
Aus gutem Hause – José Antonio Kast
Chile hat einen neuen Präsidenten, und auch das südamerikanische Land selbst steht im Zeichen des globalen Rechtsrutsches. Der neue Präsident, José Antonio Kast, hat einen interessanten familiären Hintergrund aufzuweisen. Sein Vater Michael Martin Kast Schindele wurde 1924 in Oberstaufen im Oberallgäu geboren. Er trat 1942 der Hitlerjugend bei und wurde Mitglied der NSDAP. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der Kesselschlacht von Tscherkassy und später bei der Verteidigung der Gotenlinie im Apennin. Dort geriet er bei Kriegsende in amerikanische Kriegsgefangenschaft, konnte jedoch den Häschern entkommen und ging zunächst zurück nach Bayern. Möglicherweise aufgrund seiner Ablehnung des Nachkriegs-Regimes zog der während seiner Jugend im Nationalsozialismus sozialisierte Kast nach Chile. Dort gründete er eine Familie, eröffnete eine Wurstfabrik und engagierte sich für den Bau von Kirchen in seiner neuen Wahlheimat. Am 18. Januar 1966 wurde sein Sohn José Antonio geboren.
José Antonio Kast hat Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität von Chile studiert und ist seit vielen Jahren in der Politik tätig. Er gilt als Anhänger der Schönstatt-Bewegung, einer katholischen Vereinigung, die im Nationalsozialismus als widersprüchlich zu den nationalsozialistischen Werten abgelehnt wurde. In Medien wird Kast unterschiedlich bewertet, so wird er teils als rechtskonservativ, teils als konterrevolutionär, mithin gar als „Neofaschist“ betitelt. Zutreffend dürfte wohl eher die Bezeichnung als Rechtspopulist sein. Entscheidend für den Wahlsieg Kasts, der schon mehrfach bei Wahlantritten gescheitert war, dürfte die wachsende Ablehnung der Migrationspolitik in Chile sein. Laut einer Umfrage sorgen sich 63 Prozent der erwachsenen Chilenen um die Sicherheitslage in ihrer Heimat. Kein Wunder: Der Ausländeranteil in Chile ist zuletzt auf 10 Prozent gestiegen. Bei einem Großteil der Ausländer handelt es sich um Venezolaner, die oftmals mit Gewaltverbrechen und Bandenkriminalität in Verbindung gebracht werden.
Kast verspricht nun einen stärkeren Grenzschutz, irreguläre Einreisen zur Straftat zu erklären und Migranten ohne Papiere abzuschieben. Das dürfte ihm zum klaren Wahlsieg mit 58 zu 42 Prozent gegen die kommunistische Gegenkandidatin verholfen haben. In Chile besteht eine Wahlpflicht, rund 15,8 Millionen Chilenen mussten daher den Gang zur Wahlurne antreten. Als Nationalrevolutionäre wissen wir, dass die nationale Frage nicht ohne die soziale Frage gedacht werden kann, und hier sieht es für Chile düster aus.
Der bisherige Präsident Boric hat die Masseneinwanderung nach Chile mitzuverantworten. Gleichzeitig stand er jedoch auch für Bemühungen um mehr soziale Gerechtigkeit und für Erfolge im Bildungs- und Gesundheitswesen. Auch gelang ihm die Umsetzung einer Rentenreform sowie die Senkung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden. Mit Kast dürfte, wie im Nachbarland des befreundeten Libertären Javier Milei, ein massiver Sozialabbau und damit verbunden eine wachsende Verelendung breiter Schichten des Volkes einsetzen. Kast will Steuern für Reiche senken und auch den Sozialstaatsabbau fördern. Aus nationalrevolutionärer Sicht ist der neue Präsident daher nur ein Kurswechsel in einem falschen System, keine unterstützenswerte Neuerung.
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