Corona-Krise: Pleitewelle trifft erste namhafte Unternehmen

Beitragsbild Fakten Einschätzungen Strategien bei der Corona-KriseDie Pizza-Kette Vapiano, das Steakhaus Maredo und die Fluglinie Germanwings zählen zu den ersten Firmen, die in Folge der Corona-Krise schließen mussten. Während Bundesregierung und EU Optimismus verbreiten, sehen viele Arbeitnehmer in Deutschland in eine ungewisse Zukunft. Waren bislang vor allem finanziell ohnehin schlecht aufgestellte Unternehmen betroffen, dürfte es in Zukunft auch gut aufgestellte Konzerne treffen. Besonders bedroht sind jedoch kleine mittelständische Betriebe und Kleinstunternehmungen. Profitieren dürften hingegen Großkonzerne, deren Konkurrenz im Einzelhandel wegbricht.

 

 

 

 

 

Vapiano, Maredo, Thomas Cook: Zahllose Insolvenzen

Noch Mitte März tönte Finanzminister Olaf Scholz (SPD): Kein Arbeitsplatz soll wegen Corona verloren gehen, kein gesundes Unternehmen in die Insolvenz gehen. Doch bereits jetzt sind unzählige Arbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen und weitere werden folgen.

Eine besonders schwer getroffene Branche ist die Luftfahrt. Da nahezu alle Flüge gestrichen sind und kein Kondensstreifen mehr am blauen Himmel zu sehen ist, haben die Fluglinien keinerlei Einnahmen mehr. Während die Lufthansa in jeder Stunde eine Million Euro verliert, mussten erste Konkurrenten bereits aufgeben. Einer der bekanntesten Namen ist Germanwings. Die Fluglinie gehört zum Lufthansa-Konzern und sollte ursprünglich in die Linie Eurowings überführt werden. Diese Pläne scheiterten, dennoch sollten die Flieger mit dem lila Schriftzug noch bis Juni 2022 abheben. Am 07. April gab die Lufthansa nun die Abwicklung der kompletten Germanwingsflotte bekannt.

Auch Thomas Cook Aviation ist pleite. Das im hessischen Oberursel ansässige Unternehmen war zuletzt noch mit sechs Maschinen im deutschen Luftraum vertreten. Der mittlerweile ebenfalls insolvente britische Mutterbetrieb hatte Air Berlin aufgekauft und zum deutschen Ableger umgebaut. Hauptgrund für die Pleite ist das Ende der Zusammenarbeit mit Condor, dem einzigen Kunden von Thomas Cook. Condor wiederum wurde an die polnische PGL verkauft und soll nun offenbar verstaatlicht werden.

Deutschlands Gastronomie steht weitestgehend still. Restaurants können nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten oder selbst nach Hause liefern. Die ersten Opfer in der Gastronomie sind die namhaften Ketten Maredo und Vapiano. Die Pizza-Kette Vapiano SE beschäftigte 3800 Mitarbeiter in Deutschland, die in 55 Restaurants arbeiteten. Das Unternehmen hatte Hilfe über die Staatsbank KfW beantragt, doch die von der Regierung in Aussicht gestellten Hilfen sind „zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht verfügbar“, wie aus der Firmenführung verlautbart wurde. Vapiano konnte seinen Erlös noch 2019 um 13 Prozent auf 98 Millionen Euro steigern, geriet aber aufgrund von gieriger Expansionspolitik in Schwierigkeiten.

Die bereits 1973 gegründete Steakhaus-Kette Maredo mit ihren 37 Filialen in Deutschland hat „vorsorglich“ Insolvenz angemeldet. Neben den 35 Restaurants in der BRD sind auch die Lokale in Salzburg und Wien betroffen. Knapp 1000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Maredo ist in Schwierigkeiten gekommen aufgrund der massiven Einnahmeeinbußen bei weiterhin zu leistenden Mietzahlungen. Noch hofft das Unternehmen auf Staatshilfen.

