogen werden, nicht nur gemeinschädliche Handlungen zu unterlassen, sondern alles Nötige zu tun, um die Gemeinschaft zu stärken und sich freiwillig für diese aufzuopfern. Die „Deutsche Nation“ soll sich vor dem Hintergrund dieser sittlichen Neuausrichtung reinigen, einigen und in allen Einzelheiten den neuen Staat der Vernunft und Sittlichkeit vorbereiten. Am Ende dieser neuen Erziehung soll eine Haltung stehen, bei der das Ideal der Volksgemeinschaft allen so weit in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass jeder gar nichts anderes mehr will, als das Sittliche und Gute bzw. das Wohl und die Verwirklichung der Gemeinschaft aller Deutschen.

Mit seinen „Reden an die deutsche Nation“ brachte Fichte im zeitgenössischen Preußen eine Entwicklung in Gang, die Auslöser der deutschen Wiedererhebung gegen die französische Fremdherrschaft werden sollte, während das Heer und deutsche Ländereien vom Okkupanten noch in Schwäche unterdrückt gehalten blieben. Als erster Professor der Philosophie und einer der ersten Rektoren der Universität Berlin wirkte Fichte ab 1811 unmittelbar am Erziehungsauftrag der deutschen Jugend mit. Schon bald sollte Napoleons Stern zu sinken beginnen. Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1812 begannen die Befreiungskriege Preußens gegen das napoleonische Joch. Fichte wollte als Redner an die deutsche Nation die freiwillig ausziehende Jugend „über den Begriff des wahrhaftigen Krieges“ noch im Felde erbauen, scheiterte jedoch mit seinem Vorhaben.

Den endgültigen Sieg der erwachten deutschen Länder über Napoleon sollte Fichte leider nicht mehr erleben dürfen. Eine Fleckfieberepidemie, die sich im von verwundeten Soldaten überfüllten Berlin ausbreitete, raffte den großen Philosophen und deutschen Nationalisten Fichte im Januar 1814 dahin, nachdem er sich von seiner im Lazarett pflegenden Frau mit der heimtückischen Krankheit ansteckte. Für uns Nationalrevolutionäre des 21. Jahrhunderts leben Fichtes Gedanken weiter in der Deutschen Weltanschauung fort. Nur mit dem Blick auf die großen, den deutschen Geist atmenden Denker, Philosophen, Staatsmänner und Zeitenwender unserer nationalen Geschichte, anstatt auf politische Theoretiker und Irrlehrer jenseits des Rheins und der Alpen, lässt sich auch revolutionäre Politik nach der Fasson unseres Volkes machen.





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