Steigerwald-Panoramaweg: 4,5 Tage, 188 Kilometer – Ein Erlebnisbericht

In unserer Arbeitsgemeinschaft Körper und Geist sammeln sich Sportler und Aktivisten unserer Partei, die unsere Weltanschauung vorleben und als Vorbild nach außen wie nach innen strahlen wollen. Der Kampfsport steht hierbei meist im Fokus von Medien und Gegnern. Aber in der AG Körper und Geist sind nicht nur Kampfsportler aktiv. Neben Fußballern und Radfahrern eben auch sportliche Wanderer. Einer von ihnen ist am 12. Mai 2021 morgens zur Bewältigung des Steigerwald-Panoramawegs[i] gestartet. Nach viereinhalb Tagen und 188 Kilometer später war er am Ziel seiner langen Wanderung. Nachfolgend der Erlebnisbericht des Wanderers:

Die Idee

Von dem Steigerwald-Panoramaweg erfuhr ich bei einer Winterwanderung mit Übernachtung in der Nähe der Burgruine Hohenlandsberg. Ich lief im Januar 2021 nach einer Nacht im Wald von einem morgendlichen Eisbad im Judensee (der heißt tatsächlich so) zurück zum Schloss Frankenberg wo ich mein Auto abgestellt hatte. Kurz vor dem Schloss sah ich eine Tafel die über den Fernwanderweg aufklärte. Etwa 160 Kilometer quer durch den Steigerwald von Bad Windsheim nach Bamberg. Für mich hörte sich das sehr interessant an. Fernwanderwege haben mich schon länger gereizt. Bisher hatte ich jedoch noch nichts Passendes gefunden was ich als berufstätiger Familienvater umsetzen konnte. Hier hatte ich nun etwas konkretes, greifbares, nahe meines Wohnortes. Und für 160 Kilometer dürften auch nicht allzu viele Urlaubstage draufgehen. So fasste ich den Entschluss das Unternehmen zu wagen. Ein Plan reifte in meinen Kopf.

Der Plan und die Vorbereitung

Ich rechnete durch wie lange ich für die Strecke von 160 Kilometer brauchen würde. Eigentlich sind 9 Tagesetappen vorgesehen. Da ich jedoch einen anderen sportlichen Anspruch habe rechte ich anders. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei etwa 4 km/h mit großem Biwak-Gepäck, das heißt für mich ca. 25 kg. Rechnerisch war das ganze demnach in 4 Tagen machbar. Zuhause holte ich mir erst einmal mehr Informationen. Die 3880 Höhenmeter Anstieg ließen mich aber eher auf 5 Tage schätzen.

An Ausrüstung plante ich alles ein was ich für mehrere Übernachtungen im Freien brauchte. 3-Jahreszeiten-Schlafsack, Biwak-Sack, Wechselklamotten und Verpflegung für mindestens zwei Tage. Kartenmaterial wurde beschafft, die Route und Einkaufsmöglichkeiten eingezeichnet. In einem Anflug von Dekadenz packte ich auch noch ein paar Zusatzartikel ein. So einen Wasserfilter, falls ich über Klingelputzen nicht an trinkbare Flüssigkeiten herankomme und noch meine Hängematte für besonders erholsame Nächte. Im Zweifel dienen die Sachen als Sportler gilt für mich: Mehr Gewicht ist für den Trainingseffekt nicht abträglich.

Tag 1

Der Wetterbericht hatte im Vorfeld nichts Gutes verheißen lassen und leider auch Recht gehabt. Während des Frühstücks prasselte der Regen an die Scheiben des Speisezimmers. Als ich mit dem Frühstück fertig war, nahm ich noch schnell Abschied von Frau und Kind und dann ging es um 5 Uhr raus in den anbrechenden regnerischen Tag. Die 2 km zum nächsten Bahnhof wurden schnell im Regen zurückgelegt. Mit dem Zug ging es sodann nach Bamberg.

Auf der Karte im Maßstab 1:50.000 ist die Route (blaue Markierung) eingezeichnet, der Grashalb zeigt auf das Tagesziel, der Startpunkt ist nicht mehr auf der Karte drauf.
Auf der Karte im Maßstab 1:50.000 ist die Route (blaue Markierung) eingezeichnet, der Grashalb zeigt auf das Tagesziel, der Startpunkt ist nicht mehr auf der Karte drauf.

