Sanktionen wirken: Putin verliert, wenn wir das wollen

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Auch wenn die gestreuten Lügen des Kremls im modernen Informationskrieg von vielen Menschen geglaubt und „alternative“ Narrative weiterverbreitet werden, dass westliche Sanktionen Putin nichts anhaben können, so sieht die Wahrheit ganz anders aus. Immer offensichtlicher befindet sich die Russische Föderation in Not. Vor allem in wirtschaftlicher Not. Spätestens seit die USA und ihre Verbündeten den Kalten Krieg alleine dadurch entschieden haben, indem sie die UdSSR totgerüstet, sie also wirtschaftlich im Rüstungswettlauf ruiniert haben, weiß die Welt, dass Kriege nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in den Finanzzentren entschieden werden.

Erinnern wir uns an die Sanktionen (Verweigerung des Zugangs zu Dollar- und Euro-Liquidität, 80 Prozent des weltweiten Handels wird in diesen beiden Währungen abgewickelt), die vor Monaten zur Schließung der Moskauer Börse führten. Die „chinesische Ausnahmeregelung“ ist nun ausgelaufen, was bedeutet, dass auch Chinesen der Zugang zu Liquidität verwehrt wird, wenn sie dabei erwischt werden, USD in RMB oder Rubel umzutauschen.

Die Russische Föderation setzt daher einmal mehr auf ihr Schreckgespenst BRICS und forciert die Etablierung eines eigenen Zahlungssystems. Einerseits soll ein Netzwerk von Geschäftsbanken aufgebaut werden, die Transaktionen direkt in lokaler Währung abwickeln können. Andererseits sollen direkte Verbindungen zwischen den Zentralbanken der BRICS-Staaten geschaffen werden. Ob sich diese jedoch darauf einlassen werden, die selbst immer noch einen Großteil ihres Handels in Dollar abwickeln und es sich nicht leisten können, selbst von Sanktionen betroffen zu werden, ist fraglich. Die Sanktionen greifen auch im militär-wirtschaftlichen Bereich. Statt westlicher Hochtechnologie importiert die Russische Föderation immer öfter Komponenten aus Indien. Der stellvertretende US-Finanzminister Wally Adeyemo hat diese Vorgänge bereits angesprochen und indirekt Sanktionen gegen Indien in den Raum gestellt.

Der dänische Militäranalyst Anders Puck Nielsen geht sogar davon aus, dass die russische Kriegswirtschaft direkt auf den Kollaps zusteuert und Putin in ein oder zwei Jahren dazu gezwungen sein wird, den Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden. Mit einer galoppierenden Inflation von 7 Prozent und einer Leitzinserhöhung der russischen Zentralbank auf 19 Prozent, die die zivile Wirtschaft komplett ausbremst, fährt sich der russische Riese auf töneren Füßen langsam aber sicher selbst an die Wand. Dazu kommen Arbeitskräftemangel in Folge der Kriegsmobilisierung des Kremls und dass die Rüstungsindustrie Russlands bald gezwungen sein wird, all die Altbestände aus sowjetischer Zeit teuer nachproduzieren zu müssen, die Moskau in der Ukraine bereits verschossen hat. Die Ukraine als Kriegsgegner hat zwar mit denselben Problemen zu kämpfen, verfügt jedoch im Westen über potente Bündnispartner, die lediglich über politische Entscheidungen beeinflussen können, ob der Krieg des Khans am Zarenthron durch Druck von außen beendet wird oder nicht. Nielsen bringt es auf den Punkt: „Wenn wir die Unterstützung für die Ukraine auf hohem Niveau halten, sehe ich nicht, wie Russland sich durchsetzen kann“. Die Betonung liegt auf „wenn“. Es liegt in den Händen der politischen Entscheidungsträger in Europa und den USA, ob der Ansturm aus Innerasien auf Europa gestoppt wird oder nicht.