Der Betreiber der Läden für Wanderkleidung McTrek hat ebenso Insolvenz angemeldet. Die YEAH! AG mit Sitz im hessischen Bruchköbel bei Hanau gehörte zu einem belgischen Konzern und beschäftigte in 43 Filialen 420 Mitarbeiter. Alle Filialen mussten aufgrund der Corona-Krise schließen und auch der Onlinehandel konnte nicht mehr gewährleistet werden. Das Unternehmen hatte bereits in den letzten Jahren schlechte Geschäfte gemacht. Auch das schlechte Wintergeschäft aufgrund des milden vergangenen Winters trug zur prekären Lage des Unternehmens bei.

In Wien hat die traditionelle Pferdefleischerei Rudolf Schuller GmbH schließen müssen. Das Unternehmen wurde 1916 vom Urgroßvater des jetzigen Betreibers gegründet und war an sechs Standorten in Wien und Schwechat vertreten. Neben der Corona-Krise sollen auch das geänderte Konsum- und Essverhalten zum Niedergang des Traditionsbetriebs beigetragen haben, das zuletzt nur noch in Oberösterreich geschlachtet hatte.

Auch die Walter Moser GmbH im oberösterreichischen Seewalchen am Attersee ist insolvent. Die Firma ist bekannt für die Kleidermarke „Airfield“. Hier sind rund 100 Mitarbeiter in 15 Geschäften betroffen. Die Staatshilfen der BRÖ helfen dem Unternehmen nur teilweise und damit zu wenig. Denn die Gehälter für Kurzarbeit müssen drei Monate vorfinanziert werden, was Walter Moser nicht stemmen kann. Die Marke Airfield stand zwar immer wieder unter Druck, hatte sich jedoch erholt und wurde zuletzt für ihre Innovation und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Im oberfränkischen Bad Staffelstein hat der Automobilzulieferer Moll Insolvenz beantragt. Dem Unternehmen aus dem Landkreis Lichtenfels blieb aufgrund des plötzlichen, massiven und dauerhaften Absatzrückgangs keine andere Wahl. Das 1945 gegründete Familienunternehmen stellt seitdem Batterien, vor allem für die Automobilindustrie, her. In Bad Staffelstein sind fast 300 Mitarbeiter betroffen.

 

Corona als Auslöser: Kapitalismus tritt in neue Phase

Noch weiß niemand genau, wie die Welt nach Corona aussehen wird. Man kann darüber spekulieren, dass die gewaltigen Schulden, die Unternehmen und Staaten auf sich nehmen werden, eine gewaltige Krise auslösen. Je länger das öffentliche Leben ruht, desto tiefer und nachhaltiger wird der Fall für die Weltwirtschaft. Manche spekulieren bereits auf den Zusammenbruch des gesamten ökonomischen Systems. Kann der Staat, der bislang bereits an allen Ecken und Enden – abgesehen von Hilfen für Migranten – gespart hat, eine ganze Wirtschaft retten? Und reichen die Gelder dann noch aus, um das Überleben sämtlicher maroder Volkswirtschaften in ganz Europa zu finanzieren? Das sind berechtigte Fragen. Auf jeden Fall werden Menschen dafür zahlen müssen und diesen Preis wird vor allem die junge Generation zahlen müssen. Die Generation, die aufgrund des Geburtenschwunds ohnehin stark dezimiert ist, muss nicht nur die Rente für die „Babyboomer“-Generation zahlen, sondern auch alle Schulden der kommenden Finanzkrise begleichen. Düstere Aussichten, die den Unterhalt eigener Familien schwer machen werden.

Dennoch ist ein Zusammenbruch des Systems unwahrscheinlich, da es keineswegs nur Verlierer in der Corona-Krise gibt. Neben den üblichen Heuschrecken wie den jüdischen Hedgefonds-Managern Bill Ackman, Boaz Weinstein oder David Kabiller profitieren auch die Großkonzerne, die unser Leben bestimmen. Unternehmen wie Amazon, eBay oder Google sind heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Diese Konzerne haben nicht nur eine gewaltige Marktmacht, sondern auch enormen politischen und gesellschaftlichen Einfluss. Bereits vor Corona stellte insbesondere Amazon eine große Bedrohung für den Einzelhandel dar: Kaum jemand geht noch in seine Läden oder Einkaufszentren vor Ort, sondern jeder bestellt bequem im Internet.