In der Domstadt nieselte es wenigstens nur leicht. Mit einem kurzen Stopp beim Bäcker, wo ich mir noch schnell ein Bamberger Hörnchen und eine Brezel hole, nehme ich durch die malerische Altstadt Kurs hinauf zum Dom. Etwas dahinter liegt erhöht an einem Wanderer-Parkplatz der eigentliche Ziel- und mein Startpunkt für den Steigerwald-Panoramaweg. Hier wartete schon ein Kamerad auf mich, der mich über einen Teil der ersten Etappe begleiteten will. Bei leichtem Nieselregen ging durch den morgendlichen Michelsberger Wald. Bergab wechseln wir in den Laufschritt und machen so schnell Strecke. Als wir aus dem Wald heraustreten ist der Regen stärker geworden. Zeit den Regenponcho anzulegen. Im strömenden Regen ging es weiter.

Von Bamberg aus, teilweise am Main entlang nach Eltmann
Von Bamberg aus, teilweise am Main entlang nach Eltmann

Nach etwa fünf Stunden kommt der Main in Sicht. Der Weg führt immer über die Anhöhen südlich des Mains. Ohne die tiefhängenden Regenwolken hätte man sicherlich einen wunderbaren Blick aber das ist uns bis auf einen kurzen Augenblick als die Wolken aufreißen meist verwehrt. Mit den sattgelb blühenden Rapsfeldern und dem teilweise tiefblauen Himmel ergab sich trotzdem eine harmonische Farbkombination. Man muss eben mit dem zufrieden sein was man hat.

Oberhalb von Eltmann an der Ruine Wallburg folgten wir dem Spruch der dort auf einem Kriegerdenkmal steht:

O Wanderer steh

Bedenk das Opfergut.

Wer du auch seist

Für dich Floss unser Blut.

 

In der Zeit der Stille und des Gedenkens erschien das stetige Regengeplätscher auf den Boden und auf unsere Klamotten lauter als zuvor.

Weiter ging es, dem Panoramaweg folgend, in nördliche Marschrichtung. Meine Schuhe waren bereits durchgeweicht und mit jedem Schritt spürte ich wie das Wasser durch die Socken gedrückt wurde. Aber es half nichts, der Regen hielt an und es musste weitergehen. Gegen 15:45 Uhr erreichten wir Trossenfurt. Etwa 35 Kilometer hatten wir bereits seit dem Bahnhof in Bamberg zurückgelegt. Hier verabschiedete sich mein Kamerad. Als ich in westlicher Richtung Tretzendorf durchquerte brauch ein heftiger Regenschauer über mich herein. In der nächsten Ortschaft Unterschlauersbach machte ich daraufhin eine kurze Pause, um die Stiefel auszuziehen und die klatschnassen Socken auszuwringen. Bevor ich mir wieder die nassen Socken überziehe cremte ich meine Füße noch mit einer dicken Schicht Hirschtalg ein, bevor ich wieder die klatschnassen Socken überziehe.

Regen, Regen und nasse Füße
Regen, Regen und nasse Füße

Auch Anstrengung machte sich langsam bemerkbar. Das Gefühl gesellte sich zu dem Gefühl des Schmerzes welches bis jetzt vor allem in Schulter und Hüfte aufgrund der Last des Rucksacks spürbar war. Nach 44 Kilometer war ich auf dem Schlossberg oberhalb von Zell am Main angekommen. Von hier konnte ich bereits mein, sportlich gewähltes Tagesziel, den Großen Knetzberg erblicken. In den Jahren 2000 bis 200 vor Christus befand sich auf dem Großen Knetzberg eine mächtige Zufluchtsburg. Spuren der alten Befestigungsanlagen auf den 489 m hohen Berg sind noch heute ersichtlich. Bis dahin waren es neben einen steilen Ab- und gleich danach wieder Anstieg aber noch etwa 10 Kilometer. Zuvor mussten jedoch die Wasservorräte nachgefüllt werden. In dem kleinen Örtchen Zell am Main waren daher jedoch einige Klingeln zu putzen, bis endlich zwei ältere Damen die Tür öffneten. Meine Bitte nach etwas Trinkwasser und alten Zeitungen wurde umgehend nachgekommen und ich musste mich eher noch höflich darum bemühen nicht noch Essen zugesteckt zu bekommen. Als Gegenleistung für das Wasser und die Zeitungen erzählte ich den beiden Damen kurz von meinem Vorhaben. Beide Seiten waren danach zufrieden. Ich hatte mein Wasser und Zeitungen und die beiden Omas hatten ein Gesprächsthema welches wohl den Abend ausfüllte.

