Sensationsfund: Kunstwerke aus der Reichskanzlei aufgetaucht

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Bei einer bundesweiten Razzia hat die Polizei Kunstwerke aus dem III. Reich in einer Halle in Bad Dürkheim sichergestellt. Nach Angaben des Landeskriminalamts Berlin handelt es sich bei den tonnenschweren Skulpturen u.a. um die "Schreitenden Pferde" des Bildhauers Josef Thorak sowie ein monumentales Granit-Relief von Arno Breker. Beide Kunstwerke galten seit der Wende als verschwunden.

Die beiden 3,5 m hohen "Schreitenden Pferde" von Josef Thorak (1889-1952) sowie ein fünf mal zehn Meter großes Relief von Arno Breker (1900-1991), das einen heroischen Kämpfer mit Schwert zeigt, waren nach dem 2. Weltkrieg auf einem Kasernengelände der roten Armee in Eberswalde (Barnim) gelagert worden. In der Wendezeit (1989) verschwanden diese auf bislang nicht bekannte Weise. Die Kunstwerke waren Auftragsarbeiten für die neue Reichskanzlei.

Bei den sonstigen Funden handelt es sich im Einzelnen:

  • zwei riesige Frauen-Skulpturen von Fritz Klimsch (1870-1960), "Galatea" und "Olympia". Diese standen ursprünglich im Garten der Reichskanzlei in Berlin.
  • zwei Statuen von Arno Breker (1900-1991) aus Bronze ("Künder" und "Berufung"), beide jeweils drei Meter hoch.
  • drei Monumental-Reliefs von Arno Breker aus Stein, jeweils fünf auf zehn Meter ("Kameraden", "Wächter" und "Rächer"). Bei "Kameraden" handelt es sich um ein Bronze-Flachrelief von 1944

Die Artefakte wurden im Zuge einer bundesweiten Razzia wegen des Verdachts der Hehlerei an rechtswidrig erlangtem Bundesvermögen in einer Lagerhalle in Bad Dürkheim gefunden. Unter Federführung der Berliner LKA-Fachdienststelle für Kunstdelikte hatte die Polizei zehn Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin mitteilte, richten sich die Ermittlungen gegen acht Verdächtige im Alter zwischen 64 und 79 Jahren.

Die Kunstwerke wurden am heutige Abend abtransportiert und sollen auf einen Polizeigelände gesichert werden. Auf Grund der großen Dimensionen sei für die tonnenschweren Kunstwerke eine gewisse Logistik beim Transport notwendig.

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Über 200 Interessierte versammelten sich in den Abendstunden im Bad Dürkheimer Gewerbegebiet Bruch, um den vom Technischen Hilfswerk unterstützten Abtransport mit anzusehen. Es herrschte Volksfeststimmung und viele Schaulustige waren angetan von der NS-Kunst. So auch die anwesenden Aktivisten des „III. Weg“. Die Lügenpresse aus Nah und Fern versuchte negative Stimmen einzufangen, was ihnen aber nur schwer gelang. Eine Befragte forderte sogar die Aufstellung der "Schreitenden Pferde" von Josef Thorak auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarktgelände.

Von Arno Breker stammen neben mehreren Hitler-Büsten auch die Skulpturen „Die Partei“, die den Eingang zur Reichskanzlei säumten. Arno Breker arbeitete jahrelang mit dem Architekten Albert Speer zusammen, der die Pläne für die zukünftige Reichshauptstadt „Germania“ entwarf.

Ob nach der Entdeckung der Kunstwerke durch die Polizei diese nun in besserer Hand sind, gilt abzuwarten. Ein Rechtsstreit mit den Künstler-Erben um die weitere Verwahrung der millionenschweren Kunstwerke dürfte zu erwarten sein. Zu wünschen wäre beispielsweise eine Ausstellung der Exponate im Arno Breker Museum im Schloss Nörvenich.

Im Haus Beda in Bitburg befindet sich neben Brekers "Prometheus"-Plastik, die im Garten versteckt wurde, auch Werke von Hanns Scherl und Fritz Klimsch sowie Arbeiten des Künstlers Werner Peiner. In den letzten Jahren verschwanden aber immer mehr Kunstwerke aus dieser Zeit im Archiv.

 

 

 

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