Dadurch werden kleine, regionale Unternehmen verdrängt und viele eigenhändig aufgebaute Firmen haben keine Zukunft mehr. Zeitgleich müssen Hunderttausende unter prekären Arbeitsbedingungen schuften, um die Maschinerie am Laufen zu halten. Amazon beschäftigt allein weltweit 798 000 Mitarbeiter. Die Bedingungen, unter denen die Mitarbeiter von Amazon schuften müssen, werden von der Konsumgesellschaft jedoch kaum wahrgenommen. In den Logistikzentren von Amazon müssen die Mitarbeiter harte und eintönige Fließbandarbeit leisten. Kritik wird unterdrückt. In den USA werden beispielsweise Mitarbeiter gefeuert, die Streiks gegen die schlechten Arbeitsbedingungen organisieren. Während die Mitarbeiter aufgrund des glänzenden Geschäfts unter Druck stehen, soll Amazon in Leipzig sogar Kündigungen aufgrund von Krankheit ausgesprochen haben. Besonders zynisch in Zeiten von Corona! Amazon zahlt sogar Prämien für seltene Krankschreibungen in Teams. Durch Kameras in Spindräumen und über Fließbändern werden Mitarbeiter überwacht. Die Löhne der Mitarbeiter werden nach den niedrigeren Tarifen des Versandhandels, nicht den im Einzelhandel üblichen Tarifen gezahlt.

Auch die Mitarbeiter bei der Post oder der DHL arbeiten zu schlechten Tarifen und stehen unter großem physischen und psychischem Druck.  So entsteht still und heimlich ein neues Prekariat in Deutschland; was früher die ausgebeuteten Arbeiter in den Fabriken und Stuben waren, sind heute die Mitarbeiter in Logistikzentren und Lieferdiensten. Im Gegensatz zu früher sind die Profiteure jedoch noch geringer gesät, weil es früher reiche Fabrikbesitzer und Aktionäre gab, und heute nur noch eine winzige Kaste internationaler Superreicher gibt.

Wir werden diese Entwicklung drastisch in unserem Alltag erleben. Im ganzen Land, nicht nur in strukturschwachen Gegenden, hielten sich viele Betriebe nur noch mit Mühe über Wasser. Viele Betriebe wurden nur deshalb noch geführt, weil ihre Besitzer beispielsweise einen Traditionsbetrieb geerbt hatten oder weil so viele persönliche Schicksale daran hängen. Vielleicht auch, weil der Betrieb ein großer Bestandteil der eigenen Identität war. Man denke an den kleinen Modeladen, der noch heute seine alte Kasse verwendet und in dem manche alte Dame nachdenklich in Kleiderständen sucht. Oder an die kleine Kneipe am Bahnhof, in die seit Jahren die kleine Stammklientel ihre karge Rente hinträgt, um die Einsamkeit ein Stück zu vertreiben. Oder die Pension, irgendwo in Sachsen, bei der die ganze Familie mit anpackt, weil schon lange kein Personal mehr anständig finanziert werden kann.

In den Großstädten wird das Sterben des deutschen Mittelstandes weniger stark auffallen. Mc Donalds, Kentucky Fried Chicken und Subways ersetzen gerne die gutbürgerliche „Deutsche Eiche“. Doch auf dem Land stechen die verödeten Ladenzeilen besonders hervor. Es beschleunigt sich eine Entwicklung, die strukturschwache Regionen immer weniger lebenswert macht. Es gibt schlicht keinen Raum mehr für ein öffentliches Leben. So wird der Zuzug in die Großstädte und Ballungsräume weiter beschleunigt. Diese Zuspitzung kapitalistischer Zustände treibt unser Volk weiter ins Elend. Mit dieser Entwicklung kommt das Ende des Systems nicht sofort – aber vielleicht kommen wir in eine Situation, in der revolutionäre Veränderungen für immer mehr Menschen eine Lösung werden. Veränderungen, wie sie nur die nationalrevolutionäre Bewegung meistern kann.

Siehe auch: Corona-Krise: System ist am Ende





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