Mit voller Trinkblase und somit wieder 3 kg schwerer ging es den letzten Anstieg des regnerischen Tages entgegen. Ich traf ich noch einen sportlichen älteren Herrn, der von seiner abendlichen Jogging-Runde heimkehrt. Er ist begeistert von meinem Vorhaben und spricht mir gut zu. Um 21:42 Uhr war dann das Tagesziel nach 54,5 Kilometern erreicht. 1360 Höhenmeter Anstieg habe ich nach der Angabe des GPS-Geräts seit dem Bamberger Hauptbahnhof, wo ich heute Morgen vor 14 Stunden und 38 Minuten startete erstiegen. Die Schutzhütte befand sich zwar in einem jämmerlichen Zustand, die Hälfte des Dachs war aufgrund eines Brandschadens undicht, aber angesichts der Erschöpfung und des immer noch anhaltenden Regens war mir der Zustand der Hütte egal. Ein kleines Tarp wurde aufgespannt und übernahm die Aufgabe des undichten Daches ausreichend. Mit den mitgenommenen Zeitungen stopfte ich meine Schuhe aus, richtete mein Nachtlager ein und fiel schnell in einen tiefen Schlaf nachdem ich alle Ausrüstung ordentlich verstaut hatte.

Tag 2

Das Aufstehen zum geplanten Zeitpunkt um 6 Uhr klappte nicht so recht. Angesichts der guten Vortagesleistung gönne ich mir noch eine Stunde Erholung. Dann, um 7 Uhr ging es aber raus aus dem warmen Schlafsack. Der Regen hatte glücklicherweise aufgehört. Nach dem Aufstehen, wollte ich möglichst produktiv sein. Während das Wasser für das Frühstück auf dem Gaskocher köchelte, baue ich nebenbei mein Schlaflager ab und packe alles an seinen vorgesehenen Platz im Rucksack. Die Zeitung hatte ich nebenbei aus den Schuhen entnommen. Nass waren sie immer noch. Daher stellte ich zwei angezündete Teelichter in die Stiefel. Diese ziehen vielleicht noch etwas Feuchtigkeit heraus, bevor ich weiter muss. Aus dem heißen Wasser goss ich mir einen herrlichen Kaffee auf und mit dem Rest bereitete ich mir zwei Portionen heißen Haferbreis zu.

Den bescheidenem Zustand der Hütte am Großem Knetzberg zum Trotz eine gute Nacht mit leckerem Frühstück verbracht
Den bescheidenem Zustand der Hütte am Großem Knetzberg zum Trotz eine gute Nacht mit leckerem Frühstück verbracht

Nachdem alles eingepackt war, ging es erst einmal bergab nach Eschenau. Meine körperliche Verfassung ist wieder gut. Bis auf die normalen Druckstellen an Hüfte und Schultern vom Rucksack habe ich keine Probleme. Kein Muskelkater und keine Erschöpfung. Beim Anstieg auf den Zabelstein traf ich den Jogger von gestern wieder. „Gerade habe ich an dich gedacht“ rief er mir freudig zu. Nach einem kurzen netten Plausch ging es weiter bergauf. Mit mir lief eine junge Familie, die die Besteigung des Zabelsteins offenbar für den Vatertagsausflug gewählt hat. Eine gute Wahl. An der Spitze des Bergs befindet sich eine sehenswerte Burgruine. Zahlreiche Ausflügler sind bereits dort und auch ich entschied mich eine kurze Essenspause einzulegen. Der Aussichtsturm war unsinnigerweise aufgrund schwachsinniger Corona-Verordnungen geschlossen. Während ich eine kleine Brotzeit genoss sehe ich mir die Burgruine an und genieße es ein paar Runden ohne den schweren Rucksack zu gehen.

Schönes Hinweisschild am Wegesrand, Schnecken in trauter Zweisamkeit, Zabelstein und die Grundbachquelle
Schönes Hinweisschild am Wegesrand, Schnecken in trauter Zweisamkeit, Zabelstein und die Grundbachquelle

Als ich wenige Stunden später oberhalb des Eulenbergs über Michelau in die Landschaft blicke zog wieder Regen auf, der jedoch nur ca. eine Stunde anhielt. Meine Versuche in Michelau Wasser aufzufüllen blieben erfolglos. An den Häusern an denen ich klingelte war niemand zuhause. Auf dem weiteren Weg kamen mir immer mehr – mehr oder weniger betrunkene – Vatertags-Wandergruppen entgegen. Normalerweise kann ich diesen Brauch, sich in Gruppen auf der Wanderschaft komplett abzuschießen nicht mehr viel abgewinnen aber in Zeiten von abwegigen Corona-Kontaktbeschränkungen steckt in jedem Teilnehmer der Wandergruppen, die sich entgegen aller Kontaktbeschränkungen zusammenfinden, auch eine gewisse Verachtung für die schwachsinnigen staatlichen Regularien. Das wiederrum zaubert mir immer ein Lächeln auf die Lippen.

Oberhalb von Michelau auf dem Eulenberg mit Blickrichtung Norden, Statue der Winzerin im Handthal, Enspurt im Handthal vor dem letzten Anstieg, Blick vom Geiersknuck aus in Richtung Süden entlang der Route der nächsten Tage
Oberhalb von Michelau auf dem Eulenberg mit Blickrichtung Norden, Statue der Winzerin im Handthal, Enspurt im Handthal vor dem letzten Anstieg, Blick vom Geiersknuck aus in Richtung Süden entlang der Route der nächsten Tage

Im Handthal bot sich die Möglichkeit eine Bratwurstsemmel und ein kühles Radler zu genießen. Den Tipp hatten mir zwei entgegenkommende Wanderer vor etwa 5 Kilometern gegeben. Dem kam ich natürlich nach. Auch meine Trinkblase konnte ich mit Wasser auffüllen. Nach der Brotzeit machte sich dann auch ein Gefühl breit, welches die kommenden Tage meine Laufleistung begrenzen sollte. Schmerzen in den Fußsohlen. Nicht Erschöpfung machte mir zu schaffen, auch wenn die Aufstiege mit dem Gepäck anstrengend sind. Nein, die Schmerzen in den Fußsohlen, offenbar durch die dauerhafte Beanspruchung begrenzen meine Laufleistung. Nachdem ich den Geiersknuck über den Weinhang erklommen hatte, zeigte das GPS-Gerät auch die Laufleistung von 35 Kilometer und damit meine Mindesttagesleistung nach eigener Vorgabe an. Ich suchte mir daher eine passende Schlafstätte für die Nacht. Diese kam alsbald in Form einer gut gepflegten und geräumigen Schutzhütte in Sicht. Die ursprüngliche Idee die Hängematte zwischen an den Stützpfeilern aufzuhängen hatte ich nach einem Testaufbau wieder verworfen. Selbst mir als Nicht-Architekten kam die seitliche Belastung der für vertikale Belastung ausgelegten Stützfeiler nicht geheuer vor. So schlafe ich auf dem Boden aber dank Luftmatratze ist das auch kein Problem. Gegen 20 Uhr liege ich im Schlafsack und meine Fußsohlen genießen die Pause.

Selbstportrait über dem Handthal mit Blick auf Oberscharzach, strapazierte Füße und das Schlafgemach, die Hängematte wurde jedoch wieder abgehängt.
Selbstportrait über dem Handthal mit Blick auf Oberscharzach, strapazierte Füße und das Schlafgemach, die Hängematte wurde jedoch wieder abgehängt.

Tag 3

Pünktlich um 6 Uhr klingelte der Wecker. Voll ausgeruht und erlebnishungrig stand ich umgehend auf. Die Routine der Frühstückszubereitung bei gleichzeitigen Verräumen der Schlafstätte ging gut von der Hand. Mit Blick in die weite Landschaft wurde das Frühstück aus heißem Kaffee und heißem Haferbrei genossen. Dann ging es weiter durch den Wald nach Ebrach. Die etwa sechs Kilometer, die teilweise durch das malerische Handthal führten waren schnell zurückgelegt. Zum ersten Mal auf dieser Wanderung schien nun auch die Sonne voll. Die Möglichkeit nutzte ich gleich dazu mein Mobiltelefon mittels eines Solar-Panels zu laden.

Frühstück mit Ausblick, Rucksack als Wäscheständer, Handthal mit Ebracher Weihern und Laden des Telefons über Sonnenenergie
Frühstück mit Ausblick, Rucksack als Wäscheständer, Handthal mit Ebracher Weihern und Laden des Telefons über Sonnenenergie

Die Landschaft war traumhaft und die Fußsohlen machten keine Probleme. Hinter dem Dörfchen Kleingressingen ging es stetig bergauf in den Wald hinein. In Gräfenneuses klärte dann ein Schild auf, dass es aufgrund der Baustelle an der Autobahn, ein Umweg über Geiselwind genommen werden muss. Das bedeutete etwa 9,5 Kilometer mehr Strecke. Die Nachricht wirkte nicht gerade motivierend auf mich. Nachdem ich in Geiselwind am Ortseingang eine Tankstelle erblickte, packte ich die Gelegenheit gleich beim Schopf. Neben einen kühlen Radler konnte ich noch die fast leere Trinkblase auffüllen und mich auf der Toilette auch kurz frisch machen. Die Autobahn wurde unterquert und es ging wieder auf der anderen Seite die ganze Strecke wieder zurück zu der eigentlichen Route zurück. Nach etwa 23 Kilometer machten sich wieder die Fußsohlen bemerkbar. Nachdem ein äußerst steiler Abstieg bewältigt wurde, was natürlich mit einer hohen Belastung der Sohlen einherging, stieg das Schmerzgefühl in ganz neue Sphären auf. Mit Musik über Kopfhöher von Makss-Damage verschaffte ich mir etwas Abwechslung und Motivation. Trotzig legte ich beim folgenden Aufstieg ein besonders zackiges Tempo vor. Über etwa 8 Kilometer konnte ich den Schmerz ertragen und verdrängen indem ich versuchte schnell Strecke zu machen. Als es mal wieder besonders steil bergab ging und eine Waldschneise malerische Aussicht auf die Landschaft freigab, entschloss ich mich jedoch eine Pause einzulegen.

Im Wald oberhalb von Kleingressingen und in der unteren Reihe Ausblick bei kleiner Pause vor Castell
Im Wald oberhalb von Kleingressingen und in der unteren Reihe Ausblick bei kleiner Pause vor Castell

Etwa 15 Minuten Ruhe, mit etwas Essen und Entspannung. Danach ging es weiter in Richtung Castell. Die Schmerzen waren schnell wieder da und verlangten mir einiges ab. Als der Herrenberg über Castell erreicht ist, genoss ich abermals die malerische Aussicht.

Traumhaftes aber bergiges Weinfranken bei Castell
Traumhaftes aber bergiges Weinfranken bei Castell

Da das Tageskilometersoll bereits erfüllt war, plante ich die gegenüberliegende Waldseite zu erreichen und dort einen Schlafplatz zu suchen. Der war auch schon bald gefunden. Ein Steinkreis der einen wunderbaren Blick bot aber wenig frequentiert war, wurde als Nachtquartier auserkoren. Normalerweise habe ich Spaß am Lagerbau aber nach der Tagesetappe von 37 Kilometern mache ich nur langsam und auch deutlich stümperhafter als sonst mein Nachtlager zurecht. Das zubereitete Essen, heiße Gulaschsuppe mit Nudeln, genieße ich aber in vollen Zügen.

Wenig später im Schlafsack liegend hatte ich einen wunderbaren Ausblick auf dem Herrenberg von Castell. Die Füße genießen die wohlverdiente Pause und schnell fiel ich in einen geruhsamen Schlaf.

Traumhafter Biwakplatz am vierten Tag. Entschädigung für die bis dahin schlimmsten Schmerzen.
Traumhafter Biwakplatz am vierten Tag. Entschädigung für die bis dahin schlimmsten Schmerzen.

Tag 4

Als die ersten Sonnenstrahlen über dem Herrenberg von Castell auf meinen Kopf treffen wachte ich auf. So wünscht man sich einen Tagesanfang.

Die Eindrücke dieses Morgens sind mit Bildern nicht zu beschreiben.
Die Eindrücke dieses Morgens sind mit Bildern nicht zu beschreiben.

Bestens gelaunt bereite ich mir wieder das bewährte Frühstück zu und kurz danach geht es weiter.

Da schmeckt der Kaffee gleich doppelt so gut.
Da schmeckt der Kaffee gleich doppelt so gut.

Nach wenigen Kilometern erreichte ich die alte Festungsanlage am Schwanberg. Hier hatten bereits die Kelten eine Festung aufgebaut. Die geografische Lage eignete sich gut zur Verteidigung. Von Osten kommend durchstößt der Wanderpfad den doppelten Festungswall mit vorgelagerten Graben. Nachdem der Schlosspark durchquert wurde, konnte ich eine malerische Aussicht über das Frankenland genießen. Der Abstieg nach Iphofen geht durch das Gebiet des „Höttehött“. Der Sage nach ein Reiter ohne Kopf der als Waldschrat von Iphofen hier sein Unwesen trieb. Jeder der seinen Namen aussprach, den suchte er auf.

Auf dem Schwanberg
Auf dem Schwanberg

In Iphofen musste ich meine Lebensmittelvorräte auffüllen. Hierfür hatte ich im Vorfeld den REWE-Supermarkt auserkoren, hoffte aber in der Altstadt kleinere Läden zu finden bei denen ich ebenfalls Brot, Wurst und Obst kaufen konnte. Meine Hoffnungen waren nicht vergebens. Eine Bäckerei und ein Blumenladen der auch Obst im Angebot hatte, deckten meinen Bedarf an Lebensmitteln.

Malerisches Iphofen
Malerisches Iphofen

Iphofen verlassend ging es in Richtung Osten. Hier verlief der Weg auf einen Trimm-dich-Pfad. Als die Klimmzugstangen kamen, konnte ich nicht anders. Aber wie auch schon während meiner Dienstzeit brachte ich gerade einmal einen kläglichen Klimmzug mit dem Rucksack auf den Rücken zustande. 25 Kilogramm mehr wirken sich doch dramatisch auf die eigene Klimmzugleistung aus. Am Ende des Pfades kam noch ein Kneippbecken in Sicht. Es war traumhaft mit den geschundenen Füßen durch das kalte Wasser zu stapfen. Bestens gelaunt setzte ich, die Füße noch einmal mit Hirschtalg eingefettet meinen Weg fort.

Blich auf den Schwanberg von Iphofen, Kneippbecken, Aussicht nach Süden vom Vogelsangberg, Mönchsondheim
Blich auf den Schwanberg von Iphofen, Kneippbecken, Aussicht nach Süden vom Vogelsangberg, Mönchsondheim

Zwischen Markt Einersheim und Mönchssondheim kam mir eine Wanderin mit großen Rucksack entgegen. Die Dame mittleren Alters lief ebenfalls den gesamten Steigerwald-Panoramaweg, jedoch in der anderen Richtung von Bad Windsheim nach Bamberg. Sie ließ es aber gemütlicher angehen und ist bereits den dritten Tag unterwegs. Mit ihrem Rucksackgewicht von nur 12 Kilogramm kann ich jedoch nicht mithalten. Meine Ausrüstung setzt sich hauptsächlich aus Militärsachen zusammen und ist daher zwangsläufig auch schwerer aber eben widerstandsfähiger.

Hinter dem verträumten Örtchen Mönchssondheim ist eine kleine landschaftliche Durststrecke zu bewältigen. Fairerweise muss ich aber feststellen, dass dies der einzige Abschnitt war, der keine besonderen landschaftlichen Reize bot, von der Aussicht auf den Steigerwald einmal abgesehen. Auf landwirtschaftlichen Wirtschaftswegen ging es etwa vier Kilometer zwischen Ackerflächen nach Hüttenheim. Hier stand dann der nächste längere Anstieg über ca. 170 Höhenmeter an. „Fern im Westen steh´n dunkle Wolken“. Der Refrain des Fallschirmjägerliedes sprang mir unweigerlich in den Kopf, denn große Gewitterwolken standen am Himmel. Entgegen zum Lied jedoch alles andere als „Fern“, sondern sehr nah. Eigentlich zu nah. Ein schneidiger Wind kündigte auch schon den Wetterumschwung an und ich legte einen schneidigeren Schritt ein, um den erwartbaren Regenschauer etwas geschützt im Wald zu erleben. Das Gewitter zog glücklicherweise weiter nördlich an mir vorbei. Lediglich ein kurzer Schauer frischte die Luft auf.

Pause vor Hüttenheim, Nah im Westen drohen dunkle Wolken, das Steigerwald-Panoramaschild bei Schloss Frankenberg bei dem im Januar 2021 die Idee für die Unternehmung reifte, rechter Haken bei Schloss Frankenberg
Pause vor Hüttenheim, Nah im Westen drohen dunkle Wolken, das Steigerwald-Panoramaschild bei Schloss Frankenberg bei dem im Januar 2021 die Idee für die Unternehmung reifte, rechter Haken bei Schloss Frankenberg

Kurz vor dem Schloss Frankenstein legte ich noch eine kleine Pause ein. Die Schmerzen in den Fußsohlen ließen mir eigentlich auch keine andere Wahl. Nach den guten Erfahrungen mit dem Kneippbecken ziehe ich Schuhe und Socken aus und massiere die geschundenen Sohlen. Auch ein paar Schritte Barfuß sorgten für ein Nachlassen der Schmerzen. Bevor es weiterging gibt es noch eine dicke Schicht Hirschtalg für die Füße. Bei Schloss Frankenberg komme ich an der Steigerwald-Panoramaweg-Tafel vorbei, an welcher im Januar die Idee für diese Unternehmung ihren Anfang fand.

Durch das mir von der Winterwanderung noch wohlbekannte Gelände geht es zur Burgruine Hohenlandsberg. Die Ruine ist zugleich der höchste Punkt auf der gesamten Route. Von Bärlauch umringt führt ein schmaler Pfad in die alte geschliffene Raubritterburg. Eigentlich hatte ich vor hier meine Nacht zu verbringen. Doch am Sonnabend um 20 Uhr war hier noch einiges los. Zudem ist das Übernachten in der Ruine noch zusätzlich zur Corona-Ausgangssperre, gegen welche ich ja schon seit Tagen verstoße, verboten. Das Risiko, dass ein spießiger Burgbesucher mich anschwärzt und ich dann noch mitten in der Nacht das Lager abbrechen muss, lassen mich weiterziehen. Wenige hundert Meter weiter habe ich einen geeigneten, gut getarnten Platz für die letzte Nacht im Wald gefunden.

Von Bärlauch eingefasster Pfad, Eingang in das innere der Ruine Hohenlandsberg, im inneren der Ruine, späteres Lager im Wald
Von Bärlauch eingefasster Pfad, Eingang in das innere der Ruine Hohenlandsberg, im inneren der Ruine, späteres Lager im Wald

Da für die Nacht Regen gemeldet ist spanne ich mir eine Schutzplane auf. Mit der Tagesleistung von 41,5 Kilometer kann ich zufrieden sein. Mit dem Kartoffelbrei den ich mir zubereite bin ich es nicht. Nach ein paar Löffeln entscheide ich mich dazu den Rest im Waldboden zu vergraben. Mögen die Würmer mehr Freude an dem widerlichen Brei haben. Erschöpft kroch ich in den Schlafsack für die letzte Nacht im Wald.

Tag 5

Pünktlich stand ich auf. Da ich kein Haferbrei mehr für das Frühstück hatte, wurde es kurzerhand mit einer kleinen Portion Gulasch ein deftiges Frühstück. Das Lager war schnell geräumt und wie immer erinnerte nach meinem Abzug nur noch etwas plattgedrücktes Laub daran, dass ich hier meine Nacht verbrachte. Die ersten Kilometer wurden schnell zurückgelegt. In den beiden malerischen Ortschaften Herbolzheim und Oberntief musste ich einige Stopps einlegen um Fotos von den schönen alten Gebäuden zu machen. Für die Ortschaft Herbolzheim ist dies besonders erwähnenswert, denn das Dorf wurde am 12. April 1945 von den amerikanischen Jagdbombern und Artillerie zu 90 Prozent zerstört.

Kontrolle der Karte, malerisches Herbolzheim, Blick nach Norden über Oberntief
Kontrolle der Karte, malerisches Herbolzheim, Blick nach Norden über Oberntief

Regen hatte mittlerweile wieder eingesetzt aber in Anbetracht des nahenden Ziels war ich munter und mit dem Soldatenlied „Auf Kreta bei Sturm und bei Regen“, dass ich lauthals in die Landschaft schmetterte ging es frohen Schrittes immer weiter. Nach etwa vier Stunden war dann das Ziel am Kurpark in Bad Windsheim erreicht. Glücklich aber auch etwas traurig das dieses kleine Abenteuer nun schon vorbei ist machte meine Frau die mich dort abholte noch ein Foto von mir vor dem eigentlichen Startschild und dann ging es motorisiert nach Hause.

Am Ziel: 188 Kilometer, 3827 Höhenmehter in 4,5 Tagen
Am Ziel: 188 Kilometer, 3827 Höhenmehter in 4,5 Tagen

Fazit:

Im Gesamten hatte ich vom den Bamberger Hauptbahnhof bis zum Kurpark in Bad Windsheim 188 Kilometer zurückgelegt und einen Anstieg von 3827 Höhenmeter bewältigt. 50 Stunden und 39 Minuten war ich in diesen viereinhalb Tagen auf den Beinen.

Strecke Anstieg Zeit
Tag 1 54,57 1360 14 Stunden 38 Minuten
Tag 2 35,28 806 10 Stunden 10 Minuten
Tag 3 37,46 641 10 Stunden 13 Minuten
Tag 4 41,47 835 11 Stunden 32 Minuten
Tag 5 19,61 185 4 Stunden 06 Minuten
Summe 188,39 3827 50 Stunden 39 Minuten

 

In der Zeit habe ich wieder viele interessante Erfahrungen gemacht. Natürlich bin ich ein geübter Wanderer und Sportler. Aber eine Tour, bei der ich über mehrere Tage mit schwerem Gepäck mindestens 35 Kilometer zurückzulegen muss hatte ich noch nie unternommen.

Übersicht: Tag 1 rot, Tag 2 dunkelgrün, Tag 3 schwarz, Tag 4 blau, Tag 5 lila
Übersicht: Tag 1 rot, Tag 2 dunkelgrün, Tag 3 schwarz, Tag 4 blau, Tag 5 lila

Das Wandern hier kam mir vor wie einfaches Schmerzmanagement. Schmerzen in den Schultern, Schmerzen an der Hüfte und vor allem Schmerzen in den Fußsohlen. Andere Probleme hatte ich eigentlich nicht. Mal hier, mal dort mehr Schmerzen und als die Fußsohlen ab den zweiten Tag nach ca. 25 Kilometer anfingen zu brennen stellte das sowieso alles andere in den Schatten. Die Nächte draußen waren stets sehr erholsam und ich hatte einen tiefen und kraftspendenden Schlaf.

Körperlich bleibt mir vor allem der erste Tag mit seinen zahlreichen Auf- und Abstiegen und der Streckenlänge im Gedächtnis. Sonst war es, wundersamer Weise – von den Anstiegen abgesehen – nicht allzu anstrengend. Begrenzender Faktor bei der täglichen Streckenlänge waren ab dem zweiten Tag stets die Schmerzen in den Fußsohlen. Neben viel Hirschtalg, Fußmassagen und ein bisschen Barfußlaufen in den Marschpausen habe ich dagegen auch noch kein probates Mittel gefunden.

An medizinischen Hilfsmitteln habe ich vor, während und nach der Tour nichts genommen, abgesehen von einer Magnesium-Tablette jeden Abend. So war es auch geplant. Schmerztabletten hatte ich zwar in meinem 1. Hilfe-Set dabei und die Versuchung war gerade am dritten Tag groß gewesen aber die Disziplin war stärker.

Landschaftlich war die Wanderung traumhaft. Selbst der verregnete erste Tag bot trotz tiefhängender Wolken viele Reize für die Augen. Panoramaweg heißt eben auch, dass man schöne Ausblicke erwarten darf. Es heißt aber auch, dass man quasi jeden Hügel am Weg rauf muss. Der Weg selber mit Umleitungen ist hervorragend ausgeschildert.

Die Oberbayern haben die Alpen aber dafür haben die Franken haben den Horizont.
Die Oberbayern haben die Alpen aber dafür haben die Franken haben den Horizont.

 

Natur und Ortschaften bieten einen besonderen Reiz für die Augen
Natur und Ortschaften bieten einen besonderen Reiz für die Augen

In der Nachbetrachtung denke ich gerne an die fünf Tage zurück. Eine weitere mehrtätige Wandertour will ich – sobald es die Verpflichtungen in Familie, Beruf und Politik wieder zulassen – auf jeden Fall wieder unternehmen. Goethe hatte mit seinem Ausspruch „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ natürlich recht. Ich habe mir so wieder ein kleines Stück meiner wunderbaren Heimat erschlossen und ein paar Stunden in trauter Zweisamkeit mit meiner körperlichen – und was die Schmerzen angeht psychischen – Leistungsgrenze verbracht. Was gibt es schöneres für einen heimattreuen Sportler? Ich kann nur jedem empfehlen rauszugehen und sich zu bewegen. Fangt mit kleinen Touren an und steigert euch. Beim Wandern ist dies auch mit wenig Training einfach möglich. Selbst einen 100 Kilometer-Marsch kann jedermann, sofern er keine körperlichen Gebrechen wie Fußfehlstellungen o.ä. hat, auch ohne vorheriges Training mit der richtigen Einstellung bewältigen. Unser Vaterland bietet zudem eine Vielzahl an wunderschönen Ecken. Reiseführer, Tourenplaner, Online-Recherche oder auch unser Reiseführer mit Sehenswürdigkeiten Reiseführer Deutschland – Entdecke deine Heimat bieten hier eine Vielzahl von Zielen.

Demnach: Packt die Taschen, schnürt die Stiefel und hinaus in die Natur!

 

 

Körper & Geist – Arbeitsgemeinschaft der Partei Der Dritte Weg


[i] https://www.frankentourismus.de/wege/steigerwald-panoramaweg-391